Nach dem Verbot von gentechnisch verändertem
Mais: Wie weiter mit der Grünen Gentechnik?
(17.04.2009) Nach dem Verbot
des Anbaus von gentechnisch verändertem MON810-Mais
durch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner
fallen die Bewertungen unterschiedlich aus. Während
Umweltverbände und Anti-Gentechnik-Gruppen weitere
Verbote fordern, wandten sich die großen
Wissenschaftsorganisationen in einer gemeinsamen
Erklärung gegen eine "pauschale Ablehnung" der
Grünen Gentechnik und eine "irrationalen Umgang".
Umwelt- und
Verbraucherverbände, die seit Jahren gegen die Grüne
Gentechnik ankämpfen, begrüßten Aigners Entscheidung
als "längst überfälligen Schritt". Zugleich
forderten Sie weitere Verbote und Einschränkungen.
"Wir erwarten nun, dass sie
konsequent bleibt und sich auf Brüsseler Ebene klar
gegen die Zulassung anderer gentechnisch veränderter
Pflanzen ausspricht," wandte sich BUND-Vorsitzender
Hubert Weiger an Aigner. Auch der Vorsitzende
des BÖLW (Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft)
Prinz zu Löwenstein forderte von der
Bundesregierung, dass sie sich "der Zulassung
weiterer Gen-Mais-Sorten widersetzt." Andere
verlangten, alle Freisetzungsversuche mit
gentechnisch veränderten Pflanzen zu beenden.
Greenpeace prangert erneut die Verwendung von
Futtermitteln aus gv-Sojabohnen an. Mit Aktionen vor
80 Supermärkten sollen große Molkereien gezwungen
werden, dass Milchkühe nur noch "gentechnik-freies"
Futter erhalten. Jährlich führt die EU 40 Millionen
Sojarohstoffe ein, die überwiegend gentechnisch
verändert sind.
Auch die großen
Wissenschaftsorganisationen werten das MON810-Mais
Verbot als Weichenstellung für den weiteren Umgang
mit der Grünen Gentechnik. In einer gemeinsamen
Erklärung heißt es: "Aus der Sicht von Wissenschaft
und Forschung besteht große Sorge, dass diese
Entscheidung den Trend verstärken wird, mit einer
aller Voraussicht nach wichtigen Zukunftstechnologie
irrational umzugehen und dadurch irreparable Schäden
für den Standort Deutschland herbeizuführen." Die
Wissenschaftsorganisationen setzen sich ausdrücklich
dafür ein, "die Chancen und die Nutzung der Grünen
Gentechnik in Deutschland zu erforschen." Seit
Jahren werde in Deutschland "umfangreich und
wissenschaftlich profund" über Sicherheitsfragen und
mögliche Risiken geforscht. "Nie haben
entsprechende Untersuchungen fundierte Ergebnisse
erbracht, die eine Abkehr von dieser Technologie
auch nur entfernt nahe legen könnten."
Die Wissenschaftsorganisationen
fordern die Politik auf, "für eine Versachlichung
der Diskussion zu sorgen und verlässliche
Rahmenbedingungen für die Forschung und
wissenschaftliche Begleitung der künftigen Nutzung
der Grünen Gentechnik zu schaffen."
Die gemeinsame Erklärung
wurde von allen großen Wissenschaftsorganisationen
unterzeichnet, darunter die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG), die Deutsche Akademie
der Naturforscher Leopoldina,
Max-Planck-Gesellschaft, Hochschulrektorenkonferenz
und Wissenschaftsrat.
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