Indien: Vorerst keine Zulassung für
Gentechnik-Aubergine
(09.02.2010) Die indische
Regierung wird eine gentechnisch veränderte Bt-Aubergine (Brinjal) vorerst nicht zulassen.
Zunächst soll es weitere wissenschaftliche
Untersuchungen geben. In mehreren öffentlichen
Anhörungen war deutlich geworden, dass die
Gesellschaft in Indien über die Zulassung der Bt-Aubergine tief gespalten ist.
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Der indische Umweltminister Jairam Ramesh
während der Anhörung zur Bt-Aubergine: "Schlaflose
Nächte" vor der Entscheidung.
Foto: The Hindu
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Es sei eine schwierige
Entscheidung gewesen, sagte der indische
Umweltminister Jairam Ramesh vor der Presse in Neu
Dehli. Er habe Wissenschaft und Gesellschaft,
Landwirte und Konsumenten gleichermaßen
berücksichtigen müssen.
Ramesh erklärte, die
Bt-Aubergine solle erst dann zugelassen werden, wenn
weitere unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen
zu möglichen langfristigen Auswirkungen auf Umwelt
und Gesundheit durchgeführt seien. Deren Ergebnisse
müssten sowohl die breite Öffentlichkeit wie auch
die Experten von der Unbedenklichkeit der
Bt-Aubergine überzeugen. Im übrigen gebe es keine
besondere Dringlichkeit, die Bt-Aubergine rasch auf
den Markt zu bringen.
Das nun verfügte Moratorium
ist der vorläufige Höhepunkt einer langen
öffentlichen Kontroverse. |
Die Bt-Aubergine - in Indien
Brinjal genannt - wurde von
indischen Forschungsinstituten, dem Saatgutunternehmen Mahyco
sowie Monsanto entwickelt. Durch ein neu
eingeführtes Gen produziert die Bt-Aubergine ein
Protein, das gegen den Auberginenfruchtbohrer
wirkt, einen in weiten Teilen Indiens verbreiteten Schädling. Die Bt-Aubergine wäre die
erste gentechnisch veränderte Nahrungspflanze in
Indien. Derzeit wird dort nur Bt-Baumwolle angebaut.
Nach mehrjährigen
Freilandversuchen und Voruntersuchungen kam die zuständige indische Bundesbehörde (Genetic
Engineering Approval Committees, GEAC) im
Oktober 2009 zu dem Ergebnis, die Bt-Aubergine sei
sicher. Vom wissenschaftlichen Standpunkt gebe es
keine Gründe, eine Zulassung zu versagen.
Doch angesichts der heftigen
öffentlichen Kontroverse um die Bt-Aubergine zögerte
die indische Regierung eine Zulassung hinaus.
Umweltminister Jairam Ramesh, der zwischen den
extremen Positionen einen "mittleren Weg" gehen
wollte, setzte eine Reihe öffentlicher
Konsultationen an, die seit Mitte Januar in mehreren
indischen Städten stattfanden. Alle
gesellschaftlichen Gruppierungen und Einzelpersonen
konnten sich daran beteiligen.
Nicht-Regierungsorganisationen, Kleinbauern, Umwelt-
und Verbraucherverbände konnten einen starken
politischen Druck gegen die Zulassung der
Bt-Aubergine aufbauen. Aus ihrer Sicht gab es
Zweifel an der Sicherheit der Aubergine. Außerdem
sahen sie Gefahren für die Vielfalt der in Indien
vorkommenden Wildauberginen und befürchteten eine
zunehmende Abhängigkeit der Landwirte. Mehrere
indische Bundesstaaten kündigten an, die Bt-Aubergine nicht zulassen zu wollen.
Die überwiegende Mehrheit der
Wissenschaftler und viele Behörden verwiesen dagegen
auf die eindeutigen Ergebnisse der
Sicherheitsbewertung. Zudem habe sich in
Freilandversuchen mit der Bt-Aubergine gezeigt, dass gegen den
Auberginenfruchtbohrer 80 Prozent weniger
Pflanzenschutzmittel benötigt werden. Das sei für
die Gesundheit der Landwirte und der Konsumenten von
Vorteil.
Mit einer Fläche von 600.000
Hektar ist Indien nach China der weltweit größte
Erzeuger von Auberginen.
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