Sojabohnen, Brasilien

Gentechnisch veränderte Sojabohnen: Anbau in Brasilien

In Brasilien sind die mit gentechnisch veränderten Sojabohnen bewirtschafteten Flächen seit 2010 steil angestiegen. 2016 haben sie einen Anteil von über 96 Prozent der gesamten Sojaproduktion erreicht. Erst seit 2006 ist der Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien gesetzlich geregelt. Mehrere Jahre lang bauten Landwirte mit eingeschmuggeltem Saatgut illegal gv-Sojabohnen an. „Gentechnik-freie“ Sojarohstoffe für den europäischen Markt werden nur noch in einigen Regionen im Norden des Landes erzeugt.

Sojaanbau in Brasilien bis 2016

Sojaanbau in Brasilien 1997-2016 : Gesamtfläche und Flächen mit gv-Sojabohnen in Mio. Hektar

Brasilien ist nach den USA der weltweit zweitgrößte Sojaproduzent. Zusammen mit Argentinien decken diese Länder drei Viertel des Welt-Sojabedarfs. Allein in Brasilien haben sich in den letzten fünfzehn Jahren die Anbauflächen für Soja mehr als verdoppelt. China hat inzwischen Europa als wichtigstes Importland abgelöst.

78 Prozent der Welt-Sojaproduktion entfallen auf gentechnisch veränderte Sorten. In den USA beträgt deren Anteil fast 94 Prozent, in Brasilien 96,5 Prozent. In Argentinien ist der konventionelle Anbau verschwunden (GVO-Anteil: 100 Prozent).

14 verschiedene gv-Sojabohnen sind in Brasilien für den Anbau zugelassen.

Brasilien: Die „ohne Gentechnik“-Märkte in Europa verlieren an Bedeutung

Die europäische Lebensmittelwirtschaft, die eine Gentechnik-Kennzeichnung ihrer Produkte vermeiden will, bezieht „gentechnik-freie“ Sojarohstoffe in der Regel aus Brasilien.

Der Verzicht auf den Anbau von gv-Sojabohnen sollte der brasilianischen Landwirtschaft gegen die Konkurrenz aus Argentinien und den USA einen Vorteil auf dem besonders sensiblen Markt in Europa verschaffen, hieß es lange Zeit.

Doch in den letzten Jahren ist für die brasilianischen Sojaproduzenten zunehmend China als Absatzmarkt interessant geworden. Das Land führt inzwischen große Mengen - etwa 85 Millionen Tonnen - Sojarohstoffe ein. Dort ist die Verwendung von gv-Sojabohnen als Futter- und Lebensmittel erlaubt.

Nur noch knapp vier Prozent der Sojaernte in Brasilien werden mit konventionellen Sorten erzeugt. Vor allem im Norden des Landes setzen einzelne Regionen weiterhin auch auf den konventionellen Sojaanbau. Um „gentechnik-frei“ nach Europa liefern zu können, müssen Anbau, Lagerung und Transport so organisiert werden, dass möglichst wenige GVO-Beimischungen zu erwarten sind und die gültige Kennzeichnungsschwelle von 0,9 Prozent nicht überschritten wird. Für zertifizierte „gentechnik-freie“ Sojabohnen muss ein Aufpreis gezahlt werden. Nach Angaben des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) wurden in den letzten Jahren zwischen 3,5 und 5,5 Millionen Tonnen der Sojaernte Brasiliens als „gentechnik-frei“ zertifiziert.

Im Süden und mittleren Westen Brasiliens produzieren die brasilianischen Farmer für den allgemeinen Weltmarkt. Eine Trennung in konventionelle und GVO-Qualitäten ist technisch zu aufwändig und teuer.

Der jahrelange illegale Anbau hat Fakten geschaffen.

Anders als in den Nachbarländern war der Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien bis 2003 offiziell verboten. Über Jahre wurde gentechnisch verändertes Saatgut aus Argentinien oder Paraguay nach Brasilien geschmuggelt und vor allem in dem südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul angebaut. Der illegale Anbau von gv-Soja erreichte hier einen Anteil von etwa 30 Prozent der Produktion. Damit wurden Fakten geschaffen, die politisch nicht ignoriert werden konnten.

Schritt für Schritt lockerte die brasilianische Regierung das Anbauverbot für gentechnisch veränderte herbizidtolerante Sojabohnen (RoundupReady).

  • Im Juni 2003 wurde in Brasilien erstmals der Verkauf von illegal angebautem gv-Soja freigegeben und eine Kennzeichnung von GVO-Anteilen über 1,0 Prozent vorgeschrieben.
  • Bis 2006 war durch mehrfach verlängerte Dekrete des damaligen Präsidenten Lula da Silva der Anbau von gv-Soja unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
  • Mit einem auch vom Parlament unterstützten Gesetz wurde ab 2006 der Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien endgültig geregelt.

Aber nicht nur gv-Sojabohnen, sondern auch verschiedene Sorten von gv-Mais und gv-Baumwolle wachsen inzwischen auf Brasiliens Feldern. Die staatliche Agrarforschung setzt stark auf die Möglichkeiten gentechnischer Verfahren. So wurden etwa - teils in Kooperation mit Unternehmen - virusresistente gv-Bohnen und trockentolerantes gv-Zuckerrohr entwickelt.