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Am Oberrhein starke Zunahme:
Maiswurzelbohrer ist kaum zu stoppen

In den europäischen Maisanbaugebieten müssen sich die Landwirte auf einen neuen Schädling einstellen. Auch in Deutschland ist der Maiswurzelbohrer angekommen, seit 2007 zunächst in Süddeutschland, 2010 auch in Nordrhein-Westfalen. 2011 hat sich in Baden-Württemberg die Zahl der in den aufgestellten Fallen gefundenen Käfer im Vergleich zum Vorjahr verzwanzigfacht. Der Schädling ist der Oberrheinebene inzwischen großflächig verbreitet. Das Ziel, ihn auszurotten und seine Ansiedlung zu verhindern, ist nicht mehr erreichbar. Nun gilt es, geeignete Bekämpfungsstrategien zu finden. Doch das scheint schwierig, denn die ideale Lösung gibt es nicht. 

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Ausbreitung des Maiswurzelbohrers in Europa: Eingeschleppt mit einem Flugzeug aus den USA breitete sich der Schädling zuerst in Südosteuropa aus. Von dort aus erreichte er inzwischen Bayern. Auf einem anderen Weg - über Italien, die Schweiz und Frankreich - gelangte er nach Baden-Württemberg.
Quelle: Purdue University

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Deutschland: Käfer-Funde des  Maiswurzelbohrers 2007-2011 (Stand 12.10.2011). Erstmalig wurden 2010 auch in Nordrhein-Westfalen, 2011 in Hessen und Rheinland-Pfalz Maiswurzelbohrer gefunden.

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Käferfunde am Oberrhein 2007-2011. Die vom Maiswurzelbohrer befallene Fläche hat sich 2011 stark ausgeweitet. Trotz aller Gegenmßnahmen findet der Schädling offenbar gute Lebensbedingungen.

Karte: Deutsches Maiskomittee (DMK)

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Mobiler Käfer: Das erwachsene Tier kann an einem Stück bis 25 Kilometer zurücklegen. Vermutlich wird der Käfer auch durch Transportmittel wie LKW, Bahn und Flugzeug verbreitet.

2007 ging das erste Exemplar eines MaiswurzelbohrersMaiswurzelbohrers in eine der Lockstofffallen, die seit einigen Jahren vor allem in Bayern und Baden-Württemberg aufgestellt worden waren. Allein in der Bodenseeregion wurden im gleichen Jahr 346 Käfer gefangen.

Wie in anderen europäischen Maisanbauregionen galten nun auch in Süddeutschland rigide Vorschriften, mit denen eine Ansiedlung des Schädlings verhindert werden sollte. Dazu legten die Behörden "Befallszonen" fest. Dort müssen etwa alle Maisflächen mit einem Insektizid besprüht werden, die Maisernte darf nur unter Auflagen aus der Befallszone transportiert werden. Nach einem Jahr Mais sind auf einem Feld die nächsten beiden Jahre andere Kulturarten anzubauen. In den angrenzenden Sicherheitszonen gelten abgestufte Maßnahmen.

Die EU-Vorgaben wurden 2008 durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in einer Eilverordnung umgesetzt und ein Programm zur Eingrenzung festlegt.

In einigen Regionen war das Konzept erfolgreich, in anderen jedoch nicht: So konnten in der Bodenseeregion Befalls- und Sicherheitszonen 2010 aufgehoben werden, nachdem zwei Jahre in Folge dort keine Käfer mehr gefunden wurden. In anderen Gebieten Baden-Württembergs hat seit 2008 die Zahl der in den Fallen gefundenen Käfer stark zugenommen. Entlang des Rheins zwischen Rheinau und Bad Bellingen sind 2011 bis Ende September zwanzig mal so viele Käfer in Fallen gezählt worden wie im Vorjahr. Selbst in bisher befallsfreien Gebieten wurde der Maiswurzelbohrer in Fallen nachgewiesen. Auch in Frankreich - im Elsass, den Rhone-Alpen und im Burgund - wurden im Juli 2011 insgesamt etwa zehn mal so viele Funde Käfer gezählt wie im Vergleichsmonat der beiden Jahre zuvor.

In Niederbayern belegt die Zahl der Käferfunde und ihre räumliche Verteilung, dass der Schädling inzwischen stabile Populationen aufgebaut hat. In fünf Landkreisen sind 2011 erstmals Käferfunde gemacht. Das ursprüngliche Ziel, den Maiswurzelbohrer auszurotten, scheint nicht mehr erreichbar, seine Verbreitung einzugrenzen schwierig.

Mit den verordneten Maßnahmen lässt sich allenfalls Zeit gewinnen und das Vordringen verlangsamen - verhindern kann man es nicht. Alle Fachleute erwarten, dass der Maiswurzelbohrer früher oder später in den großen europäischen Anbaugebieten ankommt. Damit ist die Landwirtschaft darauf angewiesen, dass geeignete Bekämpfungskonzepte zur Verfügung stehen, die wirksam, wirtschaftlich und umweltverträglich sind.

Doch: eine optimale Strategie gibt es derzeit nicht.

  • Fruchtwechsel: Wenn nicht mehr Mais auf Mais angebaut wird, kann man damit zwar den Befall deutlich reduzieren. Ausrotten lässt sich der Schädling allein durch Fruchtwechsel nicht. Ein Teil der Käfer-Eier überlebt auch zwei Jahre im Boden oder wird an anderen Pflanzen abgelegt. Einige Larven fressen auch an bestimmten Gräsern und sind daher nicht auf Maispflanzen angewiesen.

  • Beizen des Saatguts. Die Maiskörner werden vor der Aussaat mit bestimmten Insektiziden umhüllt, die gegen die Käferlarven wirksam sind. 2008 hatten die Behörden in Baden-Württemberg eine hoch dosierte Beizung verbindlich vorgeschrieben. Da in einigen Fällen die Beize unsachgemäß aufgebracht worden war, entstanden bei der Aussaat Stäube, die auf Blüten anderer Pflanzen verfrachtet wurde.  Da der Beiz-Wirkstoff für Bienen giftig ist, kam es am Oberrhein zu einem Bienensterben. Die Zulassung der Beiz-Wirkstoffe (Neonicotinoide, z.B. Clothianidin) wurde ausgesetzt. Für Raps und Zuckerrüben wurden sie inzwischen wieder zugelassen, nicht jedoch bei Mais.

  • Chemische Bekämpfung durch Insektizide. Gegen die Larven können Bodeninsektizide ausgebracht werden, die jedoch andere Bodenlebewesen schädigen können. Möglich ist auch, den Käfer während der Hauptflugzeit durch Insektizide zu bekämpfen. Da zu diesem Zeitpunkt die Maispflanzen recht hoch sind, sind teure Spezialfahrzeuge erforderlich.

  • Gentechnisch veränderter Mais. In den USA werden schon seit einigen Jahren gv-Maissorten angebaut, die vor allem in ihren Wurzeln eine bestimmte Variante des Bt‑ProteinsBt‑Proteins bilden, die gezielt gegen den Maiswurzelbohrer gerichtet ist. Das Konzept ist von dem auch in Europa zugelassenen gv-Mais MON810 bekannt, bei dem das Protein gegen den MaiszünslerMaiszünsler, einen Schmetterling, wirkt. In Europa ist die Zulassung von Bt-Mais mit Wurzelbohrerer-Resistenz zwar beantragt, eine Zulassung jedoch noch nicht in Sicht. In Deutschland hat sich ein großes, öffentlich gefördertes  Forschungsprojekt damit beschäftigt, ob ein Anbau dieser Bt-Mais-Variante schädliche Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität haben könnte. Untersucht wurde vor allem, ob es negative Einflüsse auf das Bodenleben gibt.  

Mehr bei transGEN:

 

Dr. Stefan Rauschen von der RWTH Aachen, zu den Ergebnissen der Sicherheitsforschung mit einem gentechnisch veränderten Mais, der gegen den Maiswurzelbohrer resistent ist.
Gentechnisch veränderter Bt-Mais und Boden. Gelangt der Wirkstoff - das Bt-Protein - in den Boden? Kann es sich dort anreichern? Fragen an Prof. Dr. Christoph Tebbe, Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) Braunschweig.

Weitere Videos zum Thema auf den Youtube-Kanälen

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17. November 2011 [nach oben springen]

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