Gerste Versuch Gießen 2

Freilandversuche: Deutschland keine, EU immer weniger

In der EU wurden 2017 bislang neun Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen neu angemeldet. 2016 waren es ebenfalls neun. Damit setzt sich die Tendenz der Vorjahre fort: Die Anzahl der bei der zuständigen Stelle in Brüssel registrierten Freisetzungen hat sich auf niedrigem Niveau eingependelt, gegenüber 2009 ging sie um mehr als 90 Prozent zurück. In Deutschland gibt es seit 2013 keine Freilandversuche mehr.

Freisetzungen in der EU 2008 bis 2017

Freisetzungen EU 2008-2017. Anzahl der von den Mitgliedstaaten in einem Jahr neu eingereichten Anträge. 2017 wurden bislang neun Freisetzungen beantragt.

JRC, Joint Research Centre

Freisetzungen in Deutschland 2005 bis 2017

Freisetzungen in Deutschland 2005-2017. Anzahl der Standorte (durchgeführte Freisetzungen)

Standortregister BVL

Freilandversuche:
Rechtsvorschriften in Europa

Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen werden in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten geprüft und - falls keine Gefahren für Mensch und Umwelt bestehen - genehmigt. Die nationalen Behörden melden die Anträge bei der EU-Kommission, die in eine zentrale Datenbank beim Joint Research Centre (JRC) eingespeist werden. Ein Antrag kann Freilandversuche mit einer bestimmten gv-Pflanze an mehreren Standorten und über mehrere Jahre umfassen.

2017 verzeichnet die beim Joint Research Centre (JRC) geführte zentrale europäische Datenbank bislang neun beantragte Freisetzungen mit gentechnisch veränderten (gv-)Pflanzen. 2016 waren es ebenfalls neun. Die EU-Mitgliedstaaten müssen jeden Antrag - unabhängig davon, ob er später genehmigt und dann auch tatsächlich durchgeführt wird - über die EU-Kommission an die JRC-Datenbank melden.

Fünf der 2017 gemeldeten Anträge kamen aus Spanien, zwei aus Schweden und je einer aus Großbritannien und Rumänien.

Da die meisten internationalen Unternehmen den Anbau von gv-Pflanzen in Europa aufgegeben und entsprechende Zulassungsanträge zurückgezogen haben, gibt es keine Freilandversuche mehr, in denen solche Pflanzen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen getestet und die für ein Zulassungsverfahren erforderlichen Daten ermittelt werden. Zuletzt hatte 2015 die Firma Syngenta in Schweden Feldversuche über fünf Jahre mit der gv-Zuckerrübe H7-1 beantragt.

Bei den meisten Freilandversuchen geht es auch 2017 um Grundlagenforschung und Entwicklungsprojekte, die noch weit von einer kommerziellen Anwendung entfernt sind. So soll in Schweden Leindotter mit verschiedenen Veränderungen in der Fettsäurezusammensetzung im Freiland getestet werden. Ebenfalls in Schweden wird mit Arabidopsis als Modellpflanze die Funktionalität verschiedener Gene untersucht. In Spanien wurden Freisetzungen beantragt für Raps, der mehr Samen und Blüten bildet, für Tabak, der mehr Biomasse produziert sowie für Kartoffeln und Mais mit erhöhtem Stärkegehalt. In Rumänien soll Reis freigesetzt werden, der durch Übertragung eines Gens aus Gerste mehr Stärke und Biomasse bildet und bei dem außerdem weniger Methan freigesetzt wird.

In einer Freisetzung am John Innes Center in Großbritannien werden Versuche mit gv-Kartoffeln fortgesetzt, die gegen die Kraut- und Knollenfäule resistent sind. In die Kartoffeln wurden verschiedene Resistenzgene aus Wildkartoffeln eingebracht. Ähnliche Kartoffellinien mit einem dieser Resistenzgene werden schon seit mehreren Jahren in Großbritannien und den USA im Freiland gestestet und sind in den USA bereits seit 2015 für den Anbau zugelassen. Einige der für die Freisetzung vorgesehenen Kartoffellinien enthalten zusätzlich Genkonstrukte, die eine Resistenz gegen Nematoden bewirken und die Knollenqualität (weniger Acrylamid, keine Braunfärbung) beeinflussen.
2017 startet auch in Schweden eine im Vorjahr beantragte Freisetzung mit gv-Kartoffeln, die Resistenzgene aus Wildkartoffeln enthalten.

Spanien will gv-Weizen freisetzen, der sich besser an klimatischen Stress wie z.B. extreme Trockenheit anpassen kann. Erreicht wurde dies durch Übertragung eines Gens (Hahb-4) aus Sonnenblume. Dieser gv-Weizen wurde von 2009 bis 2015 in zahlreichen Freilandversuchen in Argentinien getestet. Dort wurde 2015 bereits eine gv-Sojabohne, die das Hahb-4-Gen enthält, für den Anbau zugelassen.

Am Rothamsted-Institut in Großbritannien startet 2017 ein im Vorjahr beantragter Versuch mit Weizen, der Sonnenlicht effizienter in Biomasse umwandeln kann. In den Weizen wurde ein Gen aus dem Süßgras Zwenke eingebracht. Dadurch wird die Bildung eines Schlüsselenzyms der Fotosynthese (SBPase) erhöht.

In den Vorjahren genehmigte Freilandversuche laufen weiter

Einige in den Vorjahren genehmigte mehrjährige Freilandversuche werden 2017 fortgesetzt, etwa an der Universität Wageningen, wo seit 2011 eine Versuchsreihe mit schorfresistenten Apfelbäumen läuft, in die ein Resistenzgen aus einem japanischen Wildapfel eingeführt wurde. 2016 startete hier auch eine weitere Freisetzung mit gv-Apfelbäumen, deren Anthocyan-Biosynthese verändert wurde. Sie bilden mehr roten Farbstoff, einen sekundären Pflanzenstoff, der als gesundheitsfördernd gilt. Der Versuch ist bis 2026 geplant.

Ebenfalls in Wageningen gehen die Tests mit cisgenen Kartoffeln weiter. Auch mit diesen gv-Kartoffeln wird eine dauerhafte Resistenz gegenüber dem Erreger der Kraut- und Knollenfäule angestrebt.

Das britische Rothamsted Research Institute setzt seine Versuchsreihe mit gv-Leindotter fort. Dieser produziert mehrfach ungesättigte Omega3-Fettsäuren, denen eine vorbeugende Wirkung bei Herz-Kreislauferkrankungen zugeschrieben wird.

Wissenschaftler der Swedish University of Agricultural Sciences forschen an Ölpflanzen. So soll die Ölzusammensetzung des Meerkohls für industrielle Zwecke optimiert werden und die Feldkresse wurde gentechnisch so verändert, dass sie mehr der gesundheitlich wertvollen Ölsäure liefert.

In mehreren EU-Ländern - Schweden, Finnland, Frankreich, Belgien, Spanien und Polen - laufen Versuche mit gv-Pappeln (weniger Lignin, mehr Biomasse, schnelleres Wachstum). In Schweden und Spanien wurden 2015 Versuchsreihen begonnen mit gentechnisch veränderten Wurzelstöcken, die kräftiger und besser bewurzelt sind (Pfropfen).