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Brasilien: Anbau gv-Soja
Erst illegal, dann normal
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Nach jahrelangen politischen und
juristischen Auseinandersetzungen hat Brasilien im Frühjahr 2005 den
Anbau und Verkauf von gentechnisch veränderten Sojabohnen auf eine
gesetzliche Grundlage gestellt. Inzwischen werden knapp drei Viertel bereits der nationalen Soja-Anbauflächen
mit gv-Sorten bewirtschaftet.
Brasilien ist
nach den USA der zweitgrößte Sojaproduzent. Zusammen mit Argentinien
decken diese Länder drei Viertel des weltweiten Sojabedarfs. Allein
in Brasilien haben sich in den letzten zehn Jahren die Anbauflächen
für Soja mehr als verdoppelt.
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Erst illegal, nun mit wachsenden
Flächenanteil:
Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien |
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Anbauflächen für gv-Sojabohnen in Brasilien
(in Mio. ha) |
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1999 |
1,4 |
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2000 |
3,6 |
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2001 |
5,7 |
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2002 |
6,3 |
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2003 |
3,0 |
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2004 |
5,0 |
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2005 |
9,0 |
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2006 |
9,2 |
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2007 |
14,5 |
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2008 |
15 |
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2009 |
16,2 |
1997-2002: Illegaler Anbau; Zahlen geschätzt.
Angegeben sind jeweils die Erntejahre |
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Mehr als 70 Prozent der Welt-Sojaproduktion
entfällt auf gentechnisch veränderte Sorten. In den USA beträgt
deren Anteil über 90 Prozent,
in Argentinien ist der konventionelle Anbau nahezu verschwunden (GVO-Anteil:
98%). Brasilien war lange Zeit das einzige große Exportland, das
offiziell "ohne Gentechnik" produzierte. Die europäische
Lebensmittelwirtschaft, die eine Gentechnik-Kennzeichnung ihrer
Produkte vermeiden will, bezieht "gentechnik-freie" Sojarohstoffe
in der Regel aus Brasilien. Der Verzicht
auf den Anbau gv-Sojabohnen verschaffe der brasilianischen
Landwirtschaft einen Vorteil auf dem besonders sensiblen Markt
in Europa, hieß es lange Zeit. Doch zunehmend wurde China als
Absatzmarkt interessant. Das Land führt inzwischen große Mengen
Sojarohstoffe ein. Dort ist die Verwendung von gv-Sojabohnen als
Futter- und Lebensmittel erlaubt.
Der jahrelange illegale Anbau hat Fakten geschaffen
Schritt für Schritt lockerte die
brasilianische Regierung das Anbauverbot für gentechnisch veränderte
herbizidtolerante Sojabohnen (RoundupReady).
Schon seit Beginn der 2000er-Jahre wurde gentechnisch verändertes Saatgut aus
Argentinien oder Paraguay nach Brasilien geschmuggelt und vor allem
in dem südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande de Sul
angebaut. Der illegale Anbau von gv-Soja erreichte hier einen Anteil von
etwa 30 Prozent der Produktion. Damit wurden Fakten geschaffen, die
politisch nicht ignoriert werden konnten.
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Im Juni 2003 wurde in Brasilien erstmals
der Verkauf von illegal angebautem gv-Soja freigegeben und eine
Kennzeichnung von GVO-Anteilen über 1,0 Prozent
vorgeschrieben.
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Vor der Aussaat im September 2003 folgte
dann, zunächst für ein Jahr, die Freigabe des Anbaus von gv-Sojabohnen. Die Bauern, die gv-Sojabohnen anbauen wollten, mussten sich
jedoch in Listen eintragen und die Haftung für mögliche
Umweltschäden oder Auskreuzungen auf Nachbarfelder
übernehmen. Gleichzeitig wurde der illegale Anbau von gv-Sorten
mit empfindlichen Geldbußen bestraft.
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Mit einem weiteren Dekret verlängerte der
sozialistische Präsident Lula da Silva die Freigabe für gv-Soja
bis Januar 2006.
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Nachdem zuvor das Parlament zugestimmt
hatte, unterzeichnete Präsident Lula Ende März 2005 ein
Gesetz, mit dem Freisetzungen, Zulassung und Anbau von gv-Pflanzen
geregelt werden. Damit wird der Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien endgültig
auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Die künftig für
Gentechnik zuständige Regierungsbehörde (CTNBio) kann
Langzeituntersuchungen durchführen, um mögliche schädliche
Umweltauswirkungen von gv-Soja zu erfassen.
2007 betrug der Anteil
gv-Sorten an der nationalen Sojaerzeugung etwa 65 Prozent.
Im Süden mit Gentechnik, im Norden ohne
Inzwischen zeichnet sich die Aufteilung
Brasiliens in zwei unterschiedliche Soja-Anbauzonen ab.
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Der Anbau von gv-Sorten in Brasilien
konzentriert sich vor allem auf den südlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul. Die Anbaufläche
für gv-Soja in dieser Region wird
für 2007/2008 auf 3,8 Millionen Hektar geschätzt. Wie ihre Kollegen in
den USA und Argentinien produzieren die brasilianischen Farmer
aber für den allgemeinen Weltmarkt. Eine Trennung in konventionelle und GVO-Qualitäten ist technisch zu aufwändig und teuer.
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Der Norden des Landes setzt weiter auf den
konventionellen Sojaanbau. Damit wird die Nachfrage nach "gentechnik-freien"
Rohstoffen gedeckt, deren GVO-Anteil unterhalb der in der EU
gültigen Kennzeichnungsschwelle von 0,9 Prozent bleibt. Man
hofft, damit einen Aufpreis erzielen zu können. Die gesamte
Sojaproduktion dieser Region beträgt etwa 20 Millionen Tonnen.
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