Zuckerrüben (Beta vulgaris) werden in
gemäßigten Regionen angebaut. Weltweit wurden 2010 auf etwa
4,6 Millionen Hektar Zuckerrüben
angebaut. Führend in der
Zuckerrübenproduktion sind Frankreich, Deutschland, die USA und
Russland.
Lange Zeit war Zuckerrohr die einzige
pflanzliche Zuckerquelle. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in
Deutschland entdeckt, dass sich Zucker auch aus bestimmten, in
Mitteleuropa heimischen Rübenarten gewinnen lässt. Den
Pflanzenzüchtern gelang es, den Zuckergehalt der Rüben
kontinuierlich von ursprünglich 7 auf heute etwa 18 Prozent zu
steigern.
Derzeit stammen gut 20 Prozent der
Weltzuckerproduktion aus Zuckerrüben.
Verwendung
Zuckerrüben sind Basis für verschiedene Lebensmittel und Zutaten:
Zucker in verschiedenen
Angebotsformen (Haushalts-, Kristall-, Puder-, Kandis-,
Gelierzucker)
Zuckerrübensirup, auch Rübenkraut genannt, ist ein aus gesäuberten
und gekochten Rüben gewonnener, eingedickter Saft, der zu 60 Prozent aus
Zucker besteht.
Nebenprodukte der Zuckergewinnung:
Melasse: Verwendung als Futtermittel und als Nährlösung bei der
biotechnischen Herstellung von Alkohol, Zitronensäure und
Nährhefe
Rübenschnitzel: Futtermittel
Energiepflanzen, nachwachsende Rohstoffe
Biokraftstoff Ethanol, Biomethan
Zucker als Rohstoff für die chemische und Kosmetikindustrie
abbaubare Werkstoffe
Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung
Anbaueigenschaften
Unkrautmanagement
Herbizidtoleranz:
Junge Zuckerrübenpflanzen sind wenig konkurrenzstark. Deswegen sind Unkräuter ein großes Problem. In der Regel
werden diese durch mehrfaches Ausbringen von Herbiziden bekämpft. Der Einsatz herbizidresistenter gv-Zuckerrüben mit dem dazu passenden
Komplementärherbizid soll die
Unkrautregulierung einfacher, umweltverträglicher und
wirtschaftlicher machen.
Resistenzen gegen Krankheitserreger
Virusresistenz: In
Deutschland wurde den 90er Jahren eine gv-Zuckerrübe mit einer
Resistenz gegen das Rizomania‑Virus entwickelt. Inzwischen sind zwar konventionell
gezüchtete virusresistente Sorten auf dem Markt, dennoch wird
weiter an wirksamen Schutzkonzepten gegen Viruserkrankungen
geforscht.
Winterhärte
Könnten Zuckerrüben bereits im Herbst ausgesät werden, ließe sich die
Sonnenenergie über einen längeren Zeitraum nutzen und es wäre ein deutlich höherer
Zuckerertrag möglich. Doch dazu müssten die Rüben nicht nur Frost und
Kälte überstehen, sondern sie dürften auch keine Blütenstände (Schosser)
bilden. Oft wird das Blühen durch einen Kältereiz ausgelöst.
Grundsätzlich scheint es mit Hilfe gentechnischer Verfahren möglich, winterharte Rüben zu entwickeln.
Produkteigenschaften
Veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
Produktion von Oligofruktose bzw.
Inulin (Ballaststoffe mit
gesundheitsfördernder Wirkung) in der Zuckerrübe
Nachwachsende Rohstoffe
Veränderte Stoffzusammensetzung
Gewinnung von Grundstoffen für abbaubare Kunststoffe
("Bioplastik")
Pflanzenentwicklung
Erhöhte Kapazität, Stickstoff aufzunehmen
und zu verwerten.
Verbesserung von Verarbeitungs- und
Lagereigenschaften
Freilandversuche mit gv-Zuckerrüben
EU
Gesamtanzahl Anträge
325
Länder
Frankreich 73,
Italien 42, England 43, Spanien 42, Niederlande 27, Dänemark 27,
Deutschland 25
weitere in Belgien, Schweden, Finnland, Irland, Griechenland, Polen,
Slowakei, Tschechien, Rumänien
Aufgeführt
sind Anträge bzw. Zulassungen unterschiedlicher gv-Zuckerrüben-Linien (Events).
Anbau
EU
derzeit kein
Anbau
von gv-Zuckerrüben, mögliche Markteinführung nicht vor 2015
USA
seit 2007 kommerzieller Anbau, 2011 auf 450.000 Hektar (95 Prozent der Anbaufläche für
Zuckerrüben).
Ein US-Gericht hat die Anbau-Zulassung von gv-Zuckerrüben
im Herbst 2010 ausgesetzt, bis eine umfassendere Prüfung der
Umweltauswirkungen durch die US-Landwirtschaftsbehörde vorliegt. Anfang
2011 wurde der Anbau unter bestimmten Auflagen weiter erlaubt. Die mit
gv-Zuckerrüben bewirtschaften Flächen sind 2011 ähnlich groß wie im
Vorjahr.
Die USA exportieren Zuckerrübenschnitzel als
Futtermittel in die EU.
Weitere
Länder
Kanada 2010 auf 15.000 Hektar (95 Prozent der Gesamtanbaufläche für
Zuckerrüben)
An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus
geforscht.
Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits
Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.