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Anbauversuche mit Bt-Mais

BMVEL mit eigenem Untersuchungsprogramm


Auch das damalige Bundesverbraucherministerium von Renate Künast führte 2005 Anbauversuche mit gentechnisch veränderten  Pflanzen durch. Damit solle die Wissensbasis im Bereich Agro-Gentechnik vergrößert werden, hieß es in einem Papier des Ministeriums. Im ersten Jahr wurden in erster Linie Untersuchungsmethoden entwickelt und auf ihre Tauglichkeit getestet. Das Versuchsprogramm soll auch 2006 fortgesetzt werden.

Das BMVEL-Programm hat eine längere Vorgeschichte: Schon 2001 hatte die Bundesregierung ein Anbauprogramm für gv-Pflanzen vorbereitet, es aber in den Wirren der damaligen BSE-Krise abgesagt. Zugleich erhielt das von Renate Künast geführte Verbraucherschutzministerium (BMVEL) die Zuständigkeit für die Grüne Gentechnik und das Projekt hatte keine Realisierungschance mehr.

Dr. Gerhard Rühl (FAL, Forschungsanstalt für Landwirtschaft) koordiniert das BMVEL-Forschungsprogramm zur Koexistenz. Versuchsfeld mit Mais und Sonnenblumen
Foto: Braunschweiger Zeitungsverlag

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Aussaat in Mariensee: Reinigung der Drillmaschine

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Versuchsfeld in Wendhausen
Fotos: FAL

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Weiß statt rot: Farbmais als Indikator für Auskreuzungen. Im September 2004 wurde auf der AGBIOS in Köln, einem internationalen Kongress zur Agro-Biotechnologie, ein roter Farbmais präsentiert. Er sei geeignet, Pollenflug und Auskreuzung von Mais ermitteln zu können. Nun werden einige BMVEL-Versuche mit einem ähnlichen Farbmais durchgeführt.

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Nicht-Zielorganismen. Ob Bt-Mais andere Tiere schädigt, ist bereits in zahlreichen Projekten untersucht worden. (Foto: Thripse).

Fotos: www.biosicherheit.de

Das änderte sich, als es im Herbst 2004 zwischen der rot-grünen Bundesregierung und einigen SPD-geführten Bundesländern zu Auseinandersetzungen um das Gentechnik-Gesetz kam. Das Künast-Ministerium sagte zu, die Ergebnisse des von mehreren Bundesländern unterstützten Erprobungsanbaus 2004 bei der weiteren Ausgestaltung des Gesetzes zu berücksichtigen. Außerdem kündigte das BMVEL eigene Anbauversuche mit gv-Mais unter der Regie der Forschungseinrichtungen des Ministeriums an.

Was jedoch genau untersucht werden sollte und ob dazu der Anbau von gv-Pflanzen notwendig sei, blieb bis ins Frühjahr 2005 umstritten. Bei einer Anhörung des Ministeriums Ende März begrüßten die anwesenden Verbände im Grundsatz das Vorhaben. "Der Probeanbau ist gut, weil er zeigen wird, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen unkontrolliert ausbreiten", sagte ein Greenpeace-Sprecher. Der Deutsche Bauernverband sicherte Unterstützung für "einen praxisnahen, transparenten Probeanbau" zu.  Ähnlich äußerten sich Vertreter der Pflanzenzüchter und der Agro-Industrie. Es war allerdings auch Kritik an der "praxisfernen und wissenschaftlich zweifelhaften" Ausrichtung des vom BMVEL ausgearbeiteten Untersuchungsprogramms zu hören.

Alles geklärt? Oder gibt es noch offene Fragen?

Anders als noch vor fünf Jahren liegen inzwischen jedoch eine Vielzahl von Daten aus Anbauversuchen und Begleitforschungsprojekten vor - gerade zum BtBt-Mais.

  • Der Erprobungsanbau in Deutschland hat Daten zu Pollenflug und Auskreuzung geliefert, die Grundlage für Koexistenz-Regeln sein können. Ähnliche Versuche wurden auch in anderen Ländern durchgeführt, etwa in Spanien.

  • Bisher ist in zahlreichen Projekten untersucht worden, ob der im Bt-Mais gebildete Wirkstoff neben dem "Zielorganismus" MaiszünslerMaiszünsler nicht auch andere Tiere schädigt. So hat das Bundesforschungsministerium (BMBF) in den letzten Jahren dazu umfangreiche Feld- und Laborversuche gefördert.  Nicht nur die Auswirkungen des Bt-Mais etwa auf Insekten, Schmetterlinge, Käfer, Blattläuse wurden ermittelt, sondern auch das Verhalten des Bt‑ToxinsBt‑Toxins im Boden oder im Verdauungstrakt von Nutztieren.

Angesichts der bereits vorhandenen Ergebnisse will sich das aktuelle BMVEL-Programm "auf noch nicht hinreichend geklärte Fragestellungen" konzentrieren. Die Versuche sollen die Wissensbasis vergrößern, um die Auswirkungen des Anbaus von Bt-Mais auf Umwelt und Biodiversität besser vorhersagen zu können. Es geht aber auch darum, die "Koexistenzbedingungen präziser zu definieren" und den Schutz der gentechnikfreien Produktion zu gewährleisten. Im nächsten Jahr sollen in einer Studie die "ökonomischen und  sozioökonomischen Konsequenzen" untersucht werden, die mit dem Schutz einer "nachhaltig gentechnikfreien Land- und Ernährungswirtschaft" verbunden sind.

Schwerpunkt: Koexistenz

Ähnlich wie beim Erprobungsanbau 2004 soll auch das BMVEL-Programm Erfahrungen sammeln, damit der Anbau von gv-Mais und konventionellem Mais auf Dauer nebeneinander existieren können. Auch an den BMVEL-Standorten wird nun untersucht, wie weit Maispollen fliegt und wie hoch mögliche GVOGVO-Einträge in den Nachbarfeldern sein können.

  • Bei den Untersuchungen des Erprobungsanbaus 2004 grenzte die Parzelle mit Bt-Mais unmittelbar an konventionelle Maisfelder. Das BMVEL-Programm will zusätzlich untersuchen, welchen Einfluss anders genutzte Zwischenflächen haben. Einbezogen sind Flächen unterschiedlicher Größe, auf denen etwa Sonnenblumen, Gras oder Klee angebaut wird. Auch sollen mögliche Auskreuzungsraten in größeren Entfernungen (bis 1800m) von einem Bt-Maisfeld gemessen werden.

  • Pollenflug und -verbreitung sollen nicht nur mit gentechnisch verändertem Mais, sondern auch anhand eines weißkörnigen "Farbmaises" untersucht werden. Trifft Pollen des normalen gelben Maises auf eine weiße Kolbenanlage, ändert sich die Farbe und es bildet sich ein gelbes Korn.  In diesem Jahr soll zunächst untersucht werden, ob der Farbmais überhaupt ein geeignetes Modellsystem für Pollenflug und Einkreuzung ist. So kann es vorkommen, dass sich die Farbe des weißen Maises ändert, ohne dass ein gelber Pollen beteiligt ist.

Einbezogen in das BMVEL-Programm sind zunächst sieben Versuchsfelder. Sie liegen auf dem Gelände mehrerer  Forschungseinrichtungen, die dem Verbraucherschutzministerium unterstellt sind. An vier Standorten (Wendhausen, Groß-Lüsewitz, Braunschweig, Mariensee) wird gv-Mais ausgepflanzt.

Schwerpunkt Biodiversität

Erneut wird sich das BMVEL-Programm mit den möglichen Auswirkungen auf Biodiversität und Naturhaushalte beschäftigen. Insbesondere die Veränderungen des Bodenlebens und von Stoffumbauprozessen durch den kommerziellen Anbau von Bt-Mais sollen langfristig untersucht werden. Die eigentlichen Versuche sind erst ab 2006 geplant, nachdem man sich in diesem Jahr zunächst um die Entwicklung von Methoden kümmern will.  Dazu wird auf den Versuchsfeldern mit Bt-Mais eine Pilotstudie durchgeführt.

Der Untersuchungsschwerpunk "Biodiversität" besteht aus mehreren Modulen:

  • Auswirkungen auf fliegende und auf dem Boden lebende Nicht‑ZielorganismenNicht‑Zielorganismen (z.B. Blattläuse, Schmetterlinge, Springschwänze, Käfer);

  • Wirkung auf Bodenorganismen und auf die Funktionsfähigkeit des Bodens;

  • Überdauerungsfähigkeit des Bt-Toxins im Boden, Verbreitung in angrenzende Biotope, Untersuchung der Auswirkungen einer möglichen Anreicherung.

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29. März 2006 [nach oben springen]

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