Zuckerrüben (Beta vulgaris) werden in
gemäßigten Regionen angebaut. Führend in der
Zuckerrübenproduktion sind Frankreich, Deutschland, die USA und
Russland.
Lange Zeit war Zuckerrohr die einzige
pflanzliche Zuckerquelle. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in
Deutschland entdeckt, dass sich Zucker auch aus bestimmten, in
Mitteleuropa heimischen Rübenarten gewinnen lässt. Den
Pflanzenzüchtern gelang es, den Zuckergehalt der Rüben
kontinuierlich von ursprünglich sieben auf heute etwa 20 Prozent zu
steigern. Derzeit stammen gut 24 Prozent der
Weltzuckerproduktion aus Zuckerrüben.
2011 wurden weltweit auf etwa 4,6 Millionen
Hektar Zuckerrüben angebaut, gv-Zuckerrüben wuchsen auf rund 11
Prozent der Fläche (knapp 500.00 Hektar).
Verwendung
Zuckerrüben sind Basis für verschiedene Lebensmittel und Zutaten:
Zucker in verschiedenen
Angebotsformen (Haushalts-, Kristall-, Puder-, Kandis-,
Gelierzucker)
Zuckerrübensirup, auch Rübenkraut genannt, ist ein aus gesäuberten
und gekochten Rüben gewonnener, eingedickter Saft, der zu 60 Prozent aus
Zucker besteht.
Nebenprodukte der Zuckergewinnung:
Melasse: Verwendung als Futtermittel und als Nährlösung bei der
biotechnischen Herstellung von Alkohol, Zitronensäure und
Nährhefe
Rübenschnitzel: Futtermittel
Energiepflanzen, nachwachsende Rohstoffe
Biokraftstoff Ethanol, Biomethan
Zucker als Rohstoff für die chemische und Kosmetikindustrie
abbaubare Werkstoffe (Plastik, Verpackungen)
Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung
Anbaueigenschaften
Unkrautmanagement
Herbizidtoleranz:
Junge Zuckerrübenpflanzen sind wenig konkurrenzstark. Deswegen sind Unkräuter ein großes Problem. In der Regel
werden diese durch mehrfaches Ausbringen von Herbiziden bekämpft. Der Einsatz herbizidresistenter gv-Zuckerrüben mit dem dazu passenden
Komplementärherbizid soll die
Unkrautregulierung einfacher, umweltverträglicher und
wirtschaftlicher machen.
Resistenzen gegen Krankheitserreger
Virusresistenz: In
Deutschland wurde den 90er Jahren eine gv-Zuckerrübe mit einer
Resistenz gegen das Rizomania‑Virus entwickelt. Inzwischen sind zwar konventionell
gezüchtete virusresistente Sorten auf dem Markt, dennoch wird
weiter an wirksamen Schutzkonzepten gegen Viruserkrankungen
geforscht.
Winterhärte
Könnten Zuckerrüben bereits im Herbst ausgesät werden, ließe sich die
Sonnenenergie über einen längeren Zeitraum nutzen und es wäre ein deutlich höherer
Zuckerertrag möglich. Doch dazu müssten die Rüben nicht nur Frost und
Kälte überstehen, sondern sie dürften auch keine Blütenstände (Schosser)
bilden. Oft wird das Blühen durch einen Kältereiz ausgelöst.
Grundsätzlich scheint es mit Hilfe gentechnischer Verfahren möglich, winterharte Rüben zu entwickeln.
Produkteigenschaften
Veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
Produktion von Oligofruktose bzw.
Inulin (Ballaststoffe mit
gesundheitsfördernder Wirkung) in der Zuckerrübe
Nachwachsende Rohstoffe
Veränderte Stoffzusammensetzung
Gewinnung von Grundstoffen für abbaubare Kunststoffe
("Bioplastik")
Pflanzenentwicklung
Erhöhte Kapazität, Stickstoff aufzunehmen
und zu verwerten
Verbesserung von Verarbeitungs- und
Lagereigenschaften
Freilandversuche mit gv-Zuckerrüben
EU
Gesamtanzahl Anträge
338
Länder
Frankreich 73,
Italien 42, England 43, Spanien 50, Niederlande 27, Dänemark 27,
Deutschland 26
weitere in Belgien, Schweden, Finnland, Irland, Griechenland, Polen,
Slowakei, Tschechien, Rumänien
Aufgeführt
sind Anträge bzw. Zulassungen unterschiedlicher gv-Zuckerrüben-Linien (Events).
Anbau
EU
eine Anbauzulassung für gv-Zuckerrüben ist beantragt, derzeit sind
jedoch keine Bestrebungen für eine Markteinführung zu erkennen
USA
seit 2007 kommerzieller Anbau, 2012 auf etwa 485.000 Hektar (ca. 97
Prozent der Anbaufläche für Zuckerrüben)
Seit Juli 2012 ist der Anbau
von gv-Zuckerrüben (Herbizidtoleranz) in den USA wieder ohne
Einschränkungen erlaubt. 2010 hatte ein US-Gericht die Anbau-Zulassung ausgesetzt
und eine umfassendere Prüfung der
Umweltauswirkungen durch die US-Landwirtschaftsbehörde USDA verlangt.
Seitdem mussten die Landwirte beim Anbau bestimmte Auflagen beachten.
Die USA exportieren Zuckerrübenschnitzel als
Futtermittel in die EU.
Weitere
Länder
Kanada 2012 auf 17.280 Hektar (96 Prozent der Gesamtanbaufläche für
Zuckerrüben)
"Es ist so interessant für uns." Eine Gruppe junger
Agrar- und Pflanzenwissenschaftler aus sieben Ländern
besuchte 2011 den Schaugarten Üplingen. Sie informierten
sich über die dort gezeigten gentechnisch veränderten
Pflanzen und neue Möglichkeiten in der Pflanzenzüchtung.
Gv-Zuckerrübe: Nach einem langen Rechtsstreit ist der
Anbau in den USA seit Juli 2012 wieder ohne Einschränkungen
erlaubt. Trotz Auflagen beim Anbau haben sich gv-Zuckerrüben dort und
in Kanada nahezu flächendeckend durchgesetzt. Ein Anbau gv-Zuckerrüben
in Europa ist vorerst nicht zu erwarten.
Symbol Kasten: An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus
geforscht.
Symbol Pfeil: Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits
Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.
Zahlen Freisetzungsversuche EU
In der Regel werden
einzelne Anträge mit dem Jahr der Antragstellung angegeben.
Ein Antrag kann Freilandversuche über mehrere Jahre und an
mehreren - Standorten umfassen. Es ist möglich, dass
genehmigte Freilandversuche nicht durchgeführt werden.