Konfliktfeld Grüne Gentechnik
Meldungen 2001 | 1. Halbjahr
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Japan: Rückruf für Kartoffel-Snacks
(25.6.) In Japan sind Kartoffel-Snack einer weit
verbreiten Marke (Potelka) aus dem Handel
zurückgerufen worden, da in ihnen Spuren von
dort nicht zugelassenen gentechnisch
veränderten Kartoffeln (New Leaf)
gefunden wurden. Die Snacks wurden mit aus den
USA importierten Kartoffeln hergestellt. Zuvor
hatte es zwei ähnliche Fälle gegeben. In Japan
gelten inzwischen neue Bestimmungen, die eine
Null-Toleranz für nicht zugelassene
gentechnisch veränderte Pflanzen in
Lebensmitteln vorschreiben.
Österreich: Mais kommt vom Acker
(12.6.) Mehrere Landwirte in Kärnten sollen
bereits ausgesäten Mais vernichten. Bei
Kontrollen waren Verunreinigungen mit
gentechnisch veränderten Pflanzen festgestellt
worden, die nach Angaben des Kärntener
Sozialministers unter 0,1% liegen sollen.
Landeshauptmann Jörg Haider hat den Landwirten
Entschädigung zugesagt.
Bayern: Saatgut-Kontrolle ohne
Ergebnis
(30.5.) Die Bayrischen Behörden haben 71
Saatgut-Proben untersucht. In keinem Fall konnte
gentechnisch verändertes Material nachgewiesen
werden. Erfasst wurde importiertes Mais-, Soja-,
Raps- und Zuckerrüben-Saatgut aus Ländern, in
denen in größerem Umfang gentechnisch
veränderte Sorten angebaut werden.
Schleswig-Holstein: Teilentwarnung
(30.5.) Eine bereits ausgesäte Maissorte (Arsenal)
aus Chile darf nun doch auf den Feldern bleiben.
Bei Kontrolluntersuchungen wurden keine Anteile
aus einer gentechnisch veränderten Maissorte
(GA21) gefunden. Vernichtet werden muss jedoch
eine weitere Maissorte aus Kanada (Janna),
bei denen sich die ersten Befunde (Spuren von
gv-Mais Bt176 und Bt11) bestätigten. Betroffen
sind acht Landwirte.
Bt-Mais: Versuchsanbau in Deutschland
geht weiter
(29.5.) Die Syngenta Agro GmbH, aus dem
Zusammenschluss der Agrosparten von Novartis und
Zeneca hervorgegangen, wird auch in diesem Jahr
unter kontrollierten Bedingungen gentechnisch
veränderten Bt-Mais
mit einer Resistenz gegen den Maiszünsler
anbauen. Auf einer Fläche von etwa 80 ha
wird dessen Eignung unter Praxisbedingungen
untersucht. Die Verwendung des Saatguts ist mit
den Landwirten, die sich an dem Testanbau
beteiligen, vertraglich geregelt, ebenso die
Verwertung des Ernteguts.
Schleswig-Holstein: Mais vernichtet
(15.5.) Das Umweltministerium in Kiel hat
angeordnet, bereits ausgesäten Mais auf einer Fläche von 40 ha
unterzupflügen. In den aus Kanada und Chile importierten Maissorten
waren geringe Spuren zweier nicht für die EU zugelassener
gentechnisch veränderter Maissorten gefunden worden.
Saatgut: Streit um
"Verunreinigungen"
(10.5.) Vor allem Saatgut, das in USA erzeugt
wird, könnte Spuren von anderen gentechnisch
veränderten Sorten enthalten, die dort angebaut
werden, jedoch in der EU noch nicht zugelassen
sind. Mit technischen Maßnahmen wird versucht,
Einstäubungen fremder Sorten zu verhindern.
Dennoch werden vereinzelt Spuren gefunden. In
Schleswig-Holstein musste eine konventionelle
Mais-Sorte zurückgerufen werden, da im Saatgut
eine in der EU nicht zugelassene GVO-Sorten
(GA21) nachweisbar war. Das betroffene
Unternehmen (Monsanto) erklärte, dass die
eigene Qualitätskontrolle keine
Verunreinigungen gefunden hatte. Andere
öffentliche Kontrollen, so in
Baden-Württemberg und Norditalien, hatten
ebenfalls keine Beimischungen nachweisen
können.
Schweiz: Viele Sojaprodukte mit
Gentech-Spuren
(20.4.) Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit
hat Mais- und sojahaltige Lebensmittel auf
Anteile aus gentechnisch veränderten Pflanzen
untersucht. Danach wurde bei keinem Produkt ein
GVO-Anteil über 1% gefunden. In 20% der
Sojalebensmitteln konnten allerdings
GVO-Rohstoffe bis 0,5% nachgewiesen werden. Bei
Mais-Produkten fand das Bundesamt in 10%
Gentech-Anteile bis 0,2%. Betroffen waren auch
biologisch produzierte Lebensmittel. Hier lagen
die GVO-Anteile in der Regel unter 0,1%. In der
Schweiz gilt wie in der EU ein Schwellenwert von
1%, bis zu dem GVO-Anteile nicht gekennzeichnet
werden müssen.
Keine Beimischungen von GVO-Saatgut
(18.4.) In Baden-Württemberg ist
stichprobenweise Saatgut für Raps und Mais
untersucht worden. Es wurden keine Beimischungen
oder Verunreinigungen mit gentechnisch
veränderten Sorten gefunden. Erfasst wurden
alle gängigen Sorten. Probleme wie im Vorjahr,
als unwissendlich Rapssaatgut
mit GVO-Verunreinigungen auf die Felder
gebracht worden waren, sind damit in diesem Jahr
offenbar nicht zu erwarten.
Konfikt um Futter eskaliert
(11.4.) Greenpeace-Aktivisten haben vor Grazer
Futtermittelwerk Garant ausfahrende Lastwagen
mit Warnaufklebern versehen, die auf GVO-Anteile
im Futter hinweisen. Ein Sprecher des
Unternehmens verwies darauf, dass auf dem
europäischen Futtermittelmarkt als Folge des
Tiermehlverbots ein Mangel an Eiweißen
herrsche. Das auf den Weltmärkten erhältliche
Soja sei mit GVO-Anteilen vermischt. Die Preise
für GVO-freies Soja seien sehr hoch "und
werden von keinem Bauer bezahlt."
Österreich: GVO-Futter ist üblich
(20.3.) In 13 von 14 in Österreich untersuchten
Futtermittelproben wurden gentechnisch
veränderte Sojabohnen gefunden. Ihr Anteil
betrug zwischen 10 und 63% der in einem
Futtermittel enthaltenen Sojabohnen. Die
Analysen wurden von Greenpeace in Auftrag
gegeben.
Soja-Schiffe auf der Donau
(15.3.) Greenpeace-Aktivisten haben ein Schiff
auf der Donaus gestoppt und ein Entladen in
Österreich behindert. Das mit 2000t
überwiegend gentechnisch veränderten
Sojafutter beladene Schiff kam aus Deutschland.
Die Aktion sollte der Forderung nach einem
sofortigen Importverbot für Gen-Soja Nachdruck
verleihen. Nach Angaben des Sprechers des
Österreichischen Bauernbundes gibt es keine
Alternativen zu Soja. Die Flächen, auf denen in
Österreich Futterpflanzen angebaut werden
können, seien zu gering. In diesem Jahr
müssten 550.000 t Soja importiert werden.
Messfehler: GVO-freies Futter mit 17%
Gen-Soja
(12.3.) In der Schweiz sind irrtümlich mindestens 1000
Tonnen Soja-Futtermittel als "Gentechnik-frei"
deklariert worden. Im August 2000 war aus
Südamerika importiertes Sojaschrot eines
bestimmten Händlers von der Eidgenössischen
Forschungsanstalt für Nutztiere untersucht
worden. Damals hatte man einen GVO-Anteil von
1,7% gefunden. Das Sojaschrot durfte damit als
GVO-frei (Grenzwert Schweiz: 3%) vermarktet
werden. Abnehmer waren Markenprogramme der
Unternehmen Migros und Coop, die für ihre
Produkte den Ausschluss von GVO-Futtermitteln
garantieren. Bei einer erneuten Überprüfung
wurde in den Sojalieferungen jedoch ein
GVO-Anteil von 17% gefunden. Grund: Ein neues,
zuverlässigeres Testverfahren.
Umweltverbände: Verbot gentechnisch
veränderter Pflanzen
(7.3.) Die Umweltverbände BUND und NaBu haben
"effektive Nachbesserungen" im neuen
Naturschutzgesetz angemahnt und gefordert, dort
das Verbot gentechnisch veränderter Pflanzen
festzuschreiben. Erstmals wird in dem vom
Bundesumweltministeriums vorgelegten Entwurf
eines neuen Naturschutzgesetzes auch die
"gute landwirtschaftliche Praxis"
definiert. Diese ist mit dem "Stand der
Technik" im technischen Umweltschutz
vergleichbar und legt die Mindestanforderungen
für eine "naturschutz-verträgliche"
Landwirtschaft fest.
EU-Kommissar:
Prozesskennzeichnung kommt
(19.2.) EU-Verbraucherkommissar Byrne
bestätigte, dass eine neue Regelung zur
Gentechnik-Kennzeichnung geplant sei. Noch im
März wolle die Kommission einen
entsprechenden Beschluss fassen. Es zeichnet
sich ab, dass Kennzeichnung sich künftig
nicht mehr allein vom Nachweis im Endprodukt
ableitet. Einzelheiten wurden jedoch noch
nicht benannt. Die Kommission erwartet
Widerstand bei den Mitgliedstaaten und neue
Handelsstreitigkeiten.
EU-Parlament stimmt
Freisetzungs-Richtlinie zu
(14.2.) Nach dem Ministerrat hat das Europäische
Parlament dem Vermittlungsvorschlag für die
überarbeitete Freisetzungs-Richtlinie
(90/220) mit großer Mehrheit (52
Gegenstimmen, 85 Enthaltungen) zugestimmt, in
der auch das Inverkehrbringen von gentechnisch
veränderten Pflanzen geregelt ist. Bis Ende
2002 müssen die Mitgliedstaaten die neue
Richtlinie in nationales Recht umgesetzt
haben. Künftig ist die Zulassung gentechnisch
veränderter Organismen auf zehn Jahre
begrenzt; der Anbau transgener Pflanzen muss
überwacht werden. Ab 2004 werden keine
gentechnisch veränderten Organismen mehr
genehmigt, die Antibiotika-Resistenzgene
als Marker besitzen.
Wien: Mal wieder Gen-Soja entdeckt
(14.2.) In drei von 32 untersuchten
sojahaltigen Lebensmitteln wurden gentechnisch
veränderte Sojabohnen nachgewiesen. Bei einem
Produkt - panierte Garnelen - betrug der
Gen-Soja-Anteil an der betroffenen Zutat 46%;
bei den anderen auffälligen Produkten
(Sojadesserts, davon ein Bioprodukt) lag er
deutlich niedriger.
USA: Große Mehrheit für Kennzeichnung
(13.2.) Nach einer Studie der
US-Lebensmittelbehörde FDA haben sich nahezu
alle Teilnehmer einer Verbraucherbefragung
für eine verbindliche Kennzeichnung
gentechnisch veränderter Lebensmittel
ausgesprochen. Die bisher nur intern
zugängliche Studie wurde von einer
Verbraucherorganisation veröffentlicht.
EU: Einfuhren von Sojabohnen nehmen zu
(4.2.) Als kurzfristig verfügbarer Ersatz
für die in der EU als Tierfutter verbotenen
Tiermehle wächst die
Nachfrage nach Sojabohnen und Sojaschrot.
Es wird erwartet, dass 2001 sie Einfuhr von um
3,5 Mio. t zunimmt. In zwei der drei großem
Exportländer, USA
und Argentinien,
werden gentechnisch veränderte Sojabohnen
großflächig angebaut. Die Soja-Preise sind sprunghaft
gestiegen und sogar die Aktienkurse des
Agrounternehmens Monsanto, Hauptanbieter der
transgenen Sorten, kletterten in den letzten
Monaten stetig nach oben.
BgVV: Kennzeichnung unzureichend
(1.2.) Das Bundesinstitut für
gesundheitlichen Verbraucherschutz und
Veterinärmedizin (BgVV), die in Deutschland
zuständige Behörde für die Zulassung
neuartiger Lebensmittel, hält es für geboten,
die derzeitigen Bestimmungen zur
gentechnikorientierten Kennzeichnung zu
erweitern. Aus Anlass einer Konferenz mit
Verbraucherverbänden bemängelte das Institut,
dass unter Anwendung der Gentechnik hergestellte
Produkte, die sich mit den verfügbaren
analytischen Methoden nicht von konventionellen
Produkten unterscheiden lassen, für Verbraucher
nicht zu erkennen sind. Eine generelle
Kennzeichnung setzt den Aufbau eines
lückenlosen Dokumentationssystems voraus.
USA: 2001 wieder Zuwachs für Gen-Pflanzen?
(31.1.) Nach einer Umfrage bei Farmern
rechnet das US-Agrarmagazin Top Producer
damit, dass 2001 in den USA
die Flächen mit gentechnisch veränderten Soja-
und Maissorten zunehmen. Bezogen auf die
Gesamtfläche wird bei Soja ein Flächenanstieg
um 6% (2000: 54%) erwartet, bei Mais (2000: 25%)
soll nach einem Rückgang 2000 nun ein
"stabiles Wachstum" folgen.
StarLink-Mais: Zulassung zurückgegeben
(18.01.) Das
deutsch-französische Agrounternehmen Aventis
hat die US-amerikanische Umweltbehörde EPA
ersucht, die Zulassung für den
insektenresistenten StarLink-Mais
aufzuheben. Dieser war 1998 nur zur Verwendung
als Futtermittel zugelassen worden. Im Herbst
2000 war StarLink-Mais
in vielen Lebensmittelprodukten und sogar
in einer weiteren Maissorte nachgewiesen
worden. Damals hatte Aventis sich bemüht, von
den US-Behörden eine umfassende Zulassung zu
erhalten.
USA: Verbindliche Regeln bei der
Produktzulassung
(17.01.) Die US-amerikanische
Lebensmittelbehörde FDA hat neue Richtlinien
für Lebensmittel aus gentechnisch
veränderten Pflanzen vorgelegt. Künftig sind
die Unternehmen verpflichtet, 120 Tage vor der
Markteinführung bei der FDA Unterlagen und
Ergebnisse durchgeführter Untersuchungen zu
Fragen der Produktsicherheit vorzulegen. Die
FDA führt auf dieser Grundlage eine
Sicherheitsbewertung durch. Bisher wurde das
FDA von den Unternehmen auf freiwilliger Basis
konsultiert.
USA: Gentech-Kennzeichnung weiterhin
freiwillig
(17.01.) In den USA bleibt es dabei: es gibt
keine verbindliche Kennzeichnung von
Lebensmitteln aus gentechnisch veränderten
Organismen. Die Lebensmittelbehörde FDA hat
lediglich Leitlinien zur freiwilligen
Kennzeichnung veröffentlicht. Darin werden
Formulierungen für das Produktetikett
vorgeschlagen, wenn Hersteller freiwillig auf
die Nutzung von GVOs hinweisen wollen, oder
aber, wenn deutlich gemacht werden soll, dass
bei einem Produkt keine gentechnisch
veränderten Organismen verwendet wurden.
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