Brasilien: Anbau von Gentechnik-Pflanzen steigt weiter - Rekordernte bei Soja

(08.01.2015) In Brasilen bauen die Landwirte immer mehr gentechnisch veränderte Pflanzen an. Die damit bewirtschafteten Flächen sind in der aktuellen Anbausaison 2014/15 auf 42,2 Millionen Hektar gestiegen. Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr geht vor allem auf das Konto von gentechnisch veränderten Sojabohnen. Brasilien erwartet hier eine Rekordernte von 91 Millionen Tonnen. 93,2 Prozent der in Brasilien angebauten Sojabohnen sind gentechnisch verändert.

Sojabohnen, Brasilien

Sojabohnen so weit das Auge reicht: Sojaanbau im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul.

In diesem Monat beginnt in Brasilien die neue Sojaernte. Wegen der anhaltenden Dürre wurde zwar gerade die aktuelle Ernteprognose von 95,8 auf 91 Millionen Tonnen nach unten korrigiert. Dennoch steht Brasilien 2015 vor einer Rekordernte. Weit mehr als die Hälfte (48 Mio. Tonnen) davon gehen in den Export, vor allem nach China und in die Europäische Union. Auch hier mit zunehmender Tendenz.

Parallel zur Ausweitung der Sojaproduktion haben auch die Flächen mit gentechnisch veränderten Sojabohnen um 1,7 auf nunmehr 29,1 Mio. Hektar zugelegt. Der Gentechnik-Anteil bleibt mit 93,2 Prozent nahezu unverändert. Inzwischen werden nicht mehr nur herbizidtolerante gv-Sojabohnen angebaut, sondern immer mehr auch Sorten, die zusätzlich Resistenzen gegen Schadinsekten - meist auf Basis des Bt-Proteins - besitzen. 16,5 Prozent der 2014/15 in Brasilien ausgebrachten Sojabohnen weisen beide Eigenschaften auf (stacked genes).

In einigen brasilianischen Bundesstaaten liegen die GVO-Anteile deutlich über dem Schnitt. In Rio Grande del Sul sind 99,2 Prozent der Sojabohnen gentechnisch verändert. Andere, vor allem im Norden und Nordosten, liegen deutlich darunter. In diesen Regionen wird für die Nachfrage nach „gentechnik-freien“ Futtermitteln in Europa angebaut.

Bei den anderen Kulturarten, bei denen in Brasilien gv-Sorten zugelassen und auf dem Markt sind, hat sich gegenüber dem Vorfahr wenig geändert. Bei Mais sind die GVO-Flächen mit 12,5 Mio. Hektar unverändert, das entspricht einem Anteil von 82,6 Prozent an der gesamten Maisproduktion.

Baumwolle, die in der brasilianischen Landwirtschaft nur eine Nebenrolle einnimmt, fällt hinter Soja und Mais zurück. Zwar kommen auch hier gv-Sorten auf einen Anteil von 66,5 Prozent, doch ihre Flächen erreichen nur 0,6 Mio. Hektar.

Die Angaben stützen sich auf Erhebungen des brasilianischen Agro-Beratungsunternehmens Céleres.

Als Folge des anhaltenden Trends zu gv-Sojabohnen wird es in Brasilien immer schwieriger und technisch aufwändiger, „gentechnik-freie“ Sojabohnen zu erzeugen. Ein Anbau mit konventionellen Sorten und von der übrigen Ernte getrennten Transport- und Verarbeitungswegen findet in einigen Regionen im Norden und Nordosten Brasiliens statt.

Nach Angaben des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) werden in Brasilien jährlich sechs Millionen Tonnen Sojabohnen erzeugt, die als „gentechnik-frei“ zertifiziert sind und damit einen GVO-Gehalt von höchstens 0,1 Prozent aufweisen. Bei entsprechender Nachfrage, so heißt es, könne diese Menge gesteigert werden.

Europa führt jährlich zwischen dreißig und 35 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot ein, vor allem aus Brasilien.