Kein Ketchup aus der Gen-Tomate

Lange schien es, als seien sie die ersten gentechnisch veränderten Lebensmittel, die in der EU nach der damals neuen Novel Food-Verordnung zugelassen würden: Ketchup, Püree und andere verarbeitete Produkte aus gentechnisch veränderten Tomaten. Doch im Februar 2002 wurde der bereits 1998 eingereichte Antrag zurückgezogen. Trotz Zustimmung durch den Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss konnte sich der EU-Ministerrat nicht auf eine Entscheidung verständigen.

Tomatenpuree

In seiner Stellungnahme hat der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss, das Expertengremium der EU-Kommission, keine Bedenken, Produkte aus gentechnisch veränderten Tomaten zuzulassen. Wie bei der „Anti-Matsch- Tomate“ ist auch bei dieser ein Gen abgeschaltet. Dadurch wird die Bildung eines tomateneigenen Enzyms (PG-Polygalacturonase) unterdrückt, das bestimmte Bestandteile der Zellwände abbaut.

Dadurch wird der Alterungsprozess der Tomate hinausgezögert. Sie kann daher am Strauch ausreifen; auch wird der Erntezeitraum verlängert und bei ihrer Verarbeitung zu Tomatenmark ist weniger Energie erforderlich. Als Markergen ist in die von dem Agrounternehmen Zeneca entwickelte Tomate eine Antiobiotikaresistenz-Gen eingefügt (npt II - Kanamycin).

Bereits vor dem Inkrafttreten der Novel Food-Verordnung war Püree aus Zeneca-Tomaten in Großbritannien auf dem Markt. Die Produkte waren eindeutig gekennzeichnet und fanden anfangs großen Zuspruch. Die damalige Zulassung ist jedoch für die übrigen EU-Länder nicht gültig.

Wissenschaftliche Bewertung. Der Antrag, dem der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss zugestimmt hat, umfasste ausschließlich verarbeitete Produkte - etwa Ketchup, Püree, Saft, Soßen oder geschälte Tomaten in Konserven -, nicht jedoch auf die Zeneca-Tomate selbst . Diese wurde damals in Kalifornien angebaut und dort weiterverarbeitet.

Das Beratungsergebnis, dass die Tomaten-Produkte sicher seien und sich nicht von herkömmlichen unterschieden, stützte sich auf mehrere Aspekte.

  • Das antragstellende Unternehmen hat die Gehalte verschiedener Inhaltsstoffe gentechnisch veränder- ten Tomaten gemessen und mit konventionellen Tomaten verglichen. Danach ließen sich etwa bei Nährstoffen, Vitaminen oder sekundären Pflanzenwirkstoffen keine signifikanten Unterschiede feststellen. Die natürlichen Konzentrationen toxischer Tomaten-Stoffe (Glykoalkaloide) lagen bei den gentechnisch veränderten Tomaten eher unter denen der konventionellen.
  • Alle Tomatenprodukte werden unter Einsatz hoher Temperaturen verarbeitet: Bei mindestens 90°C wird der gequetschten Tomatenmasse das Wasser entzogen. Dieses Konzentrat ist die Basis für Püree, Ketchup, Soßen oder Saft. Auch das Schälen ganzer Tomaten geschieht bei Temperaturen von mindestens 100°C. Alle Produkte werden vor dem Abfüllen sterilisiert.
  • Als Folge davon verlieren sowohl die neu eingeführten Gene wie die durch sie gebildeten Proteine ihre Wirkung. Beide zerfallen in kleine Einheiten, die nicht mehr funktionstüchtig sind. Auch das Markergen wird im Verlauf der Verarbeitung zu kleinen DNA-Schnipseln abgebaut, die nicht mehr intakt sind.
  • Die Verarbeitungstemperaturen sorgen auch dafür, dass die Tomaten ihre Keimfähigkeit verlieren. Sie können sich nicht mehr vermehren.

Alle Produkte aus der Zeneca-Tomate müssen gekennzeichnet werden. Die vorgesehene Formulierung ist: hergestellt aus genetisch veränderten Tomaten.