EU: Patt im Ministerrat, sechs
Gentechnik-Produkte vor der Zulassung
(29.06.2010) Erneut konnten
sich die EU-Mitgliedsstaaten nicht über
Gentechnik-Zulassungen einigen. Auf ihrer Sitzung in
Luxemburg stimmten die EU-Agrarminister heute über
Importzulassungen für sechs verschiedene gentechnisch
veränderte Maislinien ab. In keinem Fall fand sich
die erforderliche qualifizierte Mehrheit. Nun stehen
die sechs GVO-Produkte vor der Zulassung durch die
EU-Kommission.
Entsprechend den europäischen
Rechtsvorschriften hatte die EU-Kommission
für mehrere Zulassungsanträge Entscheidungsvorschläge ausgearbeitet.
Diese folgen den Ergebnissen der wissenschaftlichen Sicherheitsbewertungen durch
die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
(EFSA). Auf seiner Sitzung am 29.6. in Luxemburg stimmte der
Rat der EU-Agrarminister über die Vorschläge ab.
Wie in allen vorangegangenen
Zulassungsverfahren standen sich zwei etwa gleich
große Blöcke von befürwortenden und ablehnenden
EU-Mitgliedsstaaten gegenüber. Erneut endeten die
Abstimmungen ohne die in den EU-Verträgen
vorgeschriebene qualifizierte Mehrheit. Deutschland
stimmte für die Zulassungen.
Nach den geltenden
europäischen Rechtsvorschriften muss nun die
EU-Kommission die Entscheidungsvorschläge umsetzen. Da alle
gesetzlichen Voraussetzungen für eine Zulassung
erfüllt sind, ist davon auszugehen, dass die
EU-Kommission diese in Kürze erteilen wird.
Danach können Lebens- und
Futtermittel aus fünf gentechnisch veränderten Maislinien in der
EU auf den Markt. Erlaubt sind auch "zufällige,
technisch unvermeidbare" GVO-Beimischungen bis
maximal 0,9 Prozent in konventionellen
Maiseinfuhren. Ein Anbau der gv-Maislinien in der
EU ist dagegen durch die zu erwartenden Zulassungen
nicht abgedeckt.
Es handelt sich um Kreuzungen
aus verschiedenen gv-Maislinien, die in USA und Kanada,
teilweise auch in Südamerika angebaut werden. Die
Pflanzen produzieren verschiedene, gegen Schädlinge wie
Maiszünsler und
Maiswurzelbohrer gerichtete
Varianten des Bt‑Proteins.
Einige der Linien sind zudem resistent gegen
Herbizide.
Ebenso ist mit einer Neuzulassung von Lebens- und
Futtermitteln aus gv-Mais Bt11 durch die Kommission
zu rechnen. Auch
hier hatte die Abstimmung im EU-Ministerrat keine
eindeutige Mehrheit ergeben. Produkte aus
Bt11-Mais, darunter auch Süßmais in Dosen, waren
bereits 2004 in der EU zugelassen worden. Der
Hersteller von Bt11-Mais, das Agro-Unternehmen
Syngenta, hatte 2007 einen Antrag auf Erneuerung der
Zulassung eingereicht.
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