Gerste Versuch Gießen 2

Freilandversuche: Deutschland keine, EU nur noch wenige

In der EU wurden 2018 bislang nur fünf Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen neu angemeldet. 2017 waren es insgesamt elf. Damit setzt sich die Tendenz der Vorjahre fort: Die Anzahl der bei der zuständigen Stelle in Brüssel registrierten Freisetzungen hat sich auf niedrigem Niveau eingependelt, gegenüber 2009 ging sie um mehr als 90 Prozent zurück. In Deutschland gibt es seit 2013 keine Freilandversuche mehr.

Freisetzungen in der EU 2008 bis 2018 Stand: April

Freisetzungen EU 2008-2018. Anzahl der von den Mitgliedstaaten in einem Jahr neu eingereichten Anträge. 2018 wurden bislang fünf Freisetzungen beantragt. (Stand: April 2018)

JRC, Joint Research Centre

Freisetzungen in Deutschland 2005 bis 2018, stand: April

Freisetzungen in Deutschland 2005-2018. Anzahl der Standorte (durchgeführte Freisetzungen)

Standortregister BVL

Freilandversuche:
Rechtsvorschriften in Europa

Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen werden in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten geprüft und - falls keine Gefahren für Mensch und Umwelt bestehen - genehmigt. Die nationalen Behörden melden die Anträge bei der EU-Kommission, die in eine zentrale Datenbank beim Joint Research Centre (JRC) eingespeist werden. Ein Antrag kann Freilandversuche mit einer bestimmten gv-Pflanze an mehreren Standorten und über mehrere Jahre umfassen.

2018 verzeichnet die beim Joint Research Centre (JRC) geführte zentrale europäische Datenbank bislang fünf neu beantragte Freisetzungen mit gentechnisch veränderten (gv-)Pflanzen. 2017 waren es insgesamt elf. Die EU-Mitgliedstaaten müssen jeden Antrag - unabhängig davon, ob er später genehmigt und dann auch tatsächlich durchgeführt wird - über die EU-Kommission an die JRC-Datenbank melden.

Zwei der 2018 gemeldeten Anträge kommen aus Spanien, zwei aus Schweden und einer aus Großbritannien.

Da die meisten internationalen Unternehmen den Anbau von gv-Pflanzen in Europa aufgegeben und entsprechende Zulassungsanträge zurückgezogen haben, gibt es keine Freilandversuche mehr, in denen solche Pflanzen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen getestet und die für ein Zulassungsverfahren erforderlichen Daten ermittelt werden. Zuletzt hatte 2015 die Firma Syngenta in Schweden Feldversuche über fünf Jahre mit der gv-Zuckerrübe H7-1 beantragt.

Bei den meisten Freilandversuchen geht es auch 2018 um Grundlagenforschung und Entwicklungsprojekte, die noch weit von einer kommerziellen Anwendung entfernt sind. So soll in Schweden mit Aspen als Modellpflanze die Funktionalität verschiedener Gene im Hinblick auf eine Steigerung der Biomasse untersucht werden. In Spanien wurde eine Freisetzung beantragt für Raps, der mehr Samen und Blüten bildet. Ebenfalls in Spanien sollen Freilandversuche mit gv-Weizen fortgesetzt werden, der sich besser an klimatischen Stress wie z.B. extreme Trockenheit anpassen kann. Erreicht wurde dies durch Übertragung eines Gens (Hahb-4) aus Sonnenblume. Dieser gv-Weizen wurde von 2009 bis 2015 in zahlreichen Freilandversuchen in Argentinien getestet. Dort wurde 2015 bereits eine gv-Sojabohne, die das Hahb-4-Gen enthält, für den Anbau zugelassen.

Das britische Rothamsted Research Institute setzt seine Versuchsreihe mit gv-Leindotter fort. Dieser produziert mehrfach ungesättigte Omega3-Fettsäuren, denen eine vorbeugende Wirkung bei Herz-Kreislauferkrankungen zugeschrieben wird. Und Schweden setzt mit einem neuen Antrag eine Versuchsreihe mit gv-Kartoffeln fort, die Resistenzgene aus Wildkartoffeln gegen die Kraut- und Knollenfäule enthalten.

In Belgien startet 2018 ein bereits im Vorjahr beantragter Freilandversuch mit Mais, der durch gesteigerte Aktivität zweier Gene mehr Biomasse bildet durch schnelleres Wachstum und eine längere Wachstumsphase .

In den Vorjahren genehmigte Freilandversuche laufen weiter

Einige in den Vorjahren genehmigte mehrjährige Freilandversuche werden 2018 fortgesetzt, etwa an der niederländischen Universität Wageningen, wo seit 2011 schorfresistente cisgene Apfelbäume, in die ein Resistenzgen aus einem japanischen Wildapfel eingeführt wurde, im Freiland getestet werden. 2016 startete dort eine weitere bereits im Vorjahr genehmigte Freisetzung mit cisgenen Apfelbäumen. Durch Veränderung der Anthocyan-Biosynthese bilden sie mehr roten Farbstoff, einen sekundären Pflanzenstoff, der als gesundheitsfördernd gilt. Der Versuch ist bis 2026 geplant.

Ebenfalls an der Universität Wageningen gehen die Tests mit cisgenen Kartoffeln weiter. Auch mit diesen gv-Kartoffeln wird eine dauerhafte Resistenz gegenüber Phytophthora, dem Erreger der Kraut- und Knollenfäule angestrebt. Auch am John Innes Center in Großbritannien werden phytophthora-resistente gv-Kartoffeln im Freiland getestet, in die verschiedene Resistenzgene aus Wildkartoffeln eingebracht wurden. Ähnliche Kartoffellinien mit einem dieser Resistenzgene werden schon seit mehreren Jahren in Großbritannien und den USA im Freiland gestestet und sind in den USA bereits seit 2015 für den Anbau zugelassen.

Am Rothamsted-Institut in Großbritannien startete 2017 ein Versuch mit Weizen, der Sonnenlicht effizienter in Biomasse umwandeln kann. In den Weizen wurde ein Gen aus dem Süßgras Zwenke eingebracht. Dadurch wird die Bildung eines Schlüsselenzyms der Fotosynthese (SBPase) erhöht.

An der Swedish University of Agricultural Sciences wird Leindotter mit verschiedenen Veränderungen in der Fettsäurezusammensetzung im Freiland getestet. Hier forschen Wissenschaftler auch an Ölpflanzen. So soll die Ölzusammensetzung des Meerkohls für industrielle Zwecke optimiert werden und die Feldkresse wurde gentechnisch so verändert, dass sie mehr der gesundheitlich wertvollen Ölsäure liefert.

In mehreren EU-Ländern - Schweden, Finnland, Belgien und Polen - laufen Versuche mit gv-Pappeln (weniger Lignin, mehr Biomasse, schnelleres Wachstum). In Schweden und Spanien wurden 2015 Versuchsreihen begonnen mit gentechnisch veränderten Wurzelstöcken, die kräftiger und besser bewurzelt sind (Pfropfen).

Laufende Freilandversuche in der EU 2018:*

Apfel Niederlande (2) Resistenz gegen Apfelschorf, mehr roter Farbstoff (Anthocyan)
Apfel, Birne Schweden (1) Transgene Wurzelstöcke
Arabidopsis Schweden (2) Grundlagenforschung: Funktionalität einzelner Gene
Feldkresse Schweden (1) Erhöhter Ölgehalt, mehr Ölsäure
Flachs Tschechien (1) Erhöhter Ölsäuregehalt
Kartoffel Schweden (3), Großbritannien (2), Niederlande (1) Resistenz gegen Kraut-und Knollenfäule
Leindotter Großbritannien (1) Schweden (1) Mehr Omega-3 Fettsäuren,
veränderte Fettsäurezusammensetzung
Mais Spanien (1), Belgien (1),
Ungarn (4)
Höherer Stärkegehalt, mehr Biomasse, Anbauversuche mit MON810 und 59122
Meerkohl Schweden (1) Erhöhter Ölgehalt
Pappel, Aspen Schweden (6), Finnland (1), Polen (1), Belgien (1) Verbesserte Holzqualität, Steigerung der Biomasse, veränderter Ligningehalt
Pflaume Tschechien (1),
Spanien (1)
Virusresistenz (Plum Pox Virus),
transgene Wurzelstöcke als Unterlage für Aprikosen- und Pfirsichbäume
Raps Spanien (1) Frühe Blüte, mehr Samen
Soja Tschechien (1) Produktion von LTB-Protein
Tabak Spanien (1) mehr Biomasse
Weizen Spanien (1), Großbritannien (1) Stress- und Trockentoleranz,
veränderte Fotosynthese
Zuckerrübe Schweden (1) Anbauversuche mit gv-Zuckerrübe H7-1

* Laut JRC-Datenbank für 2018 beantragte Freisetzungen. Das bedeutet nicht, dass diese auch tatsächlich durchgeführt werden.