Neuer EU-Kommissar John Dalli: Wenig Konkretes
zur Gentechnik-Politik
(15.01.2010) Der designierte
EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz John Dalli
(Malta) will Entscheidungen zu
Gentechnik-Produkten auf wissenschaftlicher Basis
treffen. Bei der Anhörung vor dem Europäischen
Parlament vermied er jedoch konkrete Aussagen zu den
derzeit wichtigen Themen der europäischen
Gentechnik-Politik.
John Dalli, langjähriger
Minister in Malta, soll eine Art "Superkommissar" in
Fragen der Gentechnik werden. José Manuel Barroso,
der bereits gewählte alte und neue
Kommissionspräsident, will die meisten
Zuständigkeiten in diesem Bereich bei dem künftigen
Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz
bündeln. Im Fall der Wahl ist Dalli künftig
zuständig für die Europäische Behörde für
Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische
Arzneimittelbehörde (EMES). Zudem erhält er aus der
Umweltkommission deren Gentechnik-Abteilungen.
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John Dalli (Malta): Bei dem
designierten EU-Kommissar für
Gesundheitswesen und Verbraucherschutz
werden künftig die Zuständigkeiten für die
Gentechnik gebündelt.
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Bei der dreistündigen Anhörung im Europäischen
Parlament vermied Dalli jedoch Festlegungen bei den
Gentechnik-Themen, die vorrangig auf der
Tagesordnung der neuen Kommission stehen. Die
"Basis aller Entscheidungen sei die Wissenschaft",
sagte Dalli auf eine Frage, wie er die Sicherheit
von Gentechnik-Produkten gewährleisten wolle. Dabei
sei es sehr wichtig, dass die wissenschaftliche
Begutachtung unabhängig erfolge. |
Mit Blick auf die ihm
unterstehenden zentralen europäischen
Zulassungsbehörden im Bereich Lebensmittel und
Arzneimittel stellte Dalli in Aussicht, deren
Unabhängigkeit regelmäßig zu überprüfen.
Auch der Frage, ob künftig
die Mitgliedstaaten über den Anbau von gentechnisch
veränderten Pflanzen auf ihrem Gebiet
entscheiden sollten, wich Dalli aus. In
vorangegangenen Interviews hatte sich Dalli für
einen entsprechenden Vorschlag Barrosos
ausgesprochen. In seinen "Politischen Leitlinien",
die Grundlage für Barrosos zweite Amtsperiode als
Kommissionspräsident sind, schlägt er vor, "bei gentechnisch
veränderten Organismen ein auf
wissenschaftlicher Grundlage
beruhendes EU-Zulassungssystem einzuführen, zugleich
aber den Mitgliedstaaten
die Freiheit der Entscheidung zu lassen, ob sie in
ihrem Hoheitsgebiet
gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen möchten
oder nicht." Ähnliches hatten im vergangenen Jahr
einige Mitgliedstaaten, darunter die Niederlande und
Österreich gefordert, um die politische Blockade in
der europäischen Gentechnik-Politik zu überwinden.
Stimmt das EU-Parlament am
26. Januar der neuen Kommission zu, kann diese wie
geplant am 1. Februar ihre Arbeit aufnehmen. Dann
wird sie auch über die Anbau-Zulassung für die
gentechnisch veränderte Amflora-Kartoffel
entscheiden.
Das Parlament kann jedoch nur
über die gesamte Kommission abstimmen. Sollten
einzelne Kommissions-Kandidaten für eine Mehrheit des
Parlaments nicht wählbar sein, wird sich der
Amtsantritt der neuen Kommission weiter verzögern.
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