Maiszünsler-Befall Kolben

Bt-Mais in Spanien: Noch immer keine resistenten Schädlinge

Seit vielen Jahren wird in Spanien großflächig gentechnisch veränderter Bt-Mais angebaut. Dennoch haben sich dort bisher keine Schädlinge etablieren können, die gegen den Wirkstoff resistent geworden sind. Das ist das Ergebnis von zwei Studien, die über viele Jahre die Resistenzentwicklung verfolgt haben.

Spanien ist das einzige Land in Europa, in dem die Grüne Gentechnik großflächig genutzt wird. Seit 1998 bringen viele Landwirte Bt-Mais aus, um damit die wichtigsten Schädlinge - den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) und einen Eulenfalter (Sesamia nonagrioides) - in Schach zu halten. In den Haupt-Anbauregionen im Nordosten stehen auf etwa drei Vierteln der Maisflächen gentechnisch veränderte Sorten. Ihr Anteil ist bis 2013 kontinuierlich gestiegen. In den beiden folgenden Jahren ging der Maisanbau in Spanien insgesamt zurück und damit auch die Flächen mit Bt-Mais. 2016 stiegen sie erneut deutlich an. Der Anteil gv-Sorten an der gesamten Maiserzeugung liegt nun bei 35 Prozent.

Anbau von Bt-Mais in Spanien 1999 bis 2016

Anbau von Bt-Mais in Spanien. Auf gentechnisch veränderten Bt-Mais entfallen etwa 35 Prozent der gesamten spanischen Maiserzeugung.

Eulenfalter, Sesamia nonagrioides

Sesamia nonagrioides, eine Eulenfalter-Art, ist im Mittelmeerraum der wichtigste Maisschädling.

Foto: Ferran Turmo Gort, CC BY-NC-SA 2.0

Maiszünsler

Vor allem im Landesinneren macht auch der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) den spanischen Landwirten zu schaffen.

Mais, Befall Maiszünsler

Bei beiden Schädlingen bohren sich die Larven in die Maisstängel. Als Folge davon knicken die Pflanzen schnell ab und es können Pilze eindringen, die giftige Substanzen (Mykotoxine) bilden.

Bei mehreren Befragungen hatten sich die meisten spanischen Landwirte zufrieden mit den Bt-Maissorten gezeigt. Nachdem sie sich einmal für dieses Bekämpfungskonzept entschieden hatten, blieben die meisten dabei. Gerade in Regionen mit starkem Schädlingsbefall kann es nicht nur die Kosten für Pflanzenschutzmittel reduzieren, sondern auch die durch die Fraßinsekten verursachten Ertrags- und Qualitätsverluste.

Ein intensiver Anbau von Bt-Mais über viele Jahre, häufig ohne Fruchtwechsel – gute Bedingungen für das, was Experten erwarten und von vielen Gentechnik-Kritikern immer wieder angeführt wird: Die Schädlinge werden mit der Zeit Resistenzen gegen das in den Maispflanzen wirksame Bt-Protein entwickeln – das Konzept würde dann unwirksam. Die Erfahrungen zeigen, dass unter bestimmten Umständen resistente Schädlinge schon nach wenigen Jahren auftreten können. Solche – bisher nur vereinzelten Fälle – sind aus USA, Indien, Brasilien, Südafrika und Puerto Rico bekannt.

Dennoch: Auch nach bald zwanzig Jahren Bt-Mais auf den Feldern gibt es in den spanischen Anbaugebieten bisher keine Hinweise auf Resistenzen bei den beiden Hauptschädlingen oder eine Abnahme ihrer Empfindlichkeit gegenüber dem Bt-Protein.

Eine Studie spanischer und amerikanischer Wissenschaftler, die 2016 veröffentlicht wurde, untersuchte die Resistenzentwicklung beim Eulenfalter Sesamia nonagrioides, vom Beginn des Bt-Mais Anbaus in Spanien bis 2013. Mit Hilfe geeigneter Labortests (Bioassays) wurde ermittelt, ob und wie sich die Empfindlichkeit der auf den Feldern gesammelten Schädlingslarven gegenüber dem Bt-Protein über die Jahre verändert hat. Können sie mehr Bt-Protein vertragen bevor eine schädliche Wirkung zu erkennen ist, deutet das auf eine sich entwickelnde Resistenz hin.

In die Untersuchung flossen auch die seit 1998 regelmäßig erhobenen Daten aus den Monitoring-Programmen ein. Damit konnten über den gesamten Zeitraum für die drei großen spanischen Anbauregionen „Resistenz-Raten“ ermittelt werden, die ein Maß für die Empfindlichkeit der Larven darstellen. In fast allen Jahren blieben die Resistenz-Raten niedrig.

Mit mathematischen Modellen errechneten die Wissenschaftler Szenarien und Verläufe für eine mögliche Ausbreitung resistenter Schädlinge. Demnach wäre beim Anbau von MON810 - dem einzigen Bt-Mais-Event, das in Spanien derzeit angebaut wird - unter den gegebenen Anbaubedingungen mindestens erst nach weiteren zwanzig Jahren mit einer Reistenz der Schädlinge zu rechnen.

Im Juli 2017 wurde eine weitere Studie veröffentlicht - diesmal unter Beteiligung spanischer und deutscher Wissenschaftler -, die den anderen wichtigen Schädling, den Maiszünsler, unter die Lupe genommen hat und zwar nicht nur in Spanien, sondern in allen Ländern Europas, in denen Bt-Mais angebaut wurde bzw. wird - in Tschechien, Deutschland, Italien, Portugal, Slowakei, Rumänien und Spanien. Der Untersuchungszeitraum umfasst zehn Jahre zwischen 2005 und 2015.

Wie in der anderen Studie auch wurden Maiszünslerlarven sowohl auf Bt-Maisfeldern als auch auf Feldern mit konventionellem Mais gesammelt und anschließend im Labor auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Bt-Protein getestet. Es zeigten sich nur geringe Unterschiede zwischen Larven verschiedener Regionen. Auch die Larven aus Spanien und Portugal, den einzigen Ländern wo Bt-Mais bis heute durchgängig angebaut wird, reagierten in den Labortests noch in hohem Maße empfindlich auf Bt-Protein.

Dass sich in den Anbauländern Spanien und Portugal noch keine resistenten Schädlinge etablieren konnten - darüber sind auch die Wissenschaftler selbst erstaunt. Sie führen dies auf die anfänglich geringe Anbaurate von Bt-Mais, aber vor allem auch auf ausreichend große Refugienflächen zurück. Solche in der Nähe von Bt-Mais angelegte Felder mit konventionellem Mais, auf denen sich nicht-resistente Schädlinge vermehren können, verzögern nachweislich die Ausbildung von Resistenzen. In Nord-Ost Spanien halten sich über neunzig Prozent der Landwirte an die Vorgabe, genügend Refugienflächen anzulegen.

Eine weitere Strategie, um einer Resistenzbildung vorzubeugen, wäre der Anbau von neuen Bt-Mais-Sorten, welche mehrere Varianten des Bt-Proteins enthalten und damit für die Schädlinge nur schwer zu überwinden sind. Solche Events sind zwar in Nord- und Südamerika für den Anbau zugelassen, nicht jedoch in der EU.

Diskussion / Kommentare

Kommentare werden geladen…