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Um was für einen Reis handelte es sich? |
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Der gv-Reis wurde in den 90er Jahren
vom damaligen Agro-Biotech Unternehmen Aventis
CropScience entwickelt. Er trägt die Bezeichnung LL601
und verfügt über eine Resistenz gegen Herbizide mit dem
Wirkstoff Glufosinat. Nach verschiedenen
Freisetzungsversuchen in den USA wurde die Entwicklung von
LL601-Reis im Jahr 2001 eingestellt. Bei zwei ähnlichen
Reislinien - LL62 und LL06 - wurde jedoch das Ziel einer
kommerziellen Nutzung weiter verfolgt. In den USA sind diese
für den Anbau und als Lebensmittel zugelassen. Ein
Zulassungsantrag für LL62-Reis in der EU ist gestellt.
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Wie konnte es zu einer
"Verunreinigung" konventioneller Reisprodukte durch
LL601-Reis kommen? |
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In den USA haben die Behörden eine offizielle
Untersuchung durchgeführt, deren Ergebnisse im Oktober 2007
veröffentlicht wurden. Die genaue Ursache konnte nicht mehr
zweifelsfrei geklärt werden. Wahrscheinlich ist es in einem
Institut in Lousiana/USA zu den unbeabsichtigten
Vermischungen gekommen. Dort werden neue Reissorten
gezüchtet und Saatgut vermehrt. Auf dem Gelände des
Instituts fanden auch Freisetzungsversuche mit LL601-Reis im Auftrag
von Aventis CropScience statt. Im Rahmen der
Nachuntersuchung wurden 400 Saatgutproben von 57 Reissorten
aus den Jahren 2002 bis 2006 analysiert. LL601-Spuren wurden
ausschließlich in
einer Reisesorte (Cheniere) aus 2005 festgestellt.
Durch den Anbau der Cheniere-Reissorte in der
Anbausaison 2005 wurde LL601-Reis verbreitet. |
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Wie wurde der LL601-Reis
überhaupt entdeckt?
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Aventis CropScience wurde
2003 von Bayer CropScience übernommen. Bayer
bereitet die Markteinführung von LL62-Reis vor. Für
seine Zulassung musste das Unternehmen ein Verfahren
entwickeln, mit dem dieser gv-Reis nachgewiesen werden
kann. Bei
einem Test des Verfahrens zum Nachweis von LL62-Reis
wurden Spuren von LL601-Reis gefunden. Im Juli 2006
informierte Bayer CropScience die zuständigen
US-Behörden. |
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Was hat die EU unternommen, um
zu verhindern, dass LL601 auf den europäischen Markt
kam? |
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Am 23. August 2006 beschloss die EU-Kommission,
Einfuhren von US-Reis nur noch dann zu erlauben, wenn
durch ein Zertifikat belegt werden kann, dass die
betreffende Reischarge nachweislich keine Spuren von
LL601-Reis enthält. Ein Verfahren zum Nachweis von
LL601-Reis war am 28. August 2006 einsatzbereit. Nach Unstimmigkeiten über
einheitliche Standards für Probenahme und Analytik
verschärfte die EU die Bestimmungen für die Einfuhr von US-Reis. Bevor Schiffe mit Reis in
europäischen Häfen entladen werden, musste jede Lieferung
auf LL601-Beimischungen untersucht werden. Nur wenn ein
von der EU anerkanntes Labor bestätigte, dass der
Reis nachweislich frei von LL601-Spuren war, durfte er
eingeführt werden. Von US-amerikanischen Laboren
ausgestellte Zertifikate wurden in der EU nicht mehr akzeptiert.
- Im Dezember 2007 hob die EU die obligatorischen
Kontrollen für Reisimporte aus den USA auf.
Bis dahin führte die EU jährlich etwa 280.000 Tonnen
reis aus den USA ein. Im Verlauf der LL601-Krise gingen
sie auf etwa 50.000 Tonnen zurück. |
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Haben die europäischen
Behörden Reisimporte aus den USA kontrolliert? |
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Spuren von LL601-Reis wurden
bei
Kontrollen in Deutschland, Frankreich, Schweden,
Großbritannien, Österreich, Italien, Finnland, den Niederlanden
und der Schweiz gefunden. Nach Angaben der EU-Kommission haben
Unternehmen des Verbandes der europäischen Reismühlen
162 Proben aus Reisimporten untersucht. In 33 konnte
LL601-Reis nachgewiesen werden. Im Hafen von Rotterdam
wurden Schiffsladungen untersucht. Aufgrund von
positiven LL601-Tests wurden drei Frachtschiffe
gestoppt. |
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Wurde in Deutschland LL601-Reis gefunden? |
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In Deutschland sind die Bundesländer für die Lebensmittelüberwachung zuständig.
Nach einer Zusammenstellung des Bundesamts für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurden
zwischen Anfang September 2006 und 31. Januar 2007 insgesamt
1221 Reis-Lebensmittel untersucht. In 116 Proben konnten
Spuren von gv-Reis nachgewiesen werden, überwiegend in
Langkornreis aus den USA. Zudem wurden in einigen
asiatischen Reisprodukten Spuren von gv-Reis (Bt63)
gefunden, der 2002/03 in China zu Versuchszwecken angebaut
wurde. (Links unter
"Weitere Informationen").
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Wie hoch sind die Anteile von LL601-Reis? |
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Die in Deutschland gemessenen
Anteile von LL601-Reis sind sehr gering. Sie liegen in allen
Fällen unter
0,05 Prozent. Das heißt: Auf 10.000 "normale" Reiskörner
kommen fünf LL601-Reiskörner. Das entspricht etwa auch den
in den USA gefundenen Werten. Bei Untersuchungen in der
Schweiz wurden LL601-Konzentrationen von 0,01 Prozent
gemessen. Diese Werte liegen an der Nachweisgrenze.
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Was passiert mit Reisprodukten,
bei denen LL601-Reis nachgewiesen wurde? |
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Im Falle eines positiven
Nachweises wird die Einfuhr von Reislieferungen
untersagt. Betroffene Lebensmittel-Produkte müssen aus
dem Handel genommen werden. Da eine
"akute Gefahr" nicht besteht, hat es bisher keine
offiziellen Rückrufaktionen gegeben. Allein in
Deutschland haben Hersteller insgesamt zehn Tonnen Reis
und Reisprodukte freiwillig zurückgerufen. |
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Ist der Verzehr von LL601-Reis
schädlich für die Gesundheit? |
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Als LL601-Reis "entdeckt" wurde,
war er weltweit in keinem Land
zugelassen. In den USA erlaubt ist jedoch der
"verwandte" LL62-Reis, der über die
gleichen neu eingeführten Gene wie LL601-Reis verfügt und
sich von diesem in einigen
molekulargenetischen Details unterscheidet. Daher gingen
die Behörden in den USA
davon aus, dass LL601-Reis genau so
sicher ist wie LL62-Reis. Ende November haben die
US-amerikanischen Behörden die von Bayer
CropScience nachträglich beantragte Zulassung für
LL601-Reis erteilt. Er wurde als "sicher für den
menschlichen Verzehr" eingestuft. |
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Wie schätzen die deutschen Behörden
die Sicherheit von LL601-Reis ein? |
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Nach Aussagen des Bundesamts für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gibt es "wahrscheinlich kein erhöhtes Gesundheitsrisiko".
Auch das Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMVEL) sieht "keine
Gesundheitsgefahr". Ein ähnliche
Erklärung hat auch die französische Regierung
abgegeben. |
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Gibt es eine offizielle Bewertung
durch die Europäischen Behörden? |
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Das zuständige
Sachverständigengremium (GMO Panel) der Europäischen
Behörde für Lebensmittelsicherheit ( EFSA)
hat sich am 13./14. September 2006 mit LL601-Reis befasst. Danach
ist es äußerst unwahrscheinlich, dass er die Gesundheit von
Mensch und Tier gefährden könnte. Dabei stützte sich das
GMO Panel auf Daten zu dem in LL601 eingeführten Gen,
das auch in anderen, bereits zugelassenen und als sicher
bewerteten Pflanzen verwendet wurde. Allerdings lagen nicht
alle Daten vor, die für eine umfassende Sicherheitsbewertung
der gesamten gv-Pflanze erforderlich sind. |
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Wer ist verantwortlich dafür, dass nicht zugelassener
gv-Reis in Lebensmittel gelangen konnte? |
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Das ist derzeit nicht geklärt.
BayerCropScience weist die Verantwortung zurück.
LL601-Reis sei von Aventis CropScience entwickelt
worden. Das Projekt wurde 2001 eingestellt. Erst zwei Jahre
später hat Bayer Aventis übernommen. In mehreren
US-Bundesstaaten haben Reisanbauer-Verbände inzwischen
Klagen gegen Bayer CropScience eingereicht. Ihnen
geht es um einen Ausgleich der Einkommensverluste, die ihnen
durch die Einfuhrverbote oder -beschränkungen in Europa und
Japan entstanden sind.
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Wurden aus dem Fall LL601 Konsequenzen gezogen? |
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Der Untersuchungsbericht der US-Behörden kommt zu dem
Ergebnis, dass kein Verschulden von Bayer CropScience
vorliegt und daher keine Strafmaßnahmen eingeleitet werden
sollen. Über die Schadensersatzklagen der Reisfarmer ist
bisher nicht entschieden. - Nach Abschluss der
Untersuchungen wurden neue Empfehlungen für ein besseres
Qualitätsmanagement in der Saatgutproduktion erarbeitet. So
soll etwa die Entfernung zwischen Vermehrungsflächen für
gentechnisch veränderte und konventionelle Sorten vergrößert
werden.
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Stand: 27. Dezember 2007 |