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10 Jahre transgen.de
1997-2007
Konfliktfeld Grüne Gentechnik
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1996 werden in Nordamerika die ersten gv-Sojabohnen
angebaut. Ein Jahr später treten in der EU die ersten gesetzliche
Vorschriften in Kraft. Lebensmitteln aus gentechnisch veränderten Organismen
müssen nun gekennzeichnet werden - wenn auch nur unter bestimmten
Voraussetzungen. Im gleichen Jahr startet
transgen.de.
Zehn Jahre später stehen gv-Pflanzen auf über 100
Millionen Hektar - doch in Deutschland sind noch immer keine
gekennzeichneten Produkte im Sortiment. Genfood ist zu einem
Symbol für eine industrialisierte und entfremdete Nahrungsmittelproduktion geworden.
Trotz hoher Sicherheitsanforderungen glauben die meisten
Konsumenten, der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen sei "eine unkalkulierbare Gefahr" und mögliche
gesundheitliche Risiken der daraus erzeugten Lebensmittel seien "nicht ausreichend erforscht".
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1997
Zum 1. November sind
in der EU Lebensmittel aus gv-Sojabohnen oder gv-Mais grundsätzlich
kennzeichnungspflichtig. Doch die Bestimmungen lassen große
Interpretationsspielräume. Es folgen endlose Diskussionen, aber
gekennzeichnete Produkte gibt es nicht. In den Niederlanden
dagegen verständigen sich Unternehmen und Verbraucherverbände auf
eine "freiwillige Kennzeichnung". Auf Produkten wie dieser Suppe
findet sich der Hinweis
"mit moderner Biotechnologie".
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1998
Nestlè bringt den "Butterfinger" auf
den Markt - gekennzeichnet mit "hergestellt aus gentechnisch
verändertem Mais". Überall in Europa sind gekennzeichnete
Produkte zu kaufen. Nach Protesten vor Supermärkten werden
sie wieder aus den Regalen entfernt. - Im EU-Ministerrat
werden mehrere Produkte aus gv-Pflanzen mit qualifizierter
Mehrheit der Mitgliedstaaten zugelassen, darunter auch der
gv-Mais MON810. Er ist bis heute die einzige gv-Pflanze, die
in der EU angebaut wird.
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1999
Im Juli verständigen sich die
EU-Umweltminister darauf, keine gv-Pflanzen und daraus
hergestellte Lebensmittel mehr zuzulassen. Dieses Moratorium
soll solange gelten, bis neue strengere
EU-Rechtsvorschriften in Kraft getreten sind. - Nach
öffentlichkeitswirksamen Protestaktionen geben fast alle
großen Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft bekannt, auf
Zutaten aus gv-Organismen verzichten zu wollen. In der
Praxis bezieht sich dieser Verzicht jedoch ausschließlich auf
kennzeichnungspflichtige GVO-Anwendungen.
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2000
Bei der Eröffnung der
EXPO-Ausstellung "Faszination Pflanzenzüchtung"
(Foto) unterbreitet Bundeskanzler Schröder seine
"Kanzlerinitiative": Bis 2003 solle die Industrie auf den
Anbau von gv-Pflanzen verzichten. Im Gegenzug wolle die
Regierung mit einem Forschungsprogramm untersuchen, wie sich
die landwirtschaftliche Nutzung von gv-Pflanzen auf die
Umwelt auswirkt. Es folgen lange Diskussionen über die
Ausgestaltung des Versuchsanbau. Auf dem Höhepunkt der
BSE-Krise sagt die Bundesregierung das Projekt ab. Die
Verunsicherung der Verbraucher sei zu groß. Zudem brauche
man Zeit für die "Neuausrichtung der Agrarpolitik". Für die
Grünen Gentechnik ist nun die neue
Verbraucherschutzministerin Renate Künast zuständig.
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2001
Die globalen Anbauflächen für gv-Pflanzen haben erstmals 50 Millionen Hektar
überschritten. Bei Sojabohnen entfallen knapp die Hälfte der
Weltproduktion auf gv-Sorten. In zwei der wichtigsten
Exportländer, USA und Argentinien, haben sich gv-Sojabohnen
weitgehend durchgesetzt und werden fast flächendeckend
angebaut. In Brasilien werden aus Argentinien
eingeschmuggelte gv-Sojabohnen illegal angebaut. - In
Europa wird im Zuge der BSE-Krise die Verfütterung von
Tiermehl verboten. Als Folge davon steigen die Sojaimporte
in diesem Jahr um 3,5 Millionen Tonnen.
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2002
Verbraucherschutzministerin Renate
Künast lädt etwa 50 gesellschaftliche Gruppierungen zum
Diskurs Grüne Gentechnik. Neben der Klärung von
Sachfragen sollen "Handlungsoptionen und Empfehlungen"
erarbeitet werden. Nach einer international besetzten Fachtagung
zum Auftakt schließen sich fünf "Diskursrunden"
zu verschiedenen Themen an. Mehr als dreißig Experten
beteiligen sich. Auf der Abschlussveranstaltung im September
bewerten zwar viele Teilnehmer den Diskussionsprozess
positiv, doch der Dissens besteht am Ende unverändert fort.
- Der gesamte Diskurs Grüne Gentechnik wird auf
transgen.de dokumentiert.
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2003
Im Juli beschließt der Rat der
EU-Agrarminister, das Zulassungsmoratorium für GVO-Produkte
zu beenden. Zuvor hatte das EU-Parlament der neuen
Verordnung für gentechnisch veränderte Lebens- und
Futtermittel zugestimmt. Damit gelten nun verschärfte
Sicherheitsanforderungen und eine erweiterte
Kennzeichnungspflicht. - Erst im Mai 2004 wird das erste
GVO-Produkt nach Aufhebung des Moratoriums durch Beschluss
der EU-Kommission zugelassen: gentechnisch veränderter
Süßmais Bt11 in Konserven.
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2004
In Deutschland beginnt der
"Erprobungsanbau": An 30 Standorten in sieben Bundesländern
wird gentechnisch veränderter Bt-Mais angebaut. Alle Felder
sind nach einem einheitlichen Schema mit Bt- und
konventionellem Mais bepflanzt. Es soll herausgefunden werden, ob
in der Praxis eine Koexistenz von Bt-Mais- und
konventionellem Maisanbau möglich ist. Es wird untersucht, in
welchen Entfernungen es zu GVO-Einkreuzungen von Bt-Mais in
konventionellen Mais kommt. - Im April tritt EU-weit die
neue Verordnung für gentechnisch veränderte Lebens- und
Futtermittel in Kraft. Trotz Ausweitung der
Kennzeichnungspflicht sind weiterhin kaum gekennzeichnete
Produkte im Handel. Die amtliche Lebensmittelüberwachung
findet nur vereinzelt Verstöße gegen die neuen
Kennzeichnungsvorschriften.
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2005
Erstmals gelten beim Anbau von
gv-Mais die Regeln des von der rotgrünen Bundesregierung
durchgesetzten Gentechnik-Gesetzes. So müssen etwa alle mit
gv-Pflanzen bewirtschafteten Anbauflächen in ein öffentlich
zugängliches Standortregister eingetragen werden. - Nach der
Bundestagswahl im Herbst regiert nun die Große Koalition.
Sie verständigt sich darauf, das Gentechnik-Gesetz erneut zu
ändern. Vor allem die Regeln zur Haftung beim Anbau von
gv-Pflanzen sollen entschärft werden.
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2006
In Deutschland gründen sich zahlreiche
"gentechnikfreie Regionen". Grundlage sind
Selbstverpflichtungserklärungen von Landwirten, in nächster Zeit
keine gv-Pflanzen anzubauen. In der Regel ist die Verwendung von
Futtermitteln aus gv-Pflanzen davon nicht betroffen. - Der Anbau von
Bt-Mais in Deutschland steigt auf 970 Hektar. Weltweit stehen auf
mehr als 100 Millionen Hektar gv-Pflanzen.
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2007
In der EU wird in sechs Ländern auf
110.000 Hektar gentechnisch veränderter Bt-Mais angebaut. In
Spanien tragen Bt-Maissorten zu einem Viertel der nationalen
Maiserzeugung bei. - Bt-Mais wird fast ausschließlich als
Futtermittel verwertet. - Viele Vitamine.
Zusatzstoffe und Lebensmittelenzyme werden inzwischen mit
Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt.
Anders als vor zehn Jahren interessieren sich
gentechnik-kritische Gruppen und Verbände kaum noch dafür.
Damals hatten man immer wieder auf große gesundheitliche
Risiken durch den Einsatz von gv-Mikroorganismen hingewiesen
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Das Wichtigste: Kurz, knapp,
verständlich.
(Stand: März 2012)
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