Konfliktfeld Grüne Gentechnik
Meldungen 2001 | 2. Halbjahr
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Künast eröffnet Diskurs
(13.12.) Auf der Auftaktveranstaltung zum
Diskurs Grüne Gentechnik wurden die
unterschiedlichen Positionen noch einmal
deutlich: Für Umwelt- und Verbraucherverbände
sind die vermeintlichen Risiken das Topthema;
die Unternehmen wollen praktische Erkenntnisse
aus Anbauversuchen erörtern. Künast lehnte
diese erneut ab.
Kennzeichnung ohne Gentechnik nicht
beliebig
(12.12.) Das Verwaltungsgericht Koblenz hat die
Deklaration ohne Gentechnik bei Reis als
irreführend untersagt. Da gentechnisch
veränderter Reis in der EU nicht zugelassen
ist, werde auf eine angeblich besondere
Eigenschaft hingewiesen, die alle Produkte
hätten.
Berlin: Auftakt zum Diskurs?
(12.12.) Auf Einladung des
Verbraucherschutzministeriums beraten in Berlin
Vertreter verschiedener Verbände und
gesellschaftlicher Gruppen über einen
"Diskurs Grüne Gentechnik". Die
Auffassungen liegen weit auseinander: Während
die Grünen Minister Künast und Trittin eine
breite Erörterung über Chancen und Risiken der
Grünen Gentechnik in Gang bringen wollen, lehnt
die Industrie theoretische Debatten ohne
"neue praxisorientierte Fakten" ab.
Sie fordert, dass die Gespräche durch
Anbauversuche begleitet werden.
Gespräche über Grüne Gentechnik beginnen
(3.12.) Verbraucherschutzministerin Künast hat
Verbandsvertreter der Agrobiotech-Industrie, der
Bauern, des Einzelhandels und des Umweltschutzes am 12. Dezember zu
einem Gespräch über "Gefahren und Chancen" der Grünen Gentechnik
eingeladen. Das ursprünglich vom Bundeskanzler vorgeschlagene Anbau-
und Versuchsprogramm steht nicht mehr auf der Tagesordnung.
SPD: Parteitag beschließt Versuchsanbau
(22.11.) Der SPD-Parteitag hat den Leitantrag
zur Agrarpolitik angenommen. Darin wird die
Bundesregierung aufgefordert, "in Abstimmung mit der Wirtschaft ein sorgfältig ausgearbeitetes Forschungs- und Begleitprogramm zum Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf den Weg
zu bringen."
Naturschutz-Gesetz: kein Verbot der Grünen
Gentechnik
(16.11.) Nach langen Diskussionen hat der
Deutsche Bundestag ein neues
Bundesnaturschutzgesetz verabschiedet. Anders
als von den großen Umweltverbänden gefordert,
sind darin keine ausdrücklichen Vorschriften
zum Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen
enthalten. In dem Gesetzt werden erstmals
"Grundsätze einer guten fachlichen
Praxis" für die Landwirtschaft
festgeschrieben.
SPD: Für Versuchsanbau
(15.11.) Agrarpolitik und Grüne Gentechnik sind
Themen des SPD-Parteitags in Nürnberg. In einem
agrarpolitischen Leitantrag spricht
sich der SPD-Vorstand dafür aus, die
Initiative von Kanzler Schröder zur Gentechnik
wieder aufzunehmen. In Abstimmung mit der
Wirtschaft solle ein "sorgfältig
ausgearbeitetes Forschungs- und Begleitprogramm zum
großflächigen Anbau von gentechnisch
veränderten Pflanzen" durchgeführt werden.
Österreich: GVO-Grenzwerte für Saatgut
(13.11.) Die österreichische Bundesregierung
will zulässige Höchstwerte für
"Verunreinigungen" mit gentechnisch
veränderten Pflanzen festlegen. Künftig sollen
bei konventionellem Saatgut 0,5% GVO-Anteile
toleriert werden, bei biologischem 0,1%.Die
geplante Verordnung stößt bei der Opposition,
Bauern- und Umweltverbänden auf Kritik. Sollten
die Pläne der Regierung realisiert werden,
käme Österreich einer EU-einheitlichen
Regelung zuvor.
Moratorium bleibt
(30.10.) Die Mehrheit der EU-Umweltminister
hält am Moratorium für gentechnisch
veränderte Pflanzen fest. Auf ihrer Tagung in
Luxemburg gaben sie dem Drängen der
EU-Kommission nicht nach, den
Genehmigungsprozess nach den strengeren
Standards der neuen, jedoch noch nicht
rechtskräftigen Vorschriften wieder
aufzunehmen. "Wir befinden uns in einer
illegalen Situation. Jeder kann die Kommission
verklagen," hatte EU-Kommissarin Margot
Wallström für Ende des Zulassungsstopps
geworben - vorerst ohne Ergebnis.
Künast: Alles wie bisher
(16.10.) Verbraucherschutzministerin Künast
will vorerst keine gentechnisch veränderten
Pflanzen genehmigen. In einem Brief an
EU-Kommissar Byrne sprach sie sich dafür aus,
das bestehende Moratorium erst dann zu lockern,
wenn die EU-Mitgliedstaaten die neue
Freisetzungsrichtlinie in nationales Recht
umgesetzt hätten. Auch die bisher nur im
Entwurf vorliegende Verordnung für gentechnisch
veränderte Lebensmittel müsse in Kraft treten.
Andernfalls würde das Vertrauen der Verbraucher
in die Nahrungsmittelsicherheit erneut
erschüttert.
EU-Kommission: Zulassungsblockade
aufgeben
(15.10.) Die EU-Kommissare für Umwelt- und
Verbraucherschutz, Margot Wallström und David
Byrne, haben sich in einem Memorandum dafür
ausgesprochen, wieder gentechnisch veränderte
Pflanzen in der EU zuzulassen. Seit 1998 ist
kein Antragsverfahren beendet worden. Einige
EU-Staaten hatten weitere Zulassungen von der
Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig
gemacht. Diese sind nach Auffassung der beiden
EU-Kommissare mit der neuen
Freisetzungsverordnung und dem Entwurf eines
neuen Gesetzes für gentechnisch veränderte
Lebens- und Futtermittel erfüllt. Es gebe
keinen Grund, die Blockade fortzusetzen. Ein
Festhalten am Moratorium werde "ernsthafte
Folgen für Forschung, die Landwirtschaft und
für die Industrie" nach sich ziehen.
GVO-Spuren auch in Bio-Mais?
(4.10.) Im Frühjahr waren in Ober-Österreich
GVO-Verunreinigungen in Maissaatgut festgestellt
worden. Darauf wurde etwa ein Drittel der
Verdachtsflächen untergepflügt, der Rest
sollte eingehender untersucht werden. Nun gibt
es Diskussionen um die Ergebnisse. Offiziell
veröffentlicht sind sie noch nicht, doch
einiges ist vorab bekannt geworden: Danach
sollen nur 2 von 60 konventionellen Maissorten
gentechnisch verunreinigt sein, jedoch 25 von
100 Sorten aus biologischem Anbau.
Mais vernichtet und nach Bonn
transportiert
(1.10.) Greenpeace-Aktivisten haben im
niedersächsischen Helvesiek ein Maisfeld
vernichtet. Die Kolben wurden abgeschnitten und
in Containern gesammelt. Nach Angaben von
Greenpeace konnte in ihnen Spuren gentechnisch
veränderter Maispflanzen nachgewiesen werden.
Sie sollen von einem 15 m entfernt gelegenen
Versuchsfeld stammen, auf dem Mais mit einer
gentechnisch vermittelten Herbizidresistenz
getestet wird. Durch Pollenflug ist der gv-Mais
offenbar auf das benachbarte Feld gelangt und
hat sich in einige der konventionellen Pflanzen
eingekreuzt. - Der Container mit den
abgeschnittenen Maiskolben steht inzwischen vor
dem Gesundheitsministerium in Bonn. Greenpeace
macht das für die Genehmigung von Freisetzungen
zuständige Ministerium verantwortlich für die
"unkontrollierte Ausbreitung des
Gen-Maises".
Künast: Kennzeichnung hat Priorität
(13.9.) In einem Gespräch mit der Wochenzeitung
Die Zeit erklärte
Bundesverbraucherministerin Künast, eine
Europäische Einigung über eine Ausweitung der
Gentechnik-Kennzeichnungspflicht habe für sie
oberste Priorität. Anders als in ihren
bisherigen Äußerungen geht sie nun davon aus,
dass gentechnische Anwendungen im
Lebensmittelsortiment Realität sind.
"Die Gentechnik hat leider längst Einzug
in viele Bereiche der Lebensmittelproduktion
gehalten. Bei der Herstellung von Käse oder
Bier werden gentechnisch veränderte Hefen und
Pilze eingesetzt, ohne dass das für die
Verbraucher irgendwie erkennbar wäre. ... Die
Europäische Union importiert Millionen Tonnen
Soja aus Amerika, überwiegend genmanipulierte
Sorten. Das alles kann man nicht
zurückschrauben." Künast bestätigte,
dass sie mit Biotechnologie-Unternehmen
Gespräche über Grüne Gentechnik führen will.
"Ich will eine ergebnisoffene
Gesprächsrunde", sagte die Ministerin.
Schweiz: Gentechnisch produziertes
Vitamin B2 zugelassen
Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit hat
ein mit Hilfe gentechnisch veränderter Bakterien hergestelltes
Vitamin B2-Präparat zur Verwendung in Lebensmitteln zugelassen. Es
bestehe keine Gefahr für Mensch und Umwelt. Der Basler Pharmakonzern
Roche hatte die Produktionsanlage mit einer Jahreskapazität von 2000
t im Herbst 2000 in Betrieb genommen. Vitamin B2 wird vor allem als
Futtermittelzusatz und in vitaminisierten Lebensmitteln verwendet,
aber auch als Lebensmittelfarbstoff (Riboflavin
E 101). In der EU ist gentechnisch hergestellte
Vitamin B2/Riboflavin nach den Bestimmungen der
Novel Food Verordnung notifiziert.
Frankreich: Versuchsfelder zerstört
(31.8.) In der Nähe des südfranzösischen
Örtchens Labrihe wurden ein Feld mit
gentechnisch verändertem Mais zerstört. Dies
war bereits die sechste Aktion, seitdem das
Agrarministerium Ende Juni die Standorte von
Freisetzungsversuchen bekannt gegeben hatte.
Anti-Globalisierungs-, Bauern- und Umweltgruppen
haben zu einer Kampagne gegen die Grüne
Gentechnik aufgerufen.
Kritik an der Rapsvernichtung
Die in Brandenburg angeordneten Maßnahmen
wurden inzwischen von dem in Mecklenburg-Vorpommern zuständigen
Sozialministerium als nicht angemessen kritisiert. Zudem zweifelt
der Lieferant des Raps-Saatguts (Norddeutsche Pflanzenzucht/Lempke
KG) die Untersuchungsergebnisse in
Brandenburg an. Das Saatgut sei in mehreren
Bundesländern ohne Beanstandung analysiert
worden.
Brandenburg: Sommerraps beschlagnahmt
(15. / 20.8.) Bei routinemäßigen Kontrollen sind in
Brandenburg drei Sommerraps-Felder mit
vereinzelten gentechnisch veränderten
Rapspflanzen entdeckt worden. Bei der Produktion
des Saatgut sind offenbar versehentlich einige GVO-Rapspflanzen eingekreuzt worden. Nach
Angaben des Landwirtschaftsministeriums in
Potsdam wird die Ernte auf den betroffenen 1000
ha beschlagnahmt und vernichtet. Inzwischen
wurden die Maßnahmen vom zuständigen
Sozialministerium in Mecklenburg-Vorpommern als
unangemessen kritisiert. Der Lieferant des
Saatguts (Norddeutsche Pflanzenzucht/Lempke
KG) hatte die Untersuchungsergebnisse in
Brandenburg angezweifelt.
Österreich: Grenzwerte für
GVO-Spuren in Saatgut
Der österreichische Gesundheitsminister Haupt
will Grenzwerte für GVO-Verunreinigungen
in Saatgut gesetzlich festlegen. Gentechnisch
veränderte Pflanzen, die in der EU nicht
zugelassen sind, sollen in Anteilen bis zu 0,1%
toleriert werden. Für transgene Pflanzen, die
eine EU-Zulassung haben, soll der Grenzwert
0,3-0,5% betragen.
USA: Weiterhin keine
Zulassung für StarLink-Mais
(30.7.) Die US-Umweltbehörde EPA hält die
bisherigen vorliegenden Untersuchungsergebnisse für nicht
ausreichend, um den Allergie-Verdacht gegenüber dem StarLink-Mais zu entkräften. Nun
sollen weitere Studien durchgeführt werden. Die
Behörde will weiterhin keine Spuren von StarLink-Mais
in Lebensmitteln tolerieren.
Brasilien will Anbau von gv-Soja zulassen
(23.7.) Die brasilianische Regierung hat die
Zulassung von gentechnisch veränderten
Sojabohnen angekündigt. Man müsse
konkurrenzfähig bleiben, hieß es zu
Begründung. Man wolle jedoch GVO- und
konventionelle Sojabohnen auf getrennten Wegen
verarbeiten. Brasilien ist das letzte der
großen Sojaanbau-Länder, in denen gv-Soja bisher
offiziell nicht erlaubt ist.
VZ NRW: Herstellerbefragung
(10.7.) Die Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen hat eine Befragung bei 444 deutschen
Lebensmittelunternehmen durchgeführt. Nur 30% haben die Fragebogen
zurückgeschickt. Die meisten dieser Unternehmen verzichten nach
eigenen Angaben auf gentechnisch veränderte bzw. hergestellt
Rohstoffe, Zutaten und Zusatzstoffen. Allerdings: Kaum ein Produkt
ist "ohne Gentechnik" gekennzeichnet.
Österreich: Mais vernichten
(10.7.) Der österreichische Gesundheitsminister
Haupt hat angeordnet, zwei bereits in größeren
Mengen ausgelieferte und ausgesäte Maissorten
vor der Blüte zu vernichten. Bei Kontrollen
waren Spuren von in Österreich nicht
zugelassenen GVO-Maissorten gefunden worden.
Insgesamt sollen 2% der österreichischen
Mais-Anbauflächen betroffen sein.
Japan: Fünf GVO-Pflanzen zugelassen
(2.7.) Das japanische Landwirtschaftsministerium
hat zwei gentechnisch veränderte Mais-Pflanzen
(Herbizidresistenz, Insektenresistenz) und drei
herbizidresistente Reis-Linien zugelassen. Die
Bewertung der gesundheitlichen Sicherheit ist
noch nicht abgeschlossen
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