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  Fr 03.09.2010 | 07:04 Uhr
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Begleitforschung (1): Blühzeitbonitur

Die Ungleichzeitigkeit der Maisblüten


Anfang August blüht der Mais. Die männlichen Blütenstände an der Spitze der Pflanzen sind mit Pollen gefüllt, die klebrigen Narben der weiblichen Blüten fangen ihn ein. Wenn es zu AuskreuzungenAuskreuzungenzwischen gentechnisch verändertem BtBt- und konventionellem Mais kommen sollte, dann in der Zeit der Blüte. Mit ihr beginnt ein wichtiger praktischer Teil der Begleitforschung auf den Feldern des Erprobungsanbaus.

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Maispflanzen mit rotem Punkt: Alle zwei Tage wird der Entwicklungsstand der männlichen und weiblichen Blüte erfasst.

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Männliche Blüte (Rispe): Alle Rispenäste sind in voller Blüte. Die Pollenschüttung beginnt. Nach der BBHC-Skala erhält die Blüte den Wert 65.

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Weibliche Blüte (Kolbenanlage): Die Narbenfäden sind vollständig geschoben. An den klebrigen Fäden bleibt Pollen hängen. (BBHC-Skala: 65)

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Protokoll der Blühzeitbonitur: Jeder Messpunkt besteht aus einer Reihe von 20 Pflanzen. Bei jeder wird der Skalenwert für beide Blüten bestimmt.

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Pollenträger. Mit der Kleidung könnte Pollen verfrachtet werden. Um dies zu vermeiden, wird im Bt-Feld ein Poncho getragen. Vor dem Betreten der Flächen mit konventionellem Mais wird er ausgezogen und in einem Folienbeutel verstaut.

Immer zwanzig in einer Reihe, auf zwanzig Messpunkte verteilt: Die Maispflanzen sind mit roter Farbe markiert, aber dennoch ist es nicht einfach, sie auf dem knapp 30 Hektar großen Feld zwischen Millionen von Maispflanzen zu finden. 

Seitdem die Entwicklung der Blütenanlagen begonnen hat, besucht Klaus Brinkmann* alle zwei bis drei Tage das Maisfeld unweit der Saale. Nach einem durchdachten Plan hat er die Reihen mit den markierten Pflanzen über das Feld verteilt: Einige liegen auf der Kernparzelle mit Bt-Mais, andere auf den angrenzenden Flächen mit konventionellem Mais. 

Pflanzen finden

Nach Himmelsrichtung orientieren, ein Blick auf den Plan, Reihen zählen, hin und wieder eine Markierung mitten im Feld - routiniert findet Klaus Brinkmann die Maispflanzen mit dem roten Punkt. Nun wird der Entwicklungszustand ihrer Blütenanlagen einer genauen BoniturBonitur unterzogen. 

Er schätzt die männliche und weibliche Blüte ein und notiert für jede der 400 markierten Pflanzen zwei Kennziffern, die jeweils den Entwicklungsstand präzise beschreiben. 

Eine Auskreuzung von Pollen aus Bt-Mais auf konventionelle Pflanzen ist nur möglich, wenn zur Zeit der Pollenschüttung der Bt-Pflanzen die weiblichen Blütenstände der konventionellen Pflanzen befruchtungsbereit sind.

Ob sich bei den Pflanzen eines Feldes beide Perioden überschneiden und es damit überhaupt zu Befruchtungen des konventionellen Maises mit Bt-Pollen kommen kann - das festzustellen, ist der Zweck der Blühzeitbonitur.

Früh- und Spätentwickler

Die Unterschiede zwischen einzelnen Maispflanzen sind erstaunlich groß: Es kommt vor, dass die Rispe (männliche Blütenanlage) noch von schützenden Blättern umhüllt ist. Bei der Pflanze daneben ist die Blüte voll entwickelt, alle Rispenäste sind entfaltet und die Staubblätter sind ausgetreten. Jede Bewegung löst eine Pollenwolke aus. 

Bei den meisten Pflanzen sind die Narbenfäden an den Kolbenanlagen (weibliche Blüten) ausgebildet: Sie sind feucht-klebrig, um den Pollen einzufangen. Vereinzelt beginnen die Fäden einzutrocknen. Dann ist die Blüte zu Ende und keine Befruchtung mehr möglich. Einzelne Maispflanzen schieben jedoch gerade erst die Kolbenanlage aus der Blattscheide. Bei ihnen kann es noch eine Woche dauern, bis die Narbenfäden vollständig entwickelt sind. 

Windfracht und andere Pollenträger

Über drei bis vier Wochen erstreckt sich die Entwicklung der Blütenanlagen und die anschließende Blühperiode auf einem Maisfeld. 

Die bei der Blühzeitbonitur gesammelten Daten werden Aufschluss geben, ob die männlichen und weiblichen Blüten der Bt- und konventionellen Maispflanzen sich zeitlich so entwickelt haben, dass eine Befruchtung möglich war. Einfluss darauf haben auch die Wetterverhältnisse: Vor jedem Besuch im Maisfeld bestimmt Klaus Brinkmann mit Hilfe von Kompass und Fähnchen die Windrichtung. Zusätzlich werden die amtlichen Wetterdaten erfasst.

Eine andere Befruchtungsquelle machte anfangs Kopfzerbrechen: Eine Pollenverfrachtung durch  Klaus Brinkmann selbst. Nach dem Gang durch die Maisreihen hängt der Pollen nämlich wie Staub an seinem Anorak.  Auf diese Weise könnte Bt-Pollen weit in die konventionellen Bestände hineingetragen werden. Um diese "boniturbedingten" Befruchtungen zu vermeiden, hat er sich ausgeklügelte Laufwege durch das Versuchsfeld ausgedacht - parallel zu den Reihen mit jeweils gleichen Pflanzen, nicht quer dazu. Zur Kontrolle von Bt-Maispflanzen im inneren Bereich des Versuchsfeldes benutzt er außerdem einen Poncho aus PVC-Folie, der für Pollen undurchlässig ist. Vor dem Betreten der Flächen mit konventionellen Maispflanzen wird der Poncho sicher in einem mitgeführten Folienbeutel verstaut.

Mit der Blühzeitbonitur ist die erste Phase der Begleitforschung abgeschlossen: Für jedes Feld des Erprobungsanbaus sind damit die Bedingungen zur Zeit der Maisblüte erfasst. Später wird am Erntegut untersucht, ob und wie häufig es zu tatsächlichen Einkreuzungen von Bt-Mais in konventionellen Pflanzen gekommen ist und wie hoch der daraus resultierende GVO-Anteil im Erntegut ist. 
 

(* Name von der Redaktion geändert)

 

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17. August 2004 [nach oben springen]

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