Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Sa 13.03.2010 | 18:07 Uhr
Gentechnik.
Wissen, was ist.
TransGen Lebensmitteldatenbank
Pflanzen, Lebensmittel, Zusatzstoffe.
Sie wollen wissen, wo  Gentechnik eine Rolle spielen könnte?
Dann geben Sie hier den Namen einer Pflanze, ein Lebensmittel, eine Zutat oder einen Zusatzstoff ein:
Suche in der TransGen-Datenbank:
Alle Datenbankeinträge in der Übersicht:
Pflanzen
Lebensmittel
Zutaten und Zusatzstoffe
Zusatzstoffe nach
E-Nummern
Enzyme

TransGen Forum
Newsletter
Im Abo. Neuigkeiten und Hintergrundinformationen
Forum Bio- und Gentechnologie
Schriftgröße ändern
1 2 3

Erprobungsanbau in Mecklenburg-Vorpommern

"Das Ergebnis wird die Landwirte interessieren."


Schon von weitem fallen sie auf: Kleine, hellgrüne Inseln inmitten großflächiger Maisfelder. Doch das merkwürdige Muster ist nicht zufällig angelegt: In Groß-Lüsewitz, westlich von Rostock, liegen drei Versuchsfelder des diesjährigen Erprobungsanbaus.

Irgendwo in der Weite der Maisflächen versteckt sich jeweils eine Kernparzelle mit gentechnisch verändertem Bt-Mais, umgeben von Feldstreifen, auf denen mal Sommergerste, mal Futtererbsen gesät sind. Die Versuche sollen zeigen, welche Feldfrüchte die Pollenausbreitung von BtBt-Mais in die umgebenden konventionellen Maisbestände hemmen und welche ihn möglicherweise sogar befördern. 

Bild vergrößern

Sommergerste im Maisfeld: Versuchsfeld mit konventionellem Mais (vorn), Bt-Mais (hinten) und Gerste auf den Zwischenflächen (Mitte)

Bild vergrößern

Bonitur. Eine Mitarbeiterin bei einem der regelmäßigen Kontrollgänge auf dem Versuchsfeld.

Prof. Dr. Inge Broer, Universität Rostock, hat die wissen-schaftliche Leitung des diesjährigen Erprobungsanbaus.

Bild vergrößern

Mais an Sommergerste.

Bild vergrößern

Mais an Futtererbsen. Auf zwei Versuchsflächen in Groß-Lüsewitz sind auf den Zwischenflächen Erbsen ausgesät.

Bild vergrößern

Frische Triebe. Spitze eine Maispflanze in der Wachstumsphase.

Bild vergrößern

Harald Nitschke, Geschäftsführer der Raminer Agrar GmbH, beteiligt sich erneut am Erprobungsanbau.

Aussaat: Filigranarbeit mit großen Maschinen

"Wir haben den Landwirten bei der Aussaat einiges zugemutet", sagt Inge Broer von der Universität Rostock. Die Professorin für Agrobiotechnologie am Institut für Landnutzung hat das komplizierte Anbauschema ausgearbeitet und ist wissenschaftliche Leiterin des diesjährigen Erprobungsanbaus, der 2005 an zwölf Standorten in drei Bundesländern stattfindet.

 "Das war nicht ganz einfach mit den großen Maschinen verschiedene Pflanzenarten und Sorten auf so engem Raum nebeneinander auszusäen. Ständig mussten die Maschinen gesäubert werden." Damit sollte verhindert werden, dass versehentlich einzelne Bt-Saatkörner auf die Flächen mit konventionellem Mais gelangten. Keimten dort einzelne Bt-Pflanzen aus, würde das im Herbst die Ergebnisse verfälschen.

Bei der praktischen Durchführung der Versuche wird die Universität vom "Verein zur Förderung einer innovativen und nachhaltigen Agro-Biotechnologie" (FINAB) unterstützt. Im November 2004 ist der Verein in das neue Agrobiotechnikum in Groß-Lüsewitz eingezogen.

Zwischenflächen: Pollenbarriere oder Pollenschleuse

Im Herbst, kurz vor der Ernte werden Mitarbeiter in den umgebenden normalen Maisbeständen planmäßig hunderte von Kolben pflücken. Daraus werden nach einem bestimmten Schema Laborproben zusammengestellt.

Herausgefunden werden soll, wie oft es zu Einkreuzungen von Bt-Mais in konventionellen Pflanzen gekommen ist. Dass der Polleneintrag mit wachsender Entfernung zur Bt-Parzelle rasch abnimmt, haben bereits die Versuche des vergangenen Jahres gezeigt. Nun geht es um die Zwischenflächen und die Art ihrer Nutzung. Einbezogen sind nicht nur Kulturpflanzen verschiedener Größe wie Sommergerste, Kartoffeln, Erbsen und Weidelgras. Auch Hecken und eine Straße wollen die Wissenschaftler auf ihre Wirkung als Pollenbarriere untersuchen.

"Was wir herausfinden, hat für die Landwirtschaft große Bedeutung," meint Inge Broer. "In der Praxis wird ja ein Bt-Maisfeld nicht direkt an ein konventionelles grenzen. Dazwischen liegen meist andere Felder. Wenn wir die Analyseergebnisse ausgewertet haben, werden wir ziemlich genau wissen, wie groß diese Zwischenflächen sein sollten, um nennenswerte Polleneinträge zu vermeiden. "

Schon im letzten Jahr haben Universität und FINAB ähnliche Versuche durchgeführt. "Wir machen an denselben Standorten das gleiche wie im letzten Jahr," so Broer. "Das hat einen großen Vorteil: Wir können unmittelbar Vergleiche ziehen. So gibt es hier in Ostseenähe einen starken Wind aus einer vorherrschenden Richtung. Im letzten Jahr haben wir hier von allen Standorten des Erprobungsanbaus die stärksten Polleneinträge gemessen. Ich bin gespannt, ob wir im Herbst ähnliche Ergebnisse haben."

Erprobungsanbau in Ramin: Wenn der Zünsler kommt ...

Die Arbeitsgruppe um Inge Broer betreut auch das Versuchsfeld in Ramin im Ucker-Randow-Kreis in der Nähe der Oder. Es liegt auf den Flächen der Raminer Agrar GmbH, die sich schon im letzen Jahr am Erprobungsanbau beteiligt hat. "Es ist wichtig, Erfahrung mit Bt-Mais zu gewinnen. Für uns war es keine Frage, noch einmal mitzumachen," erklärt Geschäftsführer Harald Nitschke. "Abgesehen von den Versuchsfeldern bauen wir in diesem Jahr keinen Bt-Mais an. Der Befall mit MaiszünslernMaiszünslern ist hier noch nicht so stark wie weiter südlich im Oderbruch." Allerdings rechnet Nitschke damit, dass der Zünsler immer weiter nach Norden vordringt. "In diesem Jahr war es im Frühsommer nicht so kalt wie 2004. Es ist gut möglich, dass der Zünslerbefall deshalb deutlich zunimmt."

Die Versuchsfelder in Ramin werden vom Landespflanzenschutzamt in Neubrandenburg betreut.

In Sichtweite: Die Anbauversuche des grünen Verbraucherministeriums

In Regionen mit starkem Zünsleraufkommen ist der Bt-Mais für viele Landwirte eine interessante Option, um den Schädling wirksam zu bekämpfen und die von ihm verursachten Ertragseinbußen zu begrenzen. Nicht nur der Erprobungsanbau hat sich zum Ziel gesetzt, Regeln zu finden, die ein Nebeneinander des Anbaus von Bt- und konventionellem Anbau zulassen.

Auch das Verbraucherministerium von Renate Künast führt in diesem Jahr dazu erstmals eigene Anbauversuche durch. Eine der Versuchsflächen liegt auf dem Gelände der Bundesanstalt für Züchtungsforschung. Sie befindet sich, gegenüber von FINAB und dem Agrobiotechnikum, ebenfalls in Groß Lüsewitz. Von den Feldern des Erprobungsanbaus sind die Versuche des "grünen Ministeriums" nur durch eine Straße und wenige hundert Meter getrennt.

Schnellsuche
Schnelle Volltextsuche über die gesamten Inhalte der Website
19. Juli 2005 [nach oben springen]

© 1997 - 2010 i-Bio Information Biowissenschaften | Impressum | Leitlinien und Finanzierung | Website by Webmotive