Kommt das Anbauverbot für
Bt-Mais?
Volksaufstand gegen die Gentechnik. Hilflose
Politik
(20.02.2009) In
Süddeutschland, vor allem in Bayern hat sich die
Ablehnung der Grünen Gentechnik zu einem
Volksaufstand entwickelt. Die Politik reagiert
hilflos und kündigt Anbauverbote für gentechnisch
veränderten Bt-Mais an. Auch Freisetzungsversuche
sollen nicht mehr geduldet werden.
"Der Protest gegen die
Agro-Gentechnik ist mitten im Volk angekommen",
schreibt die Süddeutsche Zeitung über eine
Kundgebung mit der indischen
Anti-Gentechnik-Aktivistin Vandana Shiva vor 3500
Zuhörern in Rosenheim. Praktisch spielt der Anbau
von Bt-Mais bis auf wenige Felder in Unterfranken in
Bayern keine Rolle. Dennoch hat der "Kampf gegen die
Gentechnik" nicht nur die Bauern zusammengebracht,
sondern auch "Trachtler, Gebirgsschützen, Gartler,
Pfarrgemeinderäte und alle möglichen anderen Leute
vom Land, die bislang als ureigenste Klientel der
CSU galten." (Süddeutsche, 20.02.09) Es geht, so die
Redner in Rosenheim, um den "Erhalt der Heimat",
gegen Konzerne und die Eliten in der Politik.
Auf diese Bewegung reagiert
die Politik hilflos. Die bayerische Landesregierung,
die über Jahre ein eigenes ambitioniertes
Forschungsprogramm mit gentechnisch veränderten
Pflanzen durchgeführt hatte, will Bayern nun
"gentechnik-frei" machen. Nicht nur der Anbau von
Bt-Mais soll untersagt werden, sondern auch
Freilandforschung oder Sortenversuche mit
gentechnisch veränderten Pflanzen.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)
will nun noch vor der Aussaat Ende April ein
Anbauverbot für Bt-Mais MON810 prüfen. Auch der
Baden-Württembergische Landwirtschaftsminister Peter
Hauck lässt einen Anbauversuch zur Koexistenz
vorzeitig beenden, der noch von der damaligen
Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Die
Grünen) in Auftrag gegeben worden war. Hier
sollte untersucht werden, wie sich Einträge von
Bt-Mais in konventionelle Bestände minimieren
lassen.
Doch die Politiker haben ein
Problem: Die Anti-Gentechnik-Bewegung führt immer
wieder die "unkalkulierbaren Gefahren" von Bt-Mais
an: Er sei eine Gefahr etwa für Schmetterlinge,
Bienen oder Bodenlebewesen. Eine Koexistenz
könne es nicht geben, da Pollen von Bt-Mais "nicht
kontrollierbar" sei. Die Fachleute in den
Ministerien jedoch wissen, dass die überwiegende
Mehrheit der Experten sich weltweit einig ist, dass
es bisher keinen wissenschaftlich fundierten Hinweis
auf solche Gefahren gibt. Und auch Minister Hauck
räumte ein, die nun eingestellten Versuche hätten
gezeigt, dass sich "bei einer Entfernung von 150
Metern zwischen den unterschiedlichen Pflanzen in
weniger als 0,9 Prozent der konventionellen
Maiskörner Gentechnik-Spuren finden."
Die Gentechnik-Kritiker geben
sich jedoch nicht damit zufrieden, wenn für
Politiker oder Wissenschaftler eine Koexistenz - so,
wie sie gesetzlich definiert ist - zwischen
konventionellem und Bt-Maisanbau möglich ist.
Kompromisslos wird ein Verbot von Bt-Mais gefordert.
Doch: Es dürfte nicht einfach sein, ein
Produkt zu verbieten, das allen gesetzlichen
Vorschriften entspricht, zugelassen ist und sowohl
von Expertengremien wie vor Gerichten als sicher
eingestuft wurde. Und so suchen die Politiker
"fieberhaft" - wie Bundeslandwirtschaftsministerin
Aigner einräumte - nach "Lösungen": Sie wollen zwar
den Forderungen der Anti-Gentechnik-Bewegung
nachgeben und ihr so die Spitze nehmen, doch der
gesetzliche Spielraum für ein Verbot von Bt-Mais ist
begrenzt.
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