Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 10.09.2010 | 10:33 Uhr
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BSE-Folgen: Steigende Futtermittelimporte

Gen-Soja statt Tiermehl


So schnell ist noch kein Gesetz in Deutschland verabschiedet worden: kein Tiermehl mehr - weder für Rinder, noch für Schweine, Geflügel und andere Tiere. Doch was sollen sie fressen? Ohne Importe von Soja- und Rapsschrot aus USA und Kanada wird sich das Problem kurzfristig kaum lösen lassen. 

Bislang wurden in Deutschland jährlich 650.000 t Tiermehl (ohne Fischmehl) hergestellt. Nach Abzug der Exporte landeten etwa 420.000 t vor allem in den Futtertrögen von Schweinen und Geflügel. Umgerechnet auf den reinen Proteinanteil ist eine "Eiweißlücke" von 210.000 t entstanden, die kurzfristig durch pflanzliche Futtermittel gestopft werden muss. 

Als Tiermehlersatz kommen verschiedene pflanzliche Futtermittel wie Soja- und Rapsschrot, Maiskleber oder Futtererbsen in Frage.

  • Wird das eiweißreiche Sojaschrot als Tiermehlersatz gewählt, sind in Deutschland zusätzliche 465.000 t erforderlich. Bisher werden jährlich 2,0 Mio. t vorwiegend aus USA und Argentinien eingeführt. Zudem produzieren die Deutschen Ölmühlen weitere 3,1 Mio. t Sojaschrot aus eingeführten Sojabohnen. 

  • Bei Rapsschrot werden zusätzlich 655.000 t benötigt. Gegenüber dem derzeitigen Verbrauch von 1,4 Mio. t wäre das eine Steigerung um 47 Prozent.

  • Als weitere Tiermehlsubstitute kommen Maiskleber, aber auch Futtererbsen in Frage. Im europäischen Klima gedeihen zudem Ackerbohnen und Lupinen.

Mittel- und langfristig kann die deutsche bzw. europäische Landwirtschaft die für den zusätzlichen Futtermittelbedarf erforderlichen Flächen (allein für Deutschland 2,0 Mio. ha) ausweisen. Doch so plötzlich, wie das Tiermehlverbot verordnet wurde, kann die entstandene Eiweißlücke nur durch Futtermittelimporte geschlossen werden. 

Auf den europäischen Märkten zogen die Preise für Soja- und Rapsschrot "sprunghaft an" (ZMP-Spezialinfo Ölsaaten). In Hamburg kletterte der Großhandelspreis für Sojaschrot innerhalb von drei Tagen um mehr als 10 Prozent. An der Warenterminbörse im fernen Chikago freuten sich die Händler über "deutlich fester notierte Bewertungen für Soja- und Rapsschrot. Auch für Futtererbsen aus Kanada wurden höhere Preise verlangt.

Die EU wird deutlich mehr pflanzliche Futtermittel einführen müssen - doch in einigen großen Erzeugerländern ist der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weit verbreitet. Mit der steigenden Nachfrage werden zwangsläufig auch daraus erzeugte Futtermittel nach Europa gelangen.

  • In den USA sind die Silos mit der frisch eingefahrenen Sojaernte gut gefüllt. Nun dürfte auch der Export in die EU wieder ansteigen, der in den letzten Jahren aufgrund der Diskussionen um gentechnisch veränderte Sorten zurückgegangen war. Auch im Herbst 2000 wird nur ein geringer Teil der US-Sojaernte nach transgenen und konventionellen Pflanzen getrennt. 

  • Kanada, größter Rapserzeuger der Welt, baut auf gut 60 Prozent seiner Flächen gentechnisch veränderte Rapssorten an. Kanadisches Rapsschrot wurde bisher nur in geringen Mengen in die EU exportiert. Hier ist ein Anstieg zu erwarten. Denkbar sind auch Importe aus Osteuropa.
      

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01. Dezember 2000 [nach oben springen]

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