Mais, Befall Diabrotica 2

Maiswurzelbohrer: Erst eingeschleppt, nun etabliert

Der Maiswurzelbohrer, ein in den 1990er Jahren aus den USA eingeschleppter Schädling, hat sich inzwischen in Europa etabliert. Verschiedene Maßnahmen, die in der EU und in Deutschland erlassen wurden, haben seine Verbreitung nicht verhindern können. Im Frühjahr 2014 wurde sein Status als Quarantäneschädling aufgehoben. In Deutschland ist der Maiswurzelbohrer bisher vor allem in Nieder- und Oberbayern sowie am Oberrhein anzutreffen. 2017 gingen dort so viele Käfer wie noch nie in die aufgestellten Fallen. Früher oder später muss sich der Maisanbau überall auf den neuen Schädling einstellen.

2007 ging das erste Exemplar eines Maiswurzelbohrers in eine der in Bayern und Baden-Württemberg aufgestellten Lockstofffallen. Allein in der Bodenseeregion wurden damals 346 Käfer gefangen.

Maiswurzelbohrer Funde 2017 in Bayern und Baden-Württemberg

Fangzahlen Maiswurzelbohrer: Zahl der in den aufgestellten Fallen gefangenen Käfer 2007-2017 in Bayern und Baden-Württemberg. Weitere einzelne Funde: Rheinland Pfalz, Hessen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen.

Stand Dezember 2017, Quelle: Deutsches Maiskomitee, RP Freiburg, LfL

Mais, Verbreitung Diabrotica Europa

Ausbreitung des Maiswurzelbohrers in Europa: Mitte der 1990er-Jahre eingeschleppt mit einem Flugzeug aus den USA breitete sich der Schädling zuerst in Südosteuropa aus. Von dort aus erreichte er Bayern. Auf einem anderen Weg - über Italien, die Schweiz und Frankreich - gelangte er nach Baden-Württemberg.

Karte: Stand 2012; Quelle: Purdue University

Hirse, Mais

Hirse statt immer nur Mais. Eine Alternative zum Maisanbau: Hirse.
Foto: Feld bei Breisach (Oberrhein)

Wie zuvor schon in anderen europäischen Maisanbauregionen wurden nun auch in Süddeutschland rigide Vorschriften eingeführt mit dem Ziel, den Schädling in den Befallsgebieten auszurotten und seine weitere Verbreitung zu verhindern. Für die Landwirte bedeutete das erhebliche Einschränkungen.

So wurde etwa ein regelmäßiger Fruchtwechsel vorgeschrieben: Nach einem Jahr Mais mussten auf einem Feld mit Schädlingsbefall mindestens zwei Jahre andere Kulturarten angebaut werden. Nach der Ernte dufte der Mais nur unter bestimmten Schutzmaßnahmen außerhalb der Befallszone verwertet werden. Anfangs waren auch Behandlungen mit Insektiziden vorgeschrieben.

Oberrhein: Sprunghafter Anstieg

In einigen Regionen war das Konzept erfolgreich, in anderen jedoch nicht: So konnten in der Bodenseeregion Befalls- und Sicherheitszonen 2010 aufgehoben werden, nachdem dort zwei Jahre in Folge die Fallen leer blieben. Auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen wurden zwar vereinzelt Käfer gefunden, der Schädling konnte sich dort aber bislang nicht etablieren.

Dagegen sind in der Rheinebene Baden-Württembergs sowie in Ober- und Unterbayern insbesondere in den letzten drei Jahren die Zahlen der in den Fallen gefundenen Käfer sprunghaft gestiegen. In Bayern waren die Fangzahlen 2017 doppelt so hoch wie im Vorjahr, in Baden-Württemberg sogar weit mehr als dreimal so hoch.

Seit 2014: Keine Sonderbehandlungen mehr

„Wie aus den jährlichen Erhebungen der Mitgliedstaaten hervorgeht, konnte eine Ausbreitung des Maiswurzelbohrers nicht verhindert werden“, räumte die EU-Kommission im Frühjahr 2014 ein und hob alle angeordneten Schutzmaßnahmen auf. Der Quarantänestatus des Schädlings wurde aufgehoben. Auch Deutschland setzte die neue EU-Linie um. Damit gelten für den Maisanbau auch in Befallsregionen keine besonderen Vorschriften mehr.

Allerdings haben die Behörden in Baden-Württemberg aufgrund der rasant gestiegenen Fangzahlen Ende 2017 die empfohlene Fruchtfolge - Mais nur zwei Jahre in Folge auf derselben Fläche - wieder verbindlich vorgeschrieben.

In weiten Teilen der EU hat sich der Maiswurzelbohrer etabliert. Das ursprüngliche Ziel, seine weitere Ausbreitung einzudämmen oder ihn gar in Europa zu verdrängen, ist nicht mehr erreichbar.

Damit ist die Landwirtschaft auf wirksame und zugleich umweltverträgliche Bekämpfungskonzepte gegen den Maiswurzelbohrer angewiesen. Doch: Eine optimale Strategie gibt es derzeit nicht.

  • Fruchtwechsel: Wenn nicht mehr Mais auf Mais angebaut wird, kann man damit den Befall deutlich reduzieren. Ausrotten lässt sich der Schädling allein durch Fruchtwechsel nicht. Ein Teil der Käfer-Eier überlebt zwei Jahre im Boden oder wird an anderen Pflanzen abgelegt. Einige Larven fressen auch an bestimmten Gräsern und sind daher nicht auf Maispflanzen angewiesen. Dennoch: Mit einem Fruchtwechsel können die Landwirte die wirtschaftlichen Schäden sogar in den Befallszonen deutlich eindämmen.
  • Beizen des Saatguts. Die Maiskörner werden vor der Aussaat mit bestimmten Insektiziden umhüllt, die gegen die Käferlarven wirksam sind. 2008 hatten die Behörden in Baden-Württemberg eine hoch dosierte Beizung vorgeschrieben. Da in einigen Fällen die Beize unsachgemäß aufgebracht worden war, entstanden bei der Aussaat Stäube, die auf Blüten anderer Pflanzen verfrachtet wurden. Der Beiz-Wirkstoff ist jedoch für Bienen giftig, und es kam am Oberrhein zu einem massenhaften Bienensterben. Die Zulassung der Beiz-Wirkstoffe (Neonicotinoide, z.B. Clothianidin) wurde ausgesetzt. Seit Dezember 2013 dürfen diese Wirkstoffe in der EU bei Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle nicht mehr eingesetzt werden.
  • Chemische Bekämpfung durch Insektizide. Gegen die Larven können Bodeninsektizide ausgebracht werden, die jedoch andere Bodenlebewesen schädigen können und auch zurzeit in Deutschland nicht zugelassen sind. Genehmigungen für solche Wirkstoffe können zeitlich befristet erteilt werden, wenn „Gefahr im Verzuge“ ist. Möglich ist auch, den Käfer während der Hauptflugzeit durch Insektizide zu bekämpfen. Da zu diesem Zeitpunkt die Maispflanzen recht hoch sind, sind teure Spezialfahrzeuge erforderlich. Allerdings ist derzeit in Deutschland auch dafür kein Wirkstoff zugelassen.
  • Natürliche Feinde. Als biologische Kontrolle können Nematoden eingesetzt werden. In den Nematoden befindliche Bakterien gelangen ins Innere der Larven und vermehren sich dort, was zum Absterben der Larven führt. In den letzten Jahren wurde die Wirksamkeit dieser Methode in Befallsgebieten in Ungarn und in Österreich getestet. Sie war allerdings nicht immer so wirksam wie erhofft, weil der Schädling offenbar gegen ihn gerichtete Abwehrstoffe der Maispflanzen gegen seine eigenen Feinde ummünzen kann.
  • Gentechnisch veränderter Mais. In den USA werden schon seit einigen Jahren gv-Maissorten angebaut, die in ihren Wurzeln eine bestimmte Variante des Bt-Proteins bilden, die gezielt gegen den Maiswurzelbohrer gerichtet ist. Das Konzept ist von dem auch in Europa zugelassenen gv-Mais MON810 bekannt, bei dem das Protein gegen den Maiszünsler, einen Schmetterling, wirkt. In Europa wurde eine Anbauzulassung für einen Bt-Mais mit Wurzelbohrerer-Resistenz (MON88017) beantragt, inzwischen aber zurückgezogen.
    Ein neuer Ansatz beruht auf der RNAi-Methode. Dabei blockieren kurze RNA-Schnipsel das Ablesen eines bestimmten Gens (Snf7), wodurch sich das Wachstum des Schädlings verlangsamt bis er stirbt. RNAi-Mais soll ab 2020 in Nord- und Südamerika auf die Felder kommen.

USA: Bt-Mais und resistente Schädlinge

In vielen Regionen der USA werden seit einigen Jahren nahezu flächendeckend Maissorten angebaut, die neben anderen Merkmalen auch eine Resistenz gegen den Maiswurzelbohrer besitzen. Vor allem im mittleren Westen treten inzwischen vermehrt Schädlinge auf, die gegen den Bt-Wirkstoff resistent geworden sind. Wissenschaftler führen das auf unzureichendes Resistenzmanagement zurück. So verzichten die Farmer oft auf einen Fruchtwechsel und legen keine ausreichend große Refugienflächen mit konventionellem Mais an. Außerdem wird kritisiert, dass in den gv-Maissorten zu wenig Bt-Protein gebildet wird, um alle Schädlinge - auch die mit einer schwachen Resistenz - zu töten.

Sowohl die Erfahrungen aus den USA wie aus Deutschland zeigen: Eine langfristig wirksame Bekämpfung des Maiswurzelbohrers ist nur im Rahmen eines Integrierten Pflanzenschutzkonzeptes möglich. Der mehrjährige Anbau von Mais ohne Fruchtwechsel bietet dem Schädling gute Lebensbedingungen. Zudem fördert es die Entwicklung resistenter Käfer, wenn er über Jahre mit nur einem Wirkstoff - gleich ob Insektizid oder Bt-Protein - bekämpft wird.