Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 03.09.2010 | 06:59 Uhr
Wissen, was ist.
TransGen Lebensmitteldatenbank
Sie wollen wissen, wo  Gentechnik eine Rolle spielen könnte?
Sie können nach Pflanzen, Lebensmitteln, Zutaten oder Zusatzstoffen suchen:
Alle Einträge in der Übersicht:
Pflanzen
Lebensmittel
Zutaten und Zusatzstoffe
Zusatzstoffe nach
E-Nummern
Enzyme

TransGen Forum
Newsletter
Im Abo. Neuigkeiten und Hintergrundinformationen
Forum Bio- und Gentechnologie
Schriftgröße ändern
1 2 3

Begleitforschung (2): Ernte

Probenahme mit dem Mähdrescher


Die Maispflanzen sind braun und trocken. Anfang November wird nun auch der Körnermais geerntet. Doch es ist keine Ernte wie jede andere. Nicht auf Schnelligkeit kommt es an, sondern auf Präzision und Planmäßigkeit. Nach einem vorgegebenen Plan sammelt der Mähdrescher Maisproben ein. Im Labor werden sie später untersucht. Sie sollen Aufschluss geben, ob es zu Polleneinträgen von gv-Mais in  konventionellen Nachbarbeständen gekommen ist und welchen Einfluss Lage und Entfernung dabei haben.   

Bild vergrößern

Mähdrescher mit vorgesetztem Maispflücker. Der Körnertank fasst etwa 15 Tonnen. 

Bild vergrößern

Ernte streifenweise. Um die Proben zu sammeln, muss der Mähdrescher den Mais in Streifen an vorgegebenen Stellen ernten. Jeder Streifen besteht aus acht Reihen mit Maispflanzen.

Bild vergrößern

Verladen. Nachdem ein Streifen abgeerntet ist, werden die Maiskörner auf dem Feld in Anhänger geladen. Konventioneller und Bt-Mais werden getrennt geerntet und abtransportiert. Bt-Mais sowie der unmittelbar angrenzende konventionelle Mais kommen in ein eigenes Silo.

Bild vergrößern

Probenahme. Durch eine Griffluke zum Körnertank wird Mais entnommen und in den Probensack gefüllt.

Bild vergrößern

Abtransport. Jeder Probensack ist mit einem Zifferncode versehen. Die Proben werden zur weiteren Aufbereitung zur Universität Halle transportiert.

Bild vergrößern

Keine Spur vom Maiszünsler. Aus Sicht des Landwirts hat sich der Bt-Mais auf seinem Feld bewährt. Er hat weniger Ernteausfälle und eine geringere Belastung der Maiskolben mit Schimmelpilzen. 

Bild vergrößern

Schema Begleitprogramm. Alle Felder des Erprobungsanbaus sind nach dem gleichen Schema angelegt. Die Proben werden in bestimmten Entfernungen zur Kernparzelle mit Bt-Mais genommen. 

Gewöhnlich zieht der Mähdrescher in regelmäßigen Bahnen über das Feld. Streifen für Streifen werden die Maispflanzen von den riesigen roten Pflückern erfasst. Nachdem die abgetrennten Kolben das Dreschwerk durchlaufen haben, sammeln sich die gelben Maiskörner im Tank hinter der Fahrerkabine. 

Bei dieser Ernte ist jedoch alles anders. Der Mähdrescher ist zugleich Probenahme-Maschine für das wissenschaftliche Begleitprogramm. Nach einem festgelegten Schema werden auf allen Felder des Erprobungsanbaus Maiskörner eingesammelt: In drei Entfernungszonen (0-5, 20-30 und 50-60 m) zur Kernparzelle mit Bt-Mais erntet der Mähdrescher in jeder Himmelsrichtung einen Streifen.  Daraus wird jeweils eine repräsentative Probe genommen.  Hinzu kommen weitere in etwas größerer Entfernung. Insgesamt 16 markierte Streifen muss der Fahrer mit seinem Mähdrescher im Maisfeld finden und abernten - zuerst die äußeren Streifen, dann weiter in Richtung BtBt-Mais (vgl. Schemazeichnung).

Kiloweise Proben

Mit dem Begleitprogramm soll herausgefunden werden, wie oft es auf den Feldern zum Erprobungsanbau zu  Auskreuzungen von gv-Mais in konventionelle Pflanzen gekommen ist - je nach Entfernung und Windrichtung. Der Bt-Mais befindet sich jeweils in einer Kernparzelle, die von konventionellem Mais umgeben ist.

Der Schwellenwert, bis zu dem GVOGVO-Anteile nicht zu kennzeichnen sind, ist gesetzlich bei 0,9 Prozent festgelegt. Die Messgenauigkeit bei den Untersuchungen des Begleitprogramms beträgt 0,1 Prozent - oder ein gentechnisch verändertes Maiskorn unter tausend anderen. 

Die Probenahme ist harte körperliche Arbeit. Oben auf dem Mähdrescher stehen die beiden Mitarbeiter auf einer schmalen Stufe. Immer wieder greifen sie durch eine Luke in den Körnertank und schaufeln mit den Händen Maiskörner in einen Probesack. Mindest sechs Kilo müssen sie einsammeln - so groß muss jede Probe sein, damit eine gleichmäßige Vermischung  gewährleistet ist und trotz der zufälligen Verteilung der GVO-Körner verallgemeinerbare Ergebnisse möglich sind. 

Aufteilung der Proben

Jeder abgeerntete Streifen ergibt eine Sechs-Kilo-Probe. Nachdem sie ein Etikett mit einem festgelegten Zifferncode erhalten haben, werden sie zur Trocknung transportiert. Das Institut für Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz der Martin-Luther-Universität in Halle  koordiniert die Begleitforschung. An allen Standorten werden die Proben nach dem gleichen Schema genommen. Grundlage dafür sind Empfehlungen der EU-Kommission für eine "technische Anleitung zur Probenahme und Nachweis von GVO".

Nach der Trocknung werden die Proben weiter aufbereitet. Jeder Sechs-Kilo-Sack besteht aus etwa 20.000 Maiskörnern. Nachdem sie grob gemahlen sind, stellen automatische Probenteiler aus den nun etwa vier Millimeter großen Maispartikeln fünf Proben zusammen. Falls in dem Probensack aus dem Erntegut des Mähdreschers GVO-Partikel vorhanden waren, sind diese nun statistisch gleichmäßig auf alle fünf Proben verteilt. 

Doppelte Analyse

Zwei Labore erhalten jeweils eine Probe, die parallel und unabhängig voneinander untersucht werden. Die übrigen drei Proben werden eingelagert. Sie können als Kontrolle herangezogen werden, wenn widersprüchliche Ergebnisse auftreten sollten. 

Im Labor werden die Proben aufbereitet, so dass sie mit den gängigen Analyseverfahren (quantitative PCRquantitative PCR) untersucht werden können. Gemessen wird der Anteil der DNA aus gv-Mais an der Gesamt-DNA-Menge. Mit einer Genauigkeit von 0,1 Prozent kann nun erschlossen werden, wie hoch der Anteil von gv-Mais an der Maisernte eines bestimmten Streifens gewesen ist.

Ende November sollen die ersten Ergebnisse vorliegen, zuerst von den früher geernteten Feldern mit Silomais. Daten für Körnermais sind nicht vor Anfang 2005 zu erwarten. Bis dahin werden auf den Feldern des Erprobungsanbaus knapp drei Tonnen Maisproben gesammelt, aufbereitet und analysiert worden sein. 

 

Schnellsuche
Schnelle Volltextsuche über die gesamten Inhalte der Website
07. November 2004 [nach oben springen]

© 1997 - 2010 i-Bio Information Biowissenschaften | Impressum | Leitlinien und Finanzierung | Website by Webmotive