Brasilien
Gv-Soja legalisiert - der Streit geht weiter
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Rechtzeitig zur diesjährigen Aussaat hat
Brasilien im September 2003 den
Anbau gentechnisch veränderter Sojabohnen erlaubt.
Allerdings müssen die betreffenden Landwirte
Lizenzgebühren bezahlen und die Verantwortung für
mögliche Umweltschäden übernehmen. Die Regelung gilt
zunächst für ein Jahr. Brasilien ist der weltweit
größte Exporteur von Sojabohnen.
Mit
dem von Vizepräsident Jose Alencar
unterzeichneten Gesetz wird der Anbau gentechnisch
veränderter herbizidresistenter Sojabohnen (RoundupReady)
legalisiert. Schon mehrfach hatten Agrarverbände
und Agro-Unternehmen versucht, das bestehende Verbot aufzuheben,
waren aber immer wieder an verschiedenen Gerichten
gescheitert.
Jedoch ist die nun erteilte vorläufige
Genehmigung an Auflagen gebunden. Landwirte, die
gv-Soja anbauen wollen, müssen vor der Aussaat eine Erklärung unterzeichnen. Darin
verpflichten sie sich, die für das GVO-Saatgut
fälligen Lizenzgebühren an das US-Agrarunternehmen
Monsanto zu zahlen. Außerdem müssen die Landwirte die Haftung übernehmen
für mögliche Umweltschäden und Beeinträchtigungen
von Nachbarfeldern, etwa durch Auskreuzung. Die
Aufkäufer der späteren Ernte werden in diese Haftung
mit einbezogen.
Landwirte, die gv-Soja anbauen ohne die Erklärung zu
unterzeichnen, sollen mit empfindlichen Geldstrafen
belegt werden.
Das von der Regierung des sozialistischen
Präsidenten Lula unterzeichnete Gesetz versucht, eine
seit längerem übliche Praxis zu legalisieren. Vor
allem im südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande de
Sul wird gv-Sojasaatgut aus Argentinien und Paraguay
eingeschmuggelt. Der Anbau von GVO-Soja hat dort bereits
ein
Ausmaß (30-50%) erreicht, das es schwer macht, "gentechnik-freie"
Soja zu erzeugen.
Der Rechtsstreit geht weiter. Kurz nach
dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes hat der Bundesstaat Paraná
ein Verbot für den Anbau, Transport und
Vertrieb von gv-Soja erlassen. Damit wollen
sich die Bauern dieser Region die Märkte in
Übersee sichern. Brasilien ist für Europa
der größte Sojalieferant. Jährlich werden
ca. 8,5 Mio. t Sojabohnen und 6,5 Mio. t.
Sojaschrot (2002) dorthin ausgeführt. Die
Nachfrage nach Sojarohstoffen, bei denen der
GVO-Anteil unterhalb der
Kennzeichnungsschwelle von 0,9% bleibt, wird
bisher vor allem aus Brasilien gedeckt. Viele
Farmer und Agrarhändler
befürchten mit der Legalisierung von gv-Soja
Marktchancen in Europa und Asien zu verlieren.
Gegen das in Paraná erlassene Verbot reichte nun der
angrenzende Bundesstaat Mato Grosso do Sul Klage beim höchsten
Bundesgericht ein. Vor allem das Transportverbot
soll aufgehoben werden, da Mato grosso do Sul aufgrund
seiner geografischen Lage logistisch abgeschnitten ist,
da es über die Häfen in Paraná seine Sojaernte
verschifft.
Erwarteter Ansturm der Bauern fiel aus. Bislang
haben nur etwa 11.000 Bauern die GVO-Anbauerklärung
unterzeichnet. Das zuständige Ministerium hatte 80.000-100.000 erwartet, etwa die Hälfte der Sojabauern in
Brasilien. Fast alle Unterzeichner (98%) kommen aus
Rio Grande do Sul, dem Bundesstaat mit
dem größten Anteil von bisher illegal angebautem
gv-Soja. Dort, wo konventionelle Sojabohnen geerntet
wurden, ist die Nachfrage nach der
Lizenz eher gering. Bisher ist nicht bekannt, ob
die GVO-Farmer die fälligen Lizenzgebühren an Monsanto
abführen.
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