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Gewöhnlich zieht der Mähdrescher in
regelmäßigen Bahnen über das Feld. Streifen für Streifen
werden die Maispflanzen von den riesigen roten Pflückern
erfasst. Nachdem die abgetrennten Kolben das Dreschwerk
durchlaufen haben, sammeln sich die gelben Maiskörner im
Tank hinter der Fahrerkabine.
Bei dieser Ernte ist jedoch alles anders. Der
Mähdrescher ist zugleich Probenahme-Maschine für das
wissenschaftliche Begleitprogramm. Nach einem festgelegten Schema
werden auf allen Felder des Erprobungsanbaus Maiskörner
eingesammelt: In drei Entfernungszonen (0-5, 20-30 und 50-60 m) zur
Kernparzelle mit Bt-Mais erntet der Mähdrescher in jeder
Himmelsrichtung einen Streifen. Daraus wird jeweils eine
repräsentative Probe genommen. Hinzu kommen weitere in etwas
größerer Entfernung. Insgesamt 16 markierte Streifen muss der Fahrer
mit seinem Mähdrescher im Maisfeld finden und abernten - zuerst die
äußeren Streifen, dann weiter in Richtung Bt-Mais (vgl.
Schemazeichnung).
Kiloweise Proben
Mit dem Begleitprogramm soll herausgefunden
werden, wie oft es auf den Feldern zum Erprobungsanbau zu
Auskreuzungen von gv-Mais in konventionelle Pflanzen gekommen ist -
je nach Entfernung und Windrichtung. Der Bt-Mais befindet sich
jeweils in einer Kernparzelle, die von konventionellem Mais umgeben
ist.
Der Schwellenwert, bis zu dem
GVO-Anteile nicht zu kennzeichnen sind, ist
gesetzlich bei 0,9 Prozent festgelegt. Die Messgenauigkeit bei den
Untersuchungen des Begleitprogramms beträgt 0,1 Prozent - oder ein
gentechnisch verändertes Maiskorn unter tausend anderen.
Die Probenahme ist harte körperliche Arbeit.
Oben auf dem Mähdrescher stehen die beiden Mitarbeiter auf einer
schmalen Stufe. Immer wieder greifen sie durch eine Luke in den
Körnertank und schaufeln mit den Händen Maiskörner in einen
Probesack. Mindest sechs Kilo müssen sie einsammeln - so groß muss
jede Probe sein, damit eine gleichmäßige Vermischung gewährleistet
ist und trotz der zufälligen Verteilung der GVO-Körner
verallgemeinerbare Ergebnisse möglich sind.
Aufteilung der Proben
Jeder abgeerntete Streifen ergibt eine
Sechs-Kilo-Probe. Nachdem sie ein Etikett mit einem festgelegten
Zifferncode erhalten haben, werden sie zur Trocknung transportiert.
Das Institut für Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz der
Martin-Luther-Universität in Halle koordiniert die
Begleitforschung. An allen Standorten werden die Proben nach dem
gleichen Schema genommen. Grundlage dafür sind Empfehlungen der
EU-Kommission für eine "technische Anleitung zur Probenahme und
Nachweis von GVO".
Nach der Trocknung werden die Proben weiter
aufbereitet. Jeder Sechs-Kilo-Sack besteht aus etwa 20.000
Maiskörnern. Nachdem sie grob gemahlen sind, stellen automatische
Probenteiler aus den nun etwa vier Millimeter großen Maispartikeln
fünf Proben zusammen. Falls in dem Probensack aus dem Erntegut des
Mähdreschers GVO-Partikel vorhanden waren, sind diese nun
statistisch gleichmäßig auf alle fünf Proben verteilt.
Doppelte Analyse
Zwei Labore erhalten jeweils eine Probe, die
parallel und unabhängig voneinander untersucht werden. Die übrigen
drei Proben werden eingelagert. Sie können als Kontrolle
herangezogen werden, wenn widersprüchliche Ergebnisse auftreten
sollten. Im Labor werden die Proben aufbereitet, so
dass sie mit den gängigen Analyseverfahren ( quantitative PCR)
untersucht werden können. Gemessen wird der Anteil der DNA aus
gv-Mais an der Gesamt-DNA-Menge. Mit einer Genauigkeit von 0,1
Prozent kann nun erschlossen werden, wie hoch der Anteil von gv-Mais
an der Maisernte eines bestimmten Streifens gewesen ist. Ende November sollen die ersten Ergebnisse
vorliegen, zuerst von den früher geernteten Feldern mit Silomais.
Daten für Körnermais sind nicht vor Anfang 2005 zu erwarten. Bis
dahin werden auf den Feldern des Erprobungsanbaus knapp drei Tonnen
Maisproben gesammelt, aufbereitet und analysiert worden sein. |