150 Meter Mindestabstand - aber wie weit fliegt der Maispollen wirklich?

Wie weit muss ein Feld mit gentechnisch verändertem Mais entfernt sein, damit ein konventionell arbeitender Nachbarbetrieb seine eigene Maisernte ohne wirtschaftliche Nachteile verkaufen kann? Das ist eine der Schlüsselfragen für die Koexistenz von landwirtschaftlichen Systemen mit und ohne Gentechnik.

Es ist eine politische Entscheidung, wie groß die Mindestabstände zwischen Feldern mit gv-Pflanzen und solchen mit konventionellen Sorten sein sollen. Die meisten EU-Staaten haben inzwischen entsprechende Vorschriften erlassen. Zwar ist das Ziel - die Sicherung der Koexistenz - überall gleich, doch die Vorschriften weichen stark voneinander ab: In den Niederlanden reichen 25 Meter aus, in Ungarn müssen es hingegen 400 Meter sein. Deutschland liegt mit 150 Metern im Mittelfeld. In fast allen Ländern muss ein größerer Abstand eingehalten werden, wenn auf dem Nachbarfeld Öko-Mais angebaut wird.

Maisfeld, Rand

Wie viel Abstand ist nötig? Darüber wurde politisch entschieden: Der Mindestabstand zwischen Bt- und konventionellen Maisfeldern soll möglichst groß sein.

Maisblüte

Jede Menge Pollen. Die männlichen Maisblüten produzieren jede Menge Pollen. Während der Blütezeit ist er wie Staub auf den Blättern zu erkennen. Der Pollen ist jedoch schwer und wird nicht über große Entfernungen transportiert.

Maispollen: Im Regelfall kein Transport über große Entfernungen

Maispollen wird kaum über große Entfernungen verbreitet. Die männlichen Maisblüten produzieren zwar große Mengen Pollen, doch er ist schwer und befruchtet in erster Linie weibliche Blüten in der Nähe. Auch Insekten fliegen die für sie unattraktiven Blüten nur selten an und spielen daher bei der Befruchtung kaum eine Rolle.

Unter bestimmten Umständen - bei Wind, Thermik oder starken Luftströmungen - können Maispollen über große Entfernungen verfrachtet werden. Dabei „verdünnt“ sich der Pollen und verteilt sich über eine größere Fläche. Zwar kann es zu einzelnen GVO-Einkreuzungen in andere Maispflanzen kommen, auch wenn diese mehrere Kilometer vom gv-Maisfeld entfernt sind. Doch: Dieses bleiben einzelne, zufällige Ereignisse. In der Maisernte sind sie kaum oder gar nicht messbar.

Die Suche nach dem richtigen Abstand

In den letzten Jahren hat es verschiedene Anbauversuche und Forschungsprogramme gegeben, um Pollenflug und Einkreuzungsverhalten bei Mais genauer zu untersuchen. Im Kern sollte herausgefunden werden, wie weit gv- und konventionelle Maisfelder auseinander liegen müssen, um wesentliche Einkreuzungen auszuschließen.

  • Erprobungsanbau 2004 an 30 Standorten in Deutschland: In keinem Fall wurden in Entfernungen über 20 Meter GVO-Einträge oberhalb des 0,9-Prozent-Schwellenwerts gefunden.
  • Erprobungsanbau 2005 : Vereinzelt wurden auch in größeren Entfernungen bis 30 Meter GVO-Einträge über der 0,9-Prozent-Schwelle gemessen.
  • Forschungsprogramm Koexistenzversuche des BMELV: In diesem mehrjährigen, noch unter der damaligen Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) begonnene Programm wurden verschiedene Maßnahmen daraufhin überprüft, inwieweit sie Eintrag von gv-Mais in konventionelle Bestände minimieren können. In einzelnen Fällen kam es in einem Abstand von 50 Metern zu einer Überschreitung der 0,9-Prozent-Schwelle. Bei 150 Metern bleiben die GVO-Einträge jedoch deutlich unter diesem Wert.
  • Anbauversuche in Sachsen 2006: An zwei Versuchsstandorten wurden Proben aus konventionellen Maisbeständen in Abständen von 15, 50, 100 und 150 Metern zum Feld mit gv-Mais untersucht. In keinem Fall wurden GVO-Einträge über 0,9 Prozent gefunden. Bei den Proben aus 150 Metern Entfernung lag der GVO-Eintrag bei 0,1 Prozent. Bei 180 Metern waren keine GVO-Einträge mehr nachweisbar.
  • Auskreuzungsversuche in der Schweiz mit gelbem und weißem Mais: Bis auf wenige Ausnahmen lagen Einkreuzungsraten nach 15 Metern unter 0,9 Prozent. Untersuchungen in Entfernungen zwischen 52 und 4440 Meter von der Pollenquelle ergaben in der Regel Einkreuzungsraten unter 0,1 Prozent.
  • Auswertung verschiedener Versuche durch das „Europäische Koexistenz-Büro“ bei der EU-Kommission: Bei Körnermais reicht ein Abstand von 15-50 Metern, um GVO-Einträge unter 0,9 Prozent zu halten. Bei Silomais reichen sogar 0-25 Meter. Wird der Abstand bei Körnermais auf 85 bis 150 Meter erhöht, bleiben die GVO-Einträge unter 0,2 Prozent (Silomais: 50-65 Meter).