Ein raffinierter Schädling auf dem Weg nach Norden
In Süddeutschland und im Oderbruch ist er
schon weit verbreitet, in Mecklenburg-Vorpommern ist er auf seinem
Weg nach Norden an der Ostseeküste angekommen: der Maiszünsler. Der unscheinbare
grau-braune Schmetterling kann bis zu 50 Prozent Ertragsverluste
verursachen. Mit herkömmlichen Mitteln ist der Maisschädling nur schwer zu bekämpfen.
European corn borer - der in
Nordamerika gebräuchliche Name erinnert an die Herkunft: Der
Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) stammt
aus den wärmeren Regionen Europas und wurde um 1910 in die
USA eingeschleppt. Inzwischen hat er sich weltweit in allen
Maisanbaugebieten ausgebreitet.
Verbreitung des Maiszünslers. Die Karte zeigt
die nördliche Verbreitungsgrenze aktualisiert nach
Berichten aus Nordrhein-Westfalen,
Schleswig-Holstein und Niedersachsen
von 2010.
Grafik: transgen/i-bio
In Deutschland hat sich der Maiszünsler von Bayern und Baden-Württemberg
aus kontinuierlich weiter nach Norden ausgebreitet und
inzwischen in Mecklenburg-Vorpommern die Ostseeküste erreicht. 2006
wurde erstmals auch in Niedersachsen Maiszünsler-Befall
festgestellt. Hier ist der Schädling bereits bis nach
Lüchow-Dannenberg vorgedrungen. In Nordrhein-Westfalen hat
sich der Maiszünsler 2009 und 2010 weiter ausgebreitet. Die Befallsgrenze
verläuft nördlich von Münster und erreicht mittlerweile
im Westen den Kreis Borken bei Heek.
Im Osten ist der Schädling bis ins Lipper Land vorgedrungen. Vom Schädling betroffen ist nun
auch
Schleswig-Holstein. Hier wurden 2010 im Kreis Herzogtum
Lauenburg erstmals Zünslerschäden an Maispflanzen
festgestellt.
Seit 2006 breitet sich in
Baden-Württemberg, südwestlich von Freiburg, eine neue (bivoltine) Rasse
des Maiszünslers aus, die zwei Generationen im Jahr
durchläuft. Die erste Falter-Generation fliegt bereits Ende
Mai in die Felder ein, der zweite Falterflug ist zwischen
Mitte Juli bis Mitte September. Die zweite Generation
schädigt den Mais insbesondere durch Raupenfraß an den
Kolben.
Nach Berechnungen der früheren Biologischen
Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (heute
Julius-Kühn-Institut) verursacht der Maiszünsler jährlich
einen Schaden von 11 bis 12 Millionen Euro. Da der kleine Falter
wenig natürliche Feinde hat und in den Maisfeldern ideale
Lebensbedingungen vorfindet, breitet er sich im Zuge des Maisanbaus
immer weiter aus.
(Grafik: Silber Communications GmbH)
Von der Eiablage bis zur Verpuppung: Ein Jahr im Leben des Maiszünslers
Im
kühleren Mitteleuropa gab es bislang nur eine Zünsler-Generation
im Jahr. Inzwischen breitet sich in der Schweiz und
in Baden-Württemberg eine neue Maiszünsler-Rasse aus, die zwei
Generationen im Jahr hervorbringt.
Maiszünsler-Weibchen. Etwa ab Mitte Juni fliegen die Falter in die
noch jungen Maisbestände. Auf der Unterseite der Blätter legen die
Weibchen ihre Eier ab.
Eigelege. Ein Eigelege besteht aus etwa zehn bis vierzig
einzelnen Eiern.Ein Weibchen kann bis zu fünfzig dieser Häufchen produzieren.
Zünsler-Larven. Nach etwa zehn Tagen schlüpfen die Larven.
Sie fressen sich schnell in den Stängel der befallenen Maispflanze.
Dort sind sie sicher - sowohl vor natürlichen Feinden wie auch vor
Insektiziden, mit denen die Landwirte üblicherweise Fraßschädlinge
bekämpfen.
Im Stängel. Nachdem die Zünslerlarven den Stängel erreicht haben,
fressen sie sich
im Inneren der noch jungen Maispflanze nach unten.
Abknickende Pflanzen.
Die Fraßschäden der Zünsler
schränken die Wasser- und Nährstoffversorgung der
Maispflanze ein. Der Stängel wird ausgehöhlt und
kann leicht abknicken.
Ernteverluste.
Im Verlauf der Vegetationsperiode fressen sich die Zünslerlarven bis
in den Wurzelkopf. Bei Wind, aber auch durch das
Eigengewicht der Kolben knicken viele der befallenen Maispflanzen.
Ist
der Befall schwach, nehmen die Landwirte solche Ertragsverluste in
Kauf. Bei Körnermais fallen sie stärker ins Gewicht, da die Kolben
der abgeknickten Pflanzen bei der Ernte nicht erfasst werden bzw.
die Kolben nicht ausreifen.
Überwinterung.
Die Zünsler überwintern in den
Stoppeln oder im Wurzelbereich der Maispflanzen. Dort überstehen sie
auch strenge Winter. Im Frühjahr verpuppen sich die
Raupen, verwandeln sich in Falter und der Zyklus beginnt
von vorn.
Eine Maßnahme, um den Zünslerbefall im Folgejahr zu reduzieren,
ist es, die Stoppeln kurz über dem Boden abzuschneiden und damit die
Überwinterungsmöglichkeiten der Raupen einzuschränken. Auch eine
Bodenbearbeitung kann ähnliches bewirken. Voraussetzung für den
Erfolg ist allerdings, dass alle Landwirte einer Region sich an
einer Bekämpfung des Zünslers beteiligen.
Pilzgifte. Die Fraßspuren der Zünsler sind Einfallstore für Pilzsporen. Sie
finden im Inneren des Maisstängels ideale Entwicklungsmöglichkeiten:
Es siedeln sich Schimmelpilze an - darunter auch solche, die extrem
giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine)
bilden. Futter- und Lebensmittel aus zünslerbefallenen Maispflanzen
sind stärker mit Mykotoxinen belastet als solche aus zünslerfreien
Beständen.