EU-Ministerrat:
Diskussion um Zulassungsverfahren für GVOs
(04.06.2008) Der
EU-Umweltministerrat berät auf seiner Sitzung in
Luxemburg über Änderungen am europäischen
Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte
Organismen (GVO). Frankreich und Deutschland drängen
darauf, dass in Zukunft über einzelne Zulassungen
nicht mehr politisch entscheiden wird, sondern allein
von einer wissenschaftlichen Behörde.
Die derzeitige Situation ist
unbefriedigend: Einerseits ist in den
EU-Rechtsvorschriften zur Gentechnik eindeutig
festgelegt, dass Entscheidungen über die Zulassung
von gv-Pflanzen und den daraus hergestellten
Produkten allein auf Grundlage der
wissenschaftlichen Sicherheitsbewertung
getroffen werden sollen. Zuständig dafür ist die
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
(EFSA).
Andererseits ist es ein
politisches Gremium - der Ministerrat -, das über
jede Zulassung abstimmt. Da die Mitgliedstaaten in
Fragen der Gentechnik tief zerstritten sind,
scheitern Abstimmungen im Ministerrat regelmäßig an
der erforderlichen qualifizierten Mehrheit.
Dass über eine
wissenschaftliche Sicherheitsbewertung politisch
entschieden wird, hat das Vertrauen der
Öffentlichkeit in das europäischen
Zulassungsverfahren nicht gefördert. Schon seit
längerem wird daher über Änderungen diskutiert.
In einem Interview mit der
FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) sprach sich
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer dafür
aus, das Zulassungsverfahren müsse schneller,
transparenter und wissenschaftlicher werden. Die
Entscheidung über die Zulassung eines GVOs "gehört
in eine Behörde, nicht in eine Versammlung von
Politikern. " Zugleich fordert Seehofer, bei der
wissenschaftlichen Entscheidung "verschiedene
Meinungen und Denkschulen" einzubeziehen.
Auch Frankreich, das im
zweiten Halbjahr 2008 die EU-Ratspräsidentschaft
übernimmt, will eine Reform der Zulassungen auf die
Tagesordnung setzen. In einem Papier hat Frankreich
vorgeschlagen, bei Zulassungsentscheidungen nicht
nur Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen, sondern
etwa mögliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft
mit einzubeziehen. Vorgeschlagen wird auch,
Vertreter weiterer wissenschaftlicher Disziplinen in
die Expertengremien aufzunehmen.
Eine Diskussion über die
GVO-Zulassungsverfahren und die französischen
Vorschläge steht auch auf der Tagesordnung des Rats
der EU-Umweltminister am 5. Juni in Luxemburg.
Konkrete Beschlüsse werden jedoch nicht erwartet.
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