Anbau von gv-Stärkekartoffeln in der EU seit 2010; keine
Verwertung als Lebensmittel.
Eine kommerzielle Nutzung von gv-Kartoffeln ist auf mittlere Sicht
in Indonesien zu erwarten.
Landwirtschaft
Kartoffeln werden weltweit von den
gemäßigten Klimaregionen bis in die Subtropen angebaut. 2008 wurde
in 160 Ländern insgesamt 314 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet.
Über die
Hälfte der Weltproduktion entfiel auf China, Russland, Indien, die
Ukraine, die USA, Deutschland und Polen.
Verwendung
In Deutschland gelangt etwas über die Hälfte
der Kartoffelernte direkt oder verarbeitet auf dem Tisch, nur knapp
fünf Prozent werden an Nutztiere verfüttert und etwa ein Drittel
geht in die Stärkeindustrie.
Lebensmittel und Zutaten:
Der Verzehr an Kartoffeln geht in Deutschland seit langem zurück.
Um 1900 verspeiste jeder Deutsche durchschnittlich 285 kg im Jahr,
heute sind es nur noch knapp 70 kg im Jahr; davon sind etwa 45 Prozent industriell verarbeitete Produkte:
Kartoffelstärke ist die Basis für unzählige Lebensmittelzutaten (Verdickungs- und Bindemittel) und Grundstoff für den Prozess der
Stärkeverzuckerung, aus dem zahlreiche Zutaten und Zusatzstoffe hervorgehen.
Nachwachsende Rohstoffe, Energiepflanzen
40 Prozent der Stärke wird im Non-Food-Bereich verarbeitet:
vor allem zu Kleb- und Schmierstoffen, in der Papier- und Wellpappeherstellung,
als Verpackungen und zu Baustoffen.
Kartoffelstärke kann durch Umwandlung in Ethanol und Methan auch zur
Energiegewinnung genutzt werden.
Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung
Anbaueigenschaften
Resistenzen gegen Krankheitserreger
Pilzresistenz: etwa gegen den Erreger der
Kraut- und Knollenfäule (Phytophtora infestans).
Dieser Pilz verursacht Ernteausfälle von etwa 20 Prozent und ist nur
schwer zu bekämpfen. In der Regel werden chemische und anderer
Pflanzenschutzmittel (Fungizide) eingesetzt.
Bakterienresistenz gegen Knollennassfäule
und Schwarzbeinigkeit.
Resistenzen gegen Schädlinge
Insektenresistenz: z.B. gegen den Colorado- oder Kartoffelkäfer, durch Übertragung von Genen für
Bt‑Toxine oder pflanzliche Abwehrstoffe (z.B. Lektine).
Kohlenhydratstoffwechsel:
Modifikation der kartoffeleigenen Zusammensetzung von Stärke oder Zuckern,
um den Geschmack zu beeinflussen bzw. die Braunfleckigkeit zu reduzieren und
beim Braten das Bräunungsverhalten zu verbessern.
Anreicherung mit gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen,
etwa
Zeaxanthin, ein Carotinoid, das
einer Augennetzhaut-Degeneration vorbeugen soll.
Lysin, eine für den Menschen essentielle
Aminosäure
Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A
Nachwachsende Rohstoffe
Veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
Die Kartoffel bildet Stärke in
zwei verschiedenen Formen: Amylose und Amylopektin.
Die Stärkeindustrie benötigt für je nach Verwendungszweck entweder Amylose-
oder Amylopektinstärke. Für viele industrielle Verwendungen (z.B. Grundstoff
für Folien, Kleister, Verpackung), aber auch für bestimmte Stärkezutaten ist
vor allem die Amylopektin-Stärke von Interesse. Mit Hilfe der Gentechnik
können Kartoffeln erzeugt werden, die ausschließlich Amylopektinstärke (oder
Amylose) enthalten. Die Trennung der beiden Stärketypen, die heute in einem
aufwändigen Verfahren durchgeführt wird, könnte entfallen.
Produktion von Cyanophycin in Kartoffelknollen zur
Herstellung des biologisch abbaubaren Kunststoffs Polyaspartat. Cyanophycin
ist ein Speicherprotein, das von bestimmten Bakterien, den Cyanobakterien
gebildet wird.
Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen
Molecular Pharming: Nutzung
von gentechnisch veränderten Kartoffeln als System zur Produktion von
Arzneimittelwirkstoffen bzw. Impfstoffen; bisher nur experimentelle
Forschung.
Grundlagenforschung
Das Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm
forscht an Kartoffeln mit veränderten Spaltöffnungsdichte. Über
Spaltöffnungen findet bei Pflanzen der Gasaustausch statt, der einen
begrenzenden Faktor für den Stoffwechsel darstellt. In Freisetzungsversuchen
wird untersucht, unter welchen Bedingungen eine erhöhte Spaltöffnungsdichte
die Stärkeproduktion und das Knollenwachstum steigert.
Freilandversuche mit gv-Kartoffeln
EU
Gesamtanzahl Anträge
293
Länder
Deutschland 76,
Niederlande 64, England 42, Schweden 34,
weitere in Spanien Frankreich, Dänemark, Italien, Tschechien,
Finnland, Portugal, Belgien, Österreich, Polen, Irland, Ungarn
Zeitraum
1989-2010
Merkmale
Stärkezusammensetzung, Pilz-, Nematoden- und Virusresistenz,
veränderte Inhaltsstoffe
Weltweit
USA
831
Zeitraum
1989-2010
Weitere
Länder
Kanada, Argentinien,
Neuseeland, China, Australien, Indien, Indonesien, Südafrika,
Bangladesh
Nutzung von gv-Kartoffeln
Zulassungen EU
zum Anbau
als Lebens-/
Futtermittel
Antrag
1
1
Zulassung
1
1
Merkmale
veränderte
Stärkezusammensetzung (ausschließliche Bildung von
Amylopektin)
Zulassungen weltweit
zum Anbau
als Lebens- /
Futtermittel
USA
4
4
Kanada
4
4
Australien
3
Japan
4
Korea
4
Philippinen
3
Mexiko
3
Merkmale
Insektenresistenz, Virusresistenz
Gezählt
werden jeweils verschiedene gv-Kartoffeln (Events).
Anbau
EU
Ab 2010 wird die Stärke-Kartoffel Amflora in Deutschland auf 15
Hektar, in Schweden auf 80 und in Tschechien auf 150 Hektar
angebaut.
Eine Phytophtora-resistente gv-Kartoffel
soll ab 2015 auf den Markt kommen.
USA
1999 wurden in den
USA und Kanada auf etwa 25.000 ha gentechnisch veränderte Kartoffeln
mit Resistenzen gegen Insekten und Viren angebaut. 2001 wurde der
Anbau dieser gv-Kartoffeln eingestellt.
Weitere Länder
Kanada, Rumänien
1999. Anbau wurde nicht fortgeführt.
Schnellsuche
Kartoffeln schützen sich selbst
Die Kraut- und Knollenfäule ist
eine heimtückische Kartoffelkrankheit und nur schwer zu
bekämpfen. Nun könnte es neue Lösungen geben.
Erste Versuche im Freiland: Kartoffeln
sollen einen Grundstoff
für einen biologisch abbaubaren Kunststoff liefern. Auch die
Umweltsicherheit dieser gv-Kartoffeln wird untersucht.
An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus geforscht.
Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits
Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.