Gentechnik-Mais gegen Maiswurzelbohrer: In den USA
immer mehr resistente Schädlinge - Aktuelle Fangzahlen aus
Deutschland
(06.09.2012) Gentechnisch veränderter Mais
mit einer Resistenz gegen den Maiswurzelbohrer verliert in einigen
Anbauregionen der USA zunehmend seine Wirksamkeit. Das hat die
US-amerikanische Umweltbehörde EPA in einer aktuellen Stellungnahme
eingeräumt. Wissenschaftler hatten vor einiger Zeit vor einem
großflächigen Anbau von gentechnisch verändertem Mais ohne
Fruchtwechsel und andere Präventivmaßnahmen gewarnt. - Inzwischen
hat sich der Schädling auch in Süddeutschland etabliert. Trotz
rigider Bekämpfungsmaßnahmen konnte er bisher nicht ausgerottet
werden. In den betroffen Regionen in Niederbayern und am Oberrhein
sind in diesem Jahr ähnlich viele Käfer in die aufgestellten Fallen
gegangen wie im Vorjahr.
Maiswurzelbohrer: Der "Eine
Milliarde-Dollar-Käfer"
Verbreitung des Maiswurzelbohrers in den USA
2011: Stärkstes Vorkommen im Corn Belt.
Karte: Purdue University
Deutschland: Käfer-Funde des
Maiswurzelbohrers 2007-2012 in Bayern und
Baden-Württemberg. Weitere Funde: Rheinland Pfalz
(6, 2012), Hessen (354, 2011), Nordrhein-Westfalen
(11, 2010).
Stand 06.09.2012, Deutsches Maiskomitee
Zwang zum Fruchtwechsel. Am Oberrhein dürfen
die Landwirte in vielen Regionen nicht mehr Mais auf
Mais anbauen. Damit soll die Vermehrung des
Maiswurzelbohrers unterbunden werden. Eine
Alternative ist etwa Hirse. Foto: Feld bei Breisach
In den USA war der Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera)
lange Zeit der bedeutendste Schädling im Maisanbau.
Die Larven des Käfers zerstören die Wurzeln der
Pflanzen, so dass sie umknicken. Außerdem werden die
Pflanzen weniger gut mit Wasser und Nährstoffen
versorgt. Wegen der immensen Schäden wurde der
Maiswurzelbohrer als "eine-Milliarde-Dollar-Käfer"
bezeichnet.
2003 brachte Monsanto einen gentechnisch
veränderten Mais auf den Markt, der eine spezielle,
gegen den Käfer gerichtete Variante des
Bt‑Proteins (Cry3Bb1) bildet.
Solche Maissorten - bald auch in Kombinationen mit
Resistenzen gegen andere Maisschädlinge wie den
Maiszünsler und gegen
Herbizidwirkstoffe - setzten
sich im mittleren Westen, dem Corn Belt der
USA rasch durch. 2012 stand auf 15 Millionen Hektar
gv-Mais mit Maiszwurzelbohrer-Resistenz.
Ohne großen Aufwand für die Farmer - und bei
zunächst sinkenden Insektizidmengen - gingen die
durch den Käfer verursachten Kosten und
Ertragsausfälle drastisch zurück. Doch im letzten
Jahr wurden auf einigen Feldern erneut Schäden durch
Maiswurzelbohrer beobachtet.
Inzwischen scheint es
erwiesen, dass tatsächlich resistente Käfer die
Verursacher sind. "Es gibt immer mehr Hinweise, dass
in Teilen des Corn Belts die Insekten eine
Resistenz entwickelt haben," so die US-amerikanische
Umweltbehörde EPA nach einem Bericht der
Nachrichtenagentur Bloomberg. Die EPA zeigte sich
"besorgt" und kündigte an, bis zum Jahresende
zunächst umfassende wissenschaftliche Daten
auszuwerten und anschließend neue Strategien gegen
das Resistenz-Problem vorzulegen.
Inzwischen, so der Entomologe Michael Gray von
der Universität Urbana (Illinois), sei es in einigen Maisanbaugebieten wieder üblich,
großflächig Bodeninsektizide
gegen den Maiswurzelbohrer einzusetzen.
Bereits im Frühjahr 2012 hatten sich mehrere
Wissenschaftler an die EPA gewandt und auf das
"unzureichende Resistenzmanagement" hingewiesen. Sie
empfahlen häufigere Fruchtwechsel, größere Refugienflächen
mit konventionellen Pflanzen und ein stärkere Orientierung an den
Grundsätzen der integrierten Schädlingsbekämpfung, jedoch keinen
grundsätzlichen Verzicht auf Bt-Mais.
Auch in Europa ist der
Maiswurzelbohrer längst angekommen. Mitte der 1990er
zunächst auf dem Balkan eingeschleppt, hat er sich
inzwischen in Süd- und Südosteuropa etabliert. Von
da aus ist er auch nach Süddeutschland vorgedrungen.
Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg haben die
Pflanzenschutzämter seit mehreren Jahren
Lockstofffallen aufgestellt. An den Zahlen der
gefangenen Käfer lässt sich ablesen, ob er sich
weiter verbreitet und wo sich stabile Populationen
aufgebaut haben. In Niederbayern liegen die Funde
seit Jahren auf einem gleichbleibenden Niveau, am
Oberrhein ist ihre Zahl 2011 nahezu explodiert. Auch
für 2012 zeichnen sich Anfang September ähnliche
Fangzahlen ab.
In den Befallsgebieten wurden rigide
Vorschriften eingeführt mit dem Ziel, den Schädling dort auszurotten und seine weitere Verbreitung zu
verhindern. So dürfen die Landwirte etwa nur jedes zweite Jahr, bei
Schädlingsbefall sogar nur alle drei Jahre Mais anbauen. Der
geerntete Mais darf nur unter Sicherheitsauflagen außerhalb der
Befallszone verwertet werden.
Das ursprüngliche Ziel, den
Maiswurzelbohrer auszurotten, scheint kaum noch erreichbar. Mit den
angeordneten Maßnahmen lässt sich allenfalls Zeit gewinnen und das
Vordringen verlangsamen - ganz verhindern kann man es wohl auf die Dauer nicht. Alle
Fachleute erwarten, dass der Maiswurzelbohrer früher oder später in
allen großen europäischen Anbaugebieten ankommt.
Dr. Stefan Rauschen von der RWTH Aachen, zu den
Ergebnissen der Sicherheitsforschung mit einem gentechnisch
veränderten Mais, der gegen den Maiswurzelbohrer resistent
ist.
Gentechnisch veränderter Bt-Mais und Boden. Gelangt
der Wirkstoff - das Bt-Protein - in den Boden? Kann es sich
dort anreichern? Fragen an Prof. Dr. Christoph Tebbe, Johann
Heinrich von Thünen-Institut (vTI) Braunschweig.