25 Jahre Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland

Anträge auf Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland

Zwischen 1990 und 2015 wurden etwa 200 Freisetzungsanträge vom heutigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit genehmigt. Die Antragsteller waren zur Hälfte öffentliche Forschungsinstitutionen und Universitäten. Tatsächlich durchgeführt wurden in den 25 Jahren an die 1200 Freisetzungen. Beantragt und genehmigt wurden noch sehr viel mehr. Es betraf fast 300 verschiedene Standorte.

Genehmigte Freisetzungen gentechnisch veränderter Pflanzen 1990 bis 2015

Eine Freisetzung ist das einmalige Ausbringen (Aussäen, Anpflanzen…) einer gentechnisch veränderten Pflanze an einem hierfür genehmigten Standort. Ein Freisetzungsantrag umfasst in der Regel mehrere Freisetzungen über mehrere Jahre an verschiedenen Standorten. Wenn also in einem Freisetzungsantrag Freisetzungen über einen Zeitraum von drei Jahren an fünf verschiedenen Standorten beantragt wurden, dann beträgt die Anzahl der Freisetzungen 15. Einige wenige Freisetzungsanträge (1994 und 1995) umfassten mehrere Kulturpflanzenarten, dies wurde bei den Zahlen für Freisetzungsanträge und Freisetzungen berücksichtigt.

Grafik: i-bio/Gestaltungskomitee

Datenquelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Freisetzungen gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland

Nur etwa ein Viertel der genehmigten Freisetzungen wurde auch tatsächlich durchgeführt. Das liegt vor allem daran, dass die Unternehmen oft sehr viele Standorte vorsorglich nachgemeldet haben, um gv-Pflanzen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen zu testen und die für das Zulassungsverfahren erforderlichen Daten zu ermitteln. Außerdem scheuten sich insbesondere in den letzten Jahren Unternehmen wie auch öffentliche Institutionen zunehmend, noch Freisetzungen durchzuführen, da mit Feldzerstörungen zu rechnen war.

13 verschiedene gv-Kulturpflanzenarten wurden unter Feldbedingungen erforscht. Bei den Unternehmen waren dies vor allem Mais, Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben, vereinzelt auch Weizen, Erbse und Sojabohne.

Öffentlich erforscht und im Freiland getestet wurden zwölf Pflanzenarten. Die allermeisten Versuche wurden mit Kartoffeln durchgeführt.

Kartoffeln wurden gentechnisch verändert, um die Stärkezusammensetzung zu beeinflussen, um sie widerstandsfähig zu machen gegenüber Pilz- Bakterien- und Virusinfektionen, aber auch um sie mit neuen Inhaltsstoffen anzureichern. So wurden z.B. Kartoffeln entwickelt, die in den Knollen gesundheitsfördernde Ballaststoffe bilden. Noch 2011 wurden Kartoffeln freigesetzt, die Cyanophycin, das Ausgangsmaterial für einen biologisch abbaubaren Kunststoff bilden.

Neben Kartoffeln, Mais, Raps und Zuckerrüben gab es weitere Feldversuche z.B. mit Erbsen, die in ihren Samen mehr Eiweiß bilden, mit Gerste, die gegen Pilze resistent ist und als Tierfutter besser verdaulich ist, oder mit Pappeln, die mit Schwermetallen belastete Böden entgiften können.

Öffentliche Forschung: Freisetzungsanträge 1990 bis 2015

Pflanze Forschungs-Institutionen Forschung
Kartoffel (48) IPK Gatersleben, BAZ und BBA (heute JKI), LfL, Bayerische Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau, Institut für Genbiologische Forschung Berlin, MPI Köln, MPI Golm, Uni Rostock, Uni Köln, TU München, Uni Göttingen, Uni Tübingen Grundlagenforschung
Stärkebiosynthese; veränderte Stärkezusammensetzung; höhere Erträge und größere Knollen;
Veränderte Inhaltsstoffe: biologisch abbaubarer Kunststoff (Cyanophycin-Kartoffel), Spinnenseiden-Proteine, mehr Ballaststoffe (Fruktan-Kartoffel), Carotinoide gegen Altersblindheit (Zeaxanthin-Kartoffel);
Bakterienresistenz (Lysozym-kartoffel), Virusresistenz, Pilzresistenz (Phytophthora); Sicherheitsforschung
Schwarzer Nachtschatten (7) MPI Jena Grundlagenforschung: Abschalten pflanzeneigener Gene
Raps (6) BAZ und BBA (heute JKI) Herbizidtoleranz, verändertes Fettsäuremuster; Sicherheitsforschung
Mais (6) RWTH Aachen, BBA (heute JKI), Uni Hohenheim, TU München Insektenresistenz, Herbizidtoleranz; Sicherheitsforschung
Petunie (5) MPI Köln, Uni Rostock Blütenfarbe, Markierung; Sicherheitsforschung: biologischer Einschluss (Plastidentransformation)
Zuckerrübe (5) RWTH Aachen, FH Nürtingen Virusresistenz, Herbizidtoleranz, Sicherheitsforschung
Pappel (4) Uni Freiburg, Bundesanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Großhansdorf Grundlagenforschung, Schwermetallsanierung; Sicherheitsforschung
Weizen (4) IPK Gatersleben, Uni Rostock Pilzresistenz; erhöhter Proteingehalt in den Körnern
Erbse (2) IPK Gatersleben Erhöhung des Proteingehalts im Samen
Gerste (2) Uni Gießen Pilzresistenz, bessere Verdaulichkeit als Futter; Sicherheitsforschung
Tabak (2) Uni Rostock Enzymproduktion, Plastidentransformation
Wein (1) BAZ (heute JKI) Pilzresistenz; Sicherheitsforschung