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Ein neuer Schädling in Europa:
Der Maiswurzelbohrer ist kaum zu stoppen

In den europäischen Maisanbaugebieten müssen sich die Landwirte auf einen neuen Schädling einstellen: den Maiswurzelbohrer. Auch in Deutschland breitet sich der Käfer aus. Vier Jahre nach den ersten Funden hat er sich inzwischen in einigen süddeutschen Regionen etabliert. 2011 gingen am Oberrhein zwanzigmal so viele Käfer in die aufgestellten Fallen wie noch im Jahr zuvor. Das ursprüngliche Ziel, den Schädling auszurotten und seine Ansiedlung zu verhindern, ist kaum noch erreichbar. Nun gilt es, geeignete Bekämpfungsstrategien zu finden. Doch das scheint schwierig, denn die ideale Lösung gibt es nicht.

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Ausbreitung des Maiswurzelbohrers in Europa: Mitte der 1990er-Jahre eingeschleppt mit einem Flugzeug aus den USA breitete sich der Schädling zuerst in Südosteuropa aus. Von dort aus erreichte er Bayern. Auf einem anderen Weg - über Italien, die Schweiz und Frankreich - gelangte er nach Baden-Württemberg.
Karte: Stand 2011; Quelle: Purdue University

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Deutschland: Käfer-Funde des  Maiswurzelbohrers 2007-2011 (Stand 12.10.2011). Erstmalig wurden 2010 auch in Nordrhein-Westfalen, 2011 in Hessen und Rheinland-Pfalz Maiswurzelbohrer gefunden.

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Käferfunde am Oberrhein 2007-2011. Die vom Maiswurzelbohrer befallene Fläche hat sich 2011 stark ausgeweitet. Trotz aller Gegenmaßnahmen findet der Schädling offenbar gute Lebensbedingungen.
Karte: Deutsches Maiskomittee (DMK)

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Kleiner Käfer, große Schäden: In vielen europäischen Maisanbaugebieten verursacht der Maiswurzelbohrer große Schäden. 2009 beklagten die Landwirte in der norditalienischen Poebene einen Ernteausfall von dreißig Prozent.

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Technisch aufwändig: Pflanzenschutzspritze auf einem Maisfeld.
Foto: Harald Kramer. Landwirtschaftskammer NRW

2007 ging das erste Exemplar eines MaiswurzelbohrersMaiswurzelbohrers in eine der Lockstofffallen, die seit einigen Jahren vor allem in Bayern und Baden-Württemberg aufgestellt worden waren. Allein in der Bodenseeregion wurden damals 346 Käfer gefangen.

Wie zuvor schon in anderen europäischen Maisanbauregionen wurden nun auch in Süddeutschland rigide Vorschriften eingeführt, mit denen eine Ansiedlung des Schädlings verhindert werden sollte. Seitdem ist Maisanbau dort nur unter weit reichenden Auflagen möglich: Liegt ein Betrieb in einer behördlich angeordneten "Befallszone", sind die Landwirte verpflichtet, alle Maisflächen mit einem Insektizid zu besprühen. Der geerntete Mais darf nur unter bestimmten Schutzmaßnahmen außerhalb der Befallszone verwertet werden.  Vor allem ist ein regelmäßiger Fruchtwechsel vorgeschrieben: Nach einem Jahr Mais müssen auf einem Feld mindestens zwei Jahre andere Kulturarten angebaut werden. In den angrenzenden "Sicherheitszonen" gelten abgestufte Maßnahmen.

In einigen Regionen war das Konzept erfolgreich, in anderen jedoch nicht: So konnten in der Bodenseeregion Befalls- und Sicherheitszonen 2010 aufgehoben werden, nachdem zwei Jahre in Folge dort keine Käfer mehr gefunden wurden.

In anderen Gebieten Baden-Württembergs hat seit 2008 die Zahl der in den Fallen gefundenen Käfer stark zugenommen. Entlang des Rheins zwischen Rheinau und Bad Bellingen wurden 2011 bis Ende September zwanzig mal so viele Käfer gezählt wie im Vorjahr. Selbst in bisher befallsfreien Gebieten gingen Maiswurzelbohrer in die Fallen.

In Niederbayern belegt die Zahl der Käferfunde und ihre räumliche Verteilung, dass der Schädling inzwischen stabile Populationen aufgebaut hat. Zudem wurden 2011 in fünf Landkreisen erstmals Käfer entdeckt.

Das ursprüngliche Ziel, den Maiswurzelbohrer auszurotten, scheint nicht mehr erreichbar. Mit den angeordneten Maßnahmen lässt sich allenfalls Zeit gewinnen und das Vordringen verlangsamen - verhindern kann man es nicht. Alle Fachleute erwarten, dass der Maiswurzelbohrer früher oder später in allen großen europäischen Anbaugebieten ankommt.

Damit ist die Landwirtschaft darauf angewiesen, dass geeignete Bekämpfungskonzepte zur Verfügung stehen, die wirksam, wirtschaftlich und umweltverträglich sind.

Doch: Eine optimale Strategie gibt es derzeit nicht.

  • Fruchtwechsel: Wenn nicht mehr Mais auf Mais angebaut wird, kann man damit zwar den Befall deutlich reduzieren. Ausrotten lässt sich der Schädling allein durch Fruchtwechsel nicht. Ein Teil der Käfer-Eier überlebt auch zwei Jahre im Boden oder wird an anderen Pflanzen abgelegt. Einige Larven fressen auch an bestimmten Gräsern und sind daher nicht auf Maispflanzen angewiesen.

  • Beizen des Saatguts. Die Maiskörner werden vor der Aussaat mit bestimmten Insektiziden umhüllt, die gegen die Käferlarven wirksam sind. 2008 hatten die Behörden in Baden-Württemberg eine hoch dosierte Beizung vorgeschrieben. Da in einigen Fällen die Beize unsachgemäß aufgebracht worden war, entstanden bei der Aussaat Stäube, die auf Blüten anderer Pflanzen verfrachtet wurden.  Der Beiz-Wirkstoff ist jedoch für Bienen giftig, und es kam am Oberrhein zu einem massenhaften Bienensterben. Die Zulassung der Beiz-Wirkstoffe (Neonicotinoide, z.B. Clothianidin) wurde ausgesetzt. Für Raps und Zuckerrüben wurden sie inzwischen wieder zugelassen, nicht jedoch für  Mais.

  • Chemische Bekämpfung durch Insektizide. Gegen die Larven können Bodeninsektizide ausgebracht werden, die jedoch andere Bodenlebewesen schädigen können. Möglich ist auch, den Käfer während der Hauptflugzeit durch Insektizide zu bekämpfen. Da zu diesem Zeitpunkt die Maispflanzen recht hoch sind, sind teure Spezialfahrzeuge erforderlich (siehe Foto).

  • Gentechnisch veränderter Mais. In den USA werden schon seit einigen Jahren gv-Maissorten angebaut, die in ihren Wurzeln eine bestimmte Variante des Bt‑ProteinsBt‑Proteins bilden, die gezielt gegen den Maiswurzelbohrer gerichtet ist. Das Konzept ist von dem auch in Europa zugelassenen gv-Mais MON810 bekannt, bei dem das Protein gegen den MaiszünslerMaiszünsler, einen Schmetterling, wirkt. In Europa ist die Zulassung von Bt-Mais mit Wurzelbohrerer-Resistenz zwar beantragt, eine Zulassung jedoch noch nicht in Sicht. In Deutschland hat sich ein großes, öffentlich gefördertes Forschungsprojekt damit beschäftigt, ob ein Anbau dieser Bt-Mais-Variante schädliche Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität haben könnte. Untersucht wurde vor allem, ob sich negative Einflüsse auf das Bodenleben beobachten lassen. 

    In einigen Maisanbauregionen der USA gibt es inzwischen Anzeichen dafür, dass sich Maiswurzelbohrer ausbreiten, die gegen den Bt-Wirkstoff resistent geworden sind. Wissenschaftler führen das auf unzureichendes Resistenzmanagement zurück. So verzichten die Farmer oft auf einen Fruchtwechsel und legen keine ausreichend große RefugienflächenRefugienflächen mit konventionellem Mais an. Außerdem wird kritisiert, dass in den gv-Maissorten zu wenig Bt-Protein gebildet wird, um alle Schädlinge zu töten.

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19. März 2012 [nach oben springen]

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