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  Fr 03.09.2010 | 06:43 Uhr
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Brasilien: Anbau gv-Soja

Erst illegal, dann normal


Nach jahrelangen politischen und juristischen Auseinandersetzungen hat Brasilien im Frühjahr 2005 den Anbau und Verkauf von gentechnisch veränderten Sojabohnen auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Inzwischen werden knapp drei Viertel bereits der nationalen Soja-Anbauflächen mit gv-Sorten bewirtschaftet.

Brasilien ist nach den USA der zweitgrößte Sojaproduzent. Zusammen mit Argentinien decken diese Länder drei Viertel des weltweiten Sojabedarfs. Allein in Brasilien haben sich in den letzten zehn Jahren die Anbauflächen für Soja mehr als verdoppelt.

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Erst illegal, nun mit wachsenden Flächenanteil: Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien

Anbauflächen für gv-Sojabohnen in Brasilien (in Mio. ha)
1999 1,4
2000 3,6
2001 5,7
2002 6,3
2003 3,0
2004 5,0
2005 9,0
2006 9,2
2007 14,5
2008 15
2009 16,2
1997-2002: Illegaler Anbau; Zahlen geschätzt.
Angegeben sind jeweils die Erntejahre

Mehr als 70 Prozent der Welt-Sojaproduktion entfällt auf gentechnisch veränderte Sorten. In den USA beträgt deren Anteil über 90 Prozent, in Argentinien ist der konventionelle Anbau nahezu verschwunden (GVO-Anteil: 98%).

Brasilien war lange Zeit das einzige große Exportland, das offiziell "ohne Gentechnik" produzierte. Die europäische Lebensmittelwirtschaft, die eine Gentechnik-Kennzeichnung ihrer Produkte vermeiden will, bezieht "gentechnik-freie" Sojarohstoffe in der Regel aus Brasilien. 

Der Verzicht auf den Anbau gv-Sojabohnen verschaffe der brasilianischen Landwirtschaft einen Vorteil auf dem besonders sensiblen  Markt in Europa, hieß es lange Zeit.  Doch zunehmend wurde China als Absatzmarkt interessant. Das Land führt inzwischen große Mengen Sojarohstoffe ein. Dort ist die Verwendung von gv-Sojabohnen als Futter- und Lebensmittel erlaubt.

Der jahrelange illegale Anbau hat Fakten geschaffen

Schritt für Schritt lockerte die brasilianische Regierung das Anbauverbot für gentechnisch veränderte herbizidtoleranteherbizidtolerante Sojabohnen (RoundupReady). Schon seit Beginn der 2000er-Jahre wurde gentechnisch verändertes Saatgut aus Argentinien oder Paraguay nach Brasilien geschmuggelt und vor allem in dem südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande de Sul angebaut. Der illegale Anbau von gv-Soja erreichte hier einen Anteil von etwa 30 Prozent der Produktion. Damit wurden Fakten geschaffen, die politisch nicht ignoriert werden konnten. 

  • Im Juni 2003 wurde in Brasilien erstmals der Verkauf von illegal angebautem gv-Soja freigegeben und eine Kennzeichnung von GVO-Anteilen über 1,0 Prozent  vorgeschrieben.

  • Vor der Aussaat im September 2003 folgte dann, zunächst für ein Jahr, die Freigabe des Anbaus von gv-Sojabohnen. Die Bauern, die gv-Sojabohnen anbauen wollten, mussten sich jedoch in Listen eintragen und die Haftung für  mögliche Umweltschäden oder Auskreuzungen auf Nachbarfelder übernehmen. Gleichzeitig wurde der illegale Anbau von gv-Sorten mit empfindlichen Geldbußen bestraft.

  • Mit einem weiteren Dekret verlängerte der sozialistische Präsident Lula da Silva die Freigabe für gv-Soja bis Januar 2006.

  • Nachdem zuvor das Parlament zugestimmt hatte, unterzeichnete Präsident Lula Ende März 2005 ein Gesetz, mit dem Freisetzungen, Zulassung und Anbau von gv-Pflanzen geregelt werden. Damit wird der Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien endgültig auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Die künftig für Gentechnik zuständige Regierungsbehörde (CTNBio) kann Langzeituntersuchungen durchführen, um mögliche schädliche Umweltauswirkungen von gv-Soja zu erfassen.

2007 betrug der Anteil gv-Sorten an der nationalen Sojaerzeugung etwa 65 Prozent.

Im Süden mit Gentechnik, im Norden ohne

Inzwischen zeichnet sich die Aufteilung Brasiliens in zwei unterschiedliche Soja-Anbauzonen ab. 

  • Der Anbau von gv-Sorten in Brasilien konzentriert sich vor allem auf den südlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul. Die Anbaufläche für gv-Soja in dieser Region wird für 2007/2008 auf 3,8 Millionen Hektar geschätzt. Wie ihre Kollegen in den USA und Argentinien produzieren die brasilianischen Farmer aber für den allgemeinen Weltmarkt. Eine Trennung in konventionelle und GVO-Qualitäten ist technisch zu aufwändig und teuer. 

  • Der Norden des Landes setzt weiter auf den konventionellen Sojaanbau. Damit wird die Nachfrage nach "gentechnik-freien" Rohstoffen gedeckt, deren GVO-Anteil unterhalb der in der EU gültigen Kennzeichnungsschwelle von 0,9 Prozent  bleibt. Man hofft, damit einen Aufpreis erzielen zu können. Die gesamte Sojaproduktion dieser Region beträgt etwa 20 Millionen Tonnen.

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24. Februar 2010 [nach oben springen]

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