Kein Soja aus den USA:
Nulltoleranz für nicht
zugelassene gentechnisch veränderte Pflanzen weiter
in der Diskussion
(22.09.2009) Derzeit
gelangen keine Sojatransporte mehr aus den USA nach
Europa. Nachdem mehrere Schiffe zurückgewiesen
wurden, weil in den Ladungen Spuren der
Bt-Maislinien MON88017 und MIR604 nachgewiesen
wurden, scheuen alle Importeure das Risiko solcher
Einfuhren. Nach Aussagen von Experten ist spätestens
im Dezember mit Verknappungen in der
Futtermittelindustrie zu rechnen. Angesichts der
Situation haben sich in Deutschland die
Agrarminister des Bundes und der Länder für schnelle
Zulassungsverfahren ausgesprochen.
MON88017 und MIR604 sind in
der EU noch nicht zugelassen, wurden aber bereits
von der EFSA als unbedenklich eingestuft. Aufgrund
der so genannten Nulltoleranz-Regelung sind
Agrarimporte, die auch nur geringste Spuren nicht
zugelassener Organismen enthalten, in der EU nicht
verkehrsfähig. Bereits im letzten Jahr wollte die
EU-Kommission für Futtermittelimporte einen
"Toleranzwert" für nicht zugelassene gv-Pflanzen
einführen, hatte sich aber dann dafür ausgesprochen,
die Zulassungsverfahren für in den Erzeugerländern
erlaubte gv-Pflanzen zügig durchzuführen.
EU-Agrarkommissarin Mariann
Fischer Boel hat mehrfach erfolglos raschere
Genehmigungen angemahnt. Am 22. Juli wurde im
Ständigen Ausschuss der EU-Kommission über die
Zulassung von MON88017 abgestimmt, die erforderliche
Mehrheit der Mitgliedsstaaten kam aber nicht
zustande. Für den Agrarministerrat am 19. Oktober
zeichnet sich erneut keine qualifizierte Mehrheit
ab. In diesem Fall wird die Kommission den Mais
voraussichtlich ohne Zustimmung der Mitgliedsstaaten
genehmigen.
Die Futtermittelindustrie hat
zum wiederholten Mal darauf hingewiesen, dass ihre
Wettbewerbsfähigkeit gefährdet sei, und forderte von
der Politik, zeitnah praktikable Regelungen
einzuführen.
Angesichts der Situation
haben sich auch die Agrarminister der Länder bei
ihrer Herbstkonferenz am 18. September für schnelle
Zulassungsverfahren bei gentechnisch veränderten
Futtermitteln und für eine "praxisgerechte Anwendung
der Nulltoleranz-Regelung" ausgesprochen. Sie baten
die Bundesregierung, sich bei der EU-Kommission
dafür einzusetzen. Nur Bayern vertrat die
Auffassung, dass am Grundsatz der Nulltoleranz
festgehalten werden sollte. Aufgrund der Vorbehalte
in der Bevölkerung strebt Bayern ein
"gentechnikfreies Bündnis" europäischer Regionen an.
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