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... In Deutschland haben sich die pflanzlichen Erträge gewaltig gesteigert: In den vergangenen 50 Jahren haben sich die Hektarerträge bei Weizen nahezu verdreifacht. Den Anteil der Pflanzenzüchtung an diesem
Produktivitätszuwachs schätzen die Fachleute auf etwa 50 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass dieser Anteil in den nächsten Jahrzehnten weiter steigt. Ob sich diese Prognose tatsächlich erfüllt, wird auch davon abhängen, ob sich die beeindruckende Entwicklung der Methoden der
Pflanzenzüchtung fortsetzen wird. Ein zentrales Moment ist dabei zweifellos die Gentechnologie. Von der Gen- und
Biotechnologie kann eine ähnliche Dynamik für das wirtschaftliche Wachstum ausgehen wie von den Informations- und Kommunikationstechnologien. Bei der Gen- und
Biotechnologie handelt es sich unbestreitbar um
Schlüsseltechnologien für die moderne Landwirtschaft, für die Medizin, die Pharmazie, die Chemie, die Lebensmittelindustrie, den Umweltschutz und viele andere Wirtschaftsbereiche.
Die Haltung der Bundesregierung dazu ist in der Koalitionsvereinbarung festgeschrieben: Wir stehen dafür, die verantwortbaren Innovationspotenziale dieser Technologien systematisch weiterzuentwickeln und zu nutzen. Die Bereiche, um die es dabei vornehmlich geht, sind von einem außerordentlich hohen Wettbewerbsdruck geprägt. Die Bundesregierung hat darauf reagiert. Sie fördert nach Kräften Unternehmensgründungen in dieser Branche. Damit wollen wir die internationale
Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts stärken und Impulse für die Schaffung neuer, hoch qualifizierter Arbeitsplätze setzen. Die jüngsten Erfolgsmeldungen der Branche geben uns recht: Nach Startschwierigkeiten nimmt Deutschland im Bereich der Biotechnologie in Europa einen Spitzenplatz ein. Bei Unternehmensgründungen standen wir 1998 und auch 1999 an der Spitze.
Diese erfreuliche Dynamik, die bisher noch hauptsächlich vom Einsatz gentechnischer Methoden im
medizinisch- pharmazeutischen Bereich getragen wird, gilt es, auch auf dem Gebiet der Pflanzenzüchtung anzustoßen. Ein wichtiger Faktor - ich will das nicht verschweigen - sind natürlich auch Unsicherheiten auf den Märkten für
neu- artige Pflanzensorten. Gentechnik wird in
Pflanzenzucht- betrieben in unserem Land nur dann Normalität
beanspruchen können, wenn die Verbraucher die aus
gen- technisch veränderten Pflanzen erzeugten Produkte akzeptieren. Deshalb müssen vor allem die Produzenten das Vertrauen der Menschen für die Biotechnologie gewinnen ..., damit Deutschland an den Erträgen der biotechnologischen Forschung aus einer führenden Position heraus partizipieren kann, setzt die
Bundesregierung bei der Förderung der Biotechnologie und der Genomforschung Schwerpunkte ihrer Forschungspolitik. Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Pflanzenzüchtern, der Pflanzenschutzindustrie und der verarbeitenden Industrie ein Förderprogramm zur Erforschung der pflanzlichen Genome aufgelegt. Dieses Programm mit dem hübschen Namen "Gabi" (Genomanalyse im biologischen System Pflanze) soll erstens die
Voraussetzungen für wissenschaftliche Spitzenleistungen in der Forschung schaffen. Zweitens soll es die rasche Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis ermöglichen.
Es entspricht allerdings dem verantwortlichen Umgang mit neuen Technologien und dem Vorsorgeprinzip des Staates, der biologischen Sicherheitsforschung dabei einen hohen Stellenwert einzuräumen. Gleichwohl ist der Eindruck sicher zutreffend, dass sich die bislang erreichte Akzeptanz noch deutlich verbessern lässt ... Es muss gemeinsames Ziel aller Beteiligten sein, durch mehr Transparenz der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse und bessere Information der Öffentlichkeit eine solide Grundlage dafür zu schaffen, dass wir die
verantwort- baren Innovationspotenziale der Gentechnologie auch wirklich nutzen können.
Darum wird die Bundesregierung allen Beteiligten, zunächst vor allem der Wirtschaft, folgenden Vorschlag unterbreiten: Wir bitten Sie zu prüfen, ob - auf freiwilliger Basis - für den Bereich der grünen Gentechnik ein Forschungs- und Beobachtungsprogramm vereinbart werden kann. Die Bundesregierung strebt an, dass alle von gentechnischen Zulassungen betroffenen
Unter- nehmen sich verpflichten, Genehmigungen, die sie bereits erhalten haben oder während der Dauer des Programms noch erhalten werden, nur im Rahmen dieses Programms zu nutzen. Es geht also nicht darum, irgendeinen
Still- stand zu produzieren. Damit könnte sowohl den
Besorgnissen der Bevölkerung als auch der Forderung der Wirtschaft nach ausreichender Planungssicherheit Rechnung getragen werden. Von der Bundesregierung sind hierzu die ersten Überlegungen gerade abgeschlossen worden.
Allem Anschein nach ist die KWS bereits gut unterrichtet. Denn in einer ersten Stellungnahme haben Sie grundsätzlich positiv auf diesen Vorschlag reagiert. Dies freut mich, weil damit ein wichtiger Partner auf Seiten der Wirtschaft seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert. Es wäre wünschenswert, wenn diese Haltung in Wirtschaft und Gesellschaft beispielgebend sein könnte ..., ich hoffe, ich habe Ihnen deutlich machen können, warum ich einen offenen, einen sachlichen und
verständlichen Dialog über die Einführung gentechnisch
veränderter Pflanzen als Voraussetzung ansehe, damit wir die damit verbundenen Fortschritte zu unserem gemeinsamen Nutzen einsetzen können ... |