Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 03.09.2010 | 06:37 Uhr
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Kartoffel

Lexikon Nutzpflanzen Lexikon Nutzpflanzen

 

 
Forschung  Pilzresistenz, veränderte Stärkezusammensetzung
Freilandversuche EU 293
USA 831, in weiteren Ländern
Zulassungen EU
USA, Kanada, weitere fünf Länder
Anbau 1999-2001 USA, Kanada, Rumänien
Merkmal Insekten- und Virusresistenz
Perspektive Anbau von gv-Stärkekartoffeln in der EU seit 2010; keine Verwertung als Lebensmittel.
Eine kommerzielle Nutzung von gv-Kartoffeln ist auf mittlere Sicht in Indonesien zu erwarten.

 

Landwirtschaft

Kartoffeln werden weltweit von den gemäßigten Klimaregionen bis in die Subtropen angebaut. 2008 wurde in 160 Ländern insgesamt 314 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Über die Hälfte der Weltproduktion entfiel auf China, Russland, Indien, die Ukraine, die USA, Deutschland und Polen.

 

Verwendung

In Deutschland gelangt etwas über die Hälfte der Kartoffelernte direkt oder verarbeitet auf dem Tisch, nur knapp fünf Prozent werden an Nutztiere verfüttert und etwa ein Drittel geht in die Stärkeindustrie.

Lebensmittel und Zutaten:

Der Verzehr an Kartoffeln geht in Deutschland seit langem zurück. Um 1900 verspeiste jeder Deutsche durchschnittlich 285 kg im Jahr, heute sind es nur noch knapp 70 kg im Jahr; davon sind etwa 45 Prozent industriell verarbeitete Produkte:

  • PüreePüree, Pommes frites, ChipsChips, Snacks, FertiggerichteFertiggerichte.

  • Kartoffelstärke ist die Basis für unzählige Lebensmittelzutaten (Verdickungs- und Bindemittel) und Grundstoff für den Prozess der Stärkeverzuckerung, aus dem zahlreiche Zutaten und Zusatzstoffe hervorgehen.

Nachwachsende Rohstoffe, Energiepflanzen

  • 40 Prozent der Stärke wird im Non-Food-Bereich verarbeitet:
    vor allem zu Kleb- und Schmierstoffen, in der Papier- und Wellpappeherstellung, als Verpackungen und zu Baustoffen.
  • Kartoffelstärke kann durch Umwandlung in Ethanol und Methan auch zur Energiegewinnung genutzt werden.

 

Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung

Anbaueigenschaften

Resistenzen gegen Krankheitserreger

  • PilzresistenzPilzresistenz: etwa gegen den Erreger der Kraut- und Knollenfäule (Phytophtora infestansPhytophtora infestans). Dieser Pilz verursacht Ernteausfälle von etwa 20 Prozent und ist nur schwer zu bekämpfen. In der Regel werden chemische und anderer Pflanzenschutzmittel (Fungizide) eingesetzt.

  • VirusresistenzVirusresistenz

  • Bakterienresistenz gegen Knollennassfäule und Schwarzbeinigkeit.

Resistenzen gegen Schädlinge

Unkrautmanagement

Anpassung an Klima- und Standortfaktoren

  • Dürre- und Kälteresistenz

  • Salztoleranz

Produkteigenschaften

Veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe

  • KohlenhydratKohlenhydratstoffwechsel: Modifikation der kartoffeleigenen Zusammensetzung von Stärke oder Zuckern, um den Geschmack zu beeinflussen bzw. die Braunfleckigkeit zu reduzieren und beim Braten das Bräunungsverhalten zu verbessern.

Anreicherung mit gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen, etwa

  • Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A

Nachwachsende Rohstoffe

Veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe

  • Die Kartoffel bildet StärkeStärke in zwei verschiedenen Formen: AmyloseAmylose  und Amylopektin. Die Stärkeindustrie benötigt für je nach Verwendungszweck entweder Amylose- oder Amylopektinstärke. Für viele industrielle Verwendungen (z.B. Grundstoff für Folien, Kleister, Verpackung), aber auch für bestimmte Stärkezutaten ist vor allem die Amylopektin-Stärke von Interesse. Mit Hilfe der Gentechnik können Kartoffeln erzeugt werden, die ausschließlich Amylopektinstärke (oder Amylose) enthalten. Die Trennung der beiden Stärketypen, die heute in einem aufwändigen Verfahren durchgeführt wird, könnte entfallen.

  • Produktion von Cyanophycin in Kartoffelknollen zur Herstellung des biologisch abbaubaren Kunststoffs Polyaspartat. Cyanophycin ist ein Speicherprotein, das von bestimmten Bakterien, den Cyanobakterien gebildet wird.

Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen

  • Molecular PharmingMolecular Pharming: Nutzung von gentechnisch veränderten Kartoffeln als System zur Produktion von Arzneimittelwirkstoffen bzw. Impfstoffen; bisher nur experimentelle Forschung.

Grundlagenforschung

  • Das Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm forscht an Kartoffeln mit veränderten Spaltöffnungsdichte. Über Spaltöffnungen findet bei Pflanzen der Gasaustausch statt, der einen begrenzenden Faktor für den Stoffwechsel darstellt. In Freisetzungsversuchen wird untersucht, unter welchen Bedingungen eine erhöhte Spaltöffnungsdichte die Stärkeproduktion und das Knollenwachstum steigert.

 

Freilandversuche mit gv-Kartoffeln

EU
Gesamtanzahl Anträge 293
Länder Deutschland 76, Niederlande 64, England 42, Schweden 34,
weitere in Spanien Frankreich, Dänemark, Italien, Tschechien, Finnland, Portugal, Belgien, Österreich, Polen, Irland, Ungarn
Zeitraum 1989-2010
Merkmale Stärkezusammensetzung, Pilz-, Nematoden- und Virusresistenz, veränderte Inhaltsstoffe
Weltweit
USA 831
Zeitraum 1989-2010
Weitere Länder Kanada, Argentinien, Neuseeland, China, Australien, Indien, Indonesien, Südafrika, Bangladesh

 

Nutzung von gv-Kartoffeln

Zulassungen EU
  zum Anbau als Lebens-/ Futtermittel
Antrag 1 1
Zulassung 1 1
Merkmale veränderte Stärkezusammensetzung (ausschließliche Bildung von Amylopektin)
Zulassungen weltweit
  zum Anbau als Lebens- / Futtermittel
USA 4 4
Kanada 4 4
Australien   3
Japan   4
Korea   4
Philippinen   3
Mexiko   3
Merkmale Insektenresistenz, Virusresistenz
Gezählt werden jeweils verschiedene gv-Kartoffeln (Events).
Anbau
EU Ab 2010 wird die Stärke-Kartoffel Amflora in Deutschland auf 15 Hektar, in Schweden auf 80 und in Tschechien auf 150 Hektar  angebaut.

Eine Phytophtora-resistente gv-Kartoffel soll ab 2015 auf den Markt kommen.

USA 1999 wurden in den USA und Kanada auf etwa 25.000 ha gentechnisch veränderte Kartoffeln mit Resistenzen gegen Insekten und Viren angebaut. 2001 wurde der Anbau dieser gv-Kartoffeln eingestellt.
Weitere Länder Kanada, Rumänien 1999. Anbau wurde nicht fortgeführt.

 

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Kartoffeln schützen sich selbst

Die Kraut- und Knollenfäule ist eine heimtückische Kartoffelkrankheit und nur schwer zu bekämpfen. Nun könnte es neue Lösungen geben.

Weitere Videos:
i-bio.tv
Bio-Plastik aus Kartoffeln
Erste Versuche im Freiland: Kartoffeln sollen einen Grundstoff für einen biologisch abbaubaren Kunststoff liefern. Auch die Umweltsicherheit dieser gv-Kartoffeln wird untersucht.
Weitere Videos:
biosicherheit.tv
Erläuterung zu Forschung und Entwicklung
An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus geforscht.
Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.
02. September 2010 [nach oben springen]

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