|
Ein neuer Schädling in Europa:
|
|
2007 ging das erste Exemplar eines
Wie zuvor schon in anderen europäischen Maisanbauregionen wurden nun auch in Süddeutschland rigide Vorschriften eingeführt, mit denen eine Ansiedlung des Schädlings verhindert werden sollte. Seitdem ist Maisanbau dort nur unter weit reichenden Auflagen möglich: Liegt ein Betrieb in einer behördlich angeordneten "Befallszone", sind die Landwirte verpflichtet, alle Maisflächen mit einem Insektizid zu besprühen. Der geerntete Mais darf nur unter bestimmten Schutzmaßnahmen außerhalb der Befallszone verwertet werden. Vor allem ist ein regelmäßiger Fruchtwechsel vorgeschrieben: Nach einem Jahr Mais müssen auf einem Feld mindestens zwei Jahre andere Kulturarten angebaut werden. In den angrenzenden "Sicherheitszonen" gelten abgestufte Maßnahmen. In einigen Regionen war das Konzept erfolgreich, in anderen jedoch nicht: So konnten in der Bodenseeregion Befalls- und Sicherheitszonen 2010 aufgehoben werden, nachdem zwei Jahre in Folge dort keine Käfer mehr gefunden wurden. In anderen Gebieten Baden-Württembergs hat seit 2008 die Zahl der in den Fallen gefundenen Käfer stark zugenommen. Entlang des Rheins zwischen Rheinau und Bad Bellingen wurden 2011 bis Ende September zwanzig mal so viele Käfer gezählt wie im Vorjahr. Selbst in bisher befallsfreien Gebieten gingen Maiswurzelbohrer in die Fallen. In Niederbayern belegt die Zahl der Käferfunde und ihre räumliche Verteilung, dass der Schädling inzwischen stabile Populationen aufgebaut hat. Zudem wurden 2011 in fünf Landkreisen erstmals Käfer entdeckt. Das ursprüngliche Ziel, den Maiswurzelbohrer auszurotten, scheint nicht mehr erreichbar. Mit den angeordneten Maßnahmen lässt sich allenfalls Zeit gewinnen und das Vordringen verlangsamen - verhindern kann man es nicht. Alle Fachleute erwarten, dass der Maiswurzelbohrer früher oder später in allen großen europäischen Anbaugebieten ankommt. Damit ist die Landwirtschaft darauf angewiesen, dass geeignete Bekämpfungskonzepte zur Verfügung stehen, die wirksam, wirtschaftlich und umweltverträglich sind. Doch: Eine optimale Strategie gibt es derzeit nicht.
|
Beizen des Saatguts. Die Maiskörner werden vor der Aussaat mit bestimmten Insektiziden umhüllt, die gegen die Käferlarven wirksam sind. 2008 hatten die Behörden in Baden-Württemberg eine hoch dosierte Beizung vorgeschrieben. Da in einigen Fällen die Beize unsachgemäß aufgebracht worden war, entstanden bei der Aussaat Stäube, die auf Blüten anderer Pflanzen verfrachtet wurden. Der Beiz-Wirkstoff ist jedoch für Bienen giftig, und es kam am Oberrhein zu einem massenhaften Bienensterben. Die Zulassung der Beiz-Wirkstoffe (Neonicotinoide, z.B. Clothianidin) wurde ausgesetzt. Für Raps und Zuckerrüben wurden sie inzwischen wieder zugelassen, nicht jedoch für Mais.
Chemische Bekämpfung durch Insektizide. Gegen die Larven können Bodeninsektizide ausgebracht werden, die jedoch andere Bodenlebewesen schädigen können. Möglich ist auch, den Käfer während der Hauptflugzeit durch Insektizide zu bekämpfen. Da zu diesem Zeitpunkt die Maispflanzen recht hoch sind, sind teure Spezialfahrzeuge erforderlich (siehe Foto).
Gentechnisch veränderter Mais. In
den USA werden schon seit einigen Jahren gv-Maissorten angebaut,
die in ihren Wurzeln eine bestimmte Variante des
Bt‑Proteins bilden, die gezielt gegen den
Maiswurzelbohrer gerichtet ist. Das Konzept ist von dem auch in Europa
zugelassenen gv-Mais MON810 bekannt, bei dem das Protein gegen den
Maiszünsler, einen Schmetterling, wirkt. In Europa ist die
Zulassung von Bt-Mais mit Wurzelbohrerer-Resistenz zwar beantragt,
eine Zulassung jedoch noch nicht in Sicht. In Deutschland hat sich
ein großes, öffentlich gefördertes Forschungsprojekt damit
beschäftigt, ob ein Anbau dieser Bt-Mais-Variante schädliche
Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität haben könnte. Untersucht
wurde vor allem, ob sich negative Einflüsse auf das Bodenleben
beobachten lassen.
In einigen Maisanbauregionen der USA gibt es inzwischen Anzeichen dafür, dass sich Maiswurzelbohrer
ausbreiten, die gegen den Bt-Wirkstoff resistent geworden sind. Wissenschaftler führen das auf unzureichendes
Resistenzmanagement zurück. So verzichten die Farmer oft auf
einen Fruchtwechsel und legen keine ausreichend große
Refugienflächen mit konventionellem Mais
an. Außerdem wird kritisiert, dass in den gv-Maissorten zu wenig
Bt-Protein gebildet wird, um alle Schädlinge zu töten.
| Dr. Stefan Rauschen von der RWTH Aachen, zu den Ergebnissen der Sicherheitsforschung mit einem gentechnisch veränderten Mais, der gegen den Maiswurzelbohrer resistent ist. |
| Gentechnisch veränderter Bt-Mais und Boden. Gelangt der Wirkstoff - das Bt-Protein - in den Boden? Kann es sich dort anreichern? Fragen an Prof. Dr. Christoph Tebbe, Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) Braunschweig. |
| Das Wunder der Maiszüchtung. In der Wissenschaftsscheune des Max-Planck-Institutes für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln informieren sich Schüler und Schülerinnen über die Kulturgeschichte des Maises. |
|
|
Weitere Videos zum Thema auf den Youtube-Kanälen |
| Im Web |
|
|
|
|
|
|