Seehofer: Länder sollen Anbau von gentechnisch
veränderten Pflanzen selbst regeln
(04.08.2008) Der
Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen soll von
den EU-Mitgliedstaaten selbst geregelt werden können.
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer will sich
in Brüssel dafür einsetzen, dass die EU künftig nur
noch für die Zulassung von gv-Pflanzen und den daraus
erzeugten Lebens- und Futtermitteln zuständig sein
soll. Damit könnten einzelne Länder den Anbau von
gv-Pflanzen verbieten.
Derzeit ist es mit EU-Recht
nicht vereinbar, dass einzelne EU-Länder den Anbau
von gv-Pflanzen verbieten, sofern diese in der EU
zugelassen und damit nach aktuellem
wissenschaftlichen Erkenntnisstand genau so sicher
sind wie vergleichbare konventionelle Pflanzen. Die
Länder können zwar Rechtsvorschriften zur Koexistenz
erlassen - etwa Mindestabstände zwischen Feldern mit
gentechnisch verändertem und konventionellem Mais -,
jedoch kein generelles Anbauverbot vorschreiben. "Gentechnik-freie"
Zonen, die es in vielen europäischen Regionen gibt,
sind nur auf Basis freiwilliger Vereinbarungen
möglich.
Wie Seehofers Vorschlag
rechtlich umgesetzt werden soll, erscheint fraglich.
Unklar bleibt auch, auf welcher Grundlage der Anbau
von gv-Pflanzen in einzelnen Ländern verboten werden
soll, wenn sie zuvor im Rahmen des europäischen
Verfahrens als sicher bewertet wurden. Auch
verstoßen die bisher von einigen Ländern wie
Österreich, Griechenland oder Frankreich erlassenen
nationalen Anbauverbote für einzelne gv-Pflanzen
gegen die Welthandelsverträge. Ein von den USA,
Kanada und Argentinien eingeleitetes
Vertragsverletzungsverfahren hatte die EU deswegen
verloren. Nationale Verbote sind danach nur
zulässig, wenn aufgrund neuer wissenschaftlicher
Erkenntnisse die ursprüngliche Sicherheitsbewertung
angezweifelt wird. In mehreren Gutachten hatte sich
die Europäische Lebensmittelbehörde mit solchen
nationalen Verboten beschäftigt, ohne jedoch die
Einstufung der jeweiligen gv-Pflanzen als "sicher
für Mensch und Umwelt" zu ändern.
Seehofers Vorstoß ist ein
weiterer Beitrag in der anhaltenden Diskussion um
die EU-Zulassungsverfahren für GVO-Produkte.
Frankreich hat angekündigt, das derzeitige Verfahren
zu ändern. Im Herbst sollen dazu mit den anderen
Ländern abgestimmte Vorschläge in den Ministerrat
eingebracht werden.
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