Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 03.09.2010 | 07:04 Uhr
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Raps

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Forschung  Ertragssteigerung, Herbizidtoleranz, veränderte Inhaltsstoffe
Freilandversuche EU 381
USA 286, weitere Länder
Zulassungen EU: 4 (3 Anträge)
Kanada, Japan, weitere sieben Länder
Anbau Kanada, USA, Australien
Merkmal Herbizidtoleranz
Perspektive Der Anbau von gv-Raps in der EU wird angestrebt.

 

Landwirtschaft

Lange Zeit war der Rapsanbau für die Landwirtschaft nicht attraktiv, da es für Rapssamen kaum eine Verwendung gab. Rapsöl schmeckte wegen des Gehalts an Erucasäure bitter. Zudem führten Glucosinolate zu Verdauungsproblemen, so dass eine Verfütterung nicht in Frage kam. Erst als es gelang, neue Rapssorten zu züchten, die beide Stoffe kaum noch enthielten, nahm der Rapsanbau deutlich zu. Heute ist dieser mit modernen, jedoch nicht gentechnischen Methoden gezüchtete Doppel-Null-Raps weit verbreitet. Er wird in den USA als canola bezeichnet, der gewöhnliche Raps als rapeseed.

Raps (Brassica napus) wird weltweit in den wintermilden Gebieten der gemäßigten Klimaregionen angebaut. Hauptanbauländer sind China, Kanada, Indien, Deutschland, Frankreich, England und Australien. 2007 wurden weltweit auf über 30 Millionen Hektar Anbaufläche knapp 50 Millionen Tonnen Rapskörner geerntet.

 

Verwendung

Aus Raps werden direkt oder indirekt verschiedene Lebensmittel gewonnen:

  • RapsölRapsöl aus den Samen wird zu Speiseöl und vor allem in MargarineMargarine verarbeitet
  • Rapshonig enthält die von den Bienen beim Einsammeln des Nektars aufgenommen Blütenpollen.
    Befliegen die Bienen gv-Raps, sind die übertragenen Gene - wie alle anderen Gene auch - im HonigHonig nachweisbar.

Nebenprodukte der Ölgewinnung:

  • Futtermittel aus den Pressrückständen

Energiepflanzen, nachwachsende Rohstoffe

Andere Rapsorten spielen eine Rolle, wenn Raps als nachwachsender Rohstoff für spezielle Öle, Fette und andere Industriechemikalien genutzt werden soll. Neben Raps- werden auch Rübsensorten (Ölrübe) angebaut. Das aus Rübsen gewonnene Öl wird ebenfalls als Rapsöl bezeichnet. Es wird verwendet als

  • Biologisch abbaubare Öle und Schmierstoffe
  • Grundstoff für Farben und Lacke
  • Weichmacher und Tenside

Energiepflanzen

  • Biodiesel wird in Europa ausschließlich aus Rapsöl gewonnen. 2005 wurden in Deutschland zwei Drittel der Rapsernte für die Biodieselproduktion verwendet.
  • Rapsöl kann direkt ais Kraftstoff verwendet werden (in bestimmten Motoren)

 

Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung

Anbaueigenschaften

Unkrautmanagement

Resistenzen gegen Krankheitserreger

Resistenzen gegen Schädlinge

Anpassung an Klima- und Standortfaktoren

  • Trockentoleranz

Pflanzenentwicklung

  • männliche Sterilitätmännliche Sterilität: Zur Erleichterung der Züchtung von Hybridsorten (Hochertragssorten); oft in Kombination mit Herbizidtoleranz

  • verbesserte Stickstoffverwertung

Produkteigenschaften

Veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe

  • Anreicherung mit einzelnen AminosäurenAminosäuren, vor allem zur Optimierung als Futtermittel, und Reduktion der bitter schmeckenden Sinapinsäure

Anreicherung mit gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen, etwa

  • Anreicherung mit Beta‑CarotinBeta‑Carotin, einer Vorstufe von Vitamin A

  • erhöhter Stanol- und Sterolgehalt (Rapsöl mit Cholesterin  senkender Wirkung)

  • erhöhter Anteil an langkettigen FettsäurenFettsäuren, um das für die Margarineproduktion notwendige HärtenHärten flüssiger Öle zu vermeiden

  • höherer Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und damit gesundheitliche Aufwertung des Rapsöls

  • Omega-3-Fettsäuren: Durch Übertragung von Genen einer Meeresalge auf Raps enthalten die Samen die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA, die vor allem in fettreichen Meeresfischen vorkommen. Sie sollen eine vorbeugende Wirkung gegen Bluthochdruck und bestimmte degenerative Erkrankungen haben.

In Deutschland förderte das BMBF in Verbundprojekten wie Napus2000 (bis 2004) und OLeRa (seit 2005) die Forschung an Raps mit veränderter Fettsäurezusammensetzung und Anreicherung mit Vitamin A.

Nachwachsende Rohstoffe

  • In den USA wurde über mehrere Jahre eine gv-Rapsorte angebaut, die aufgrund eines eingeschleusten Gens Laurinsäure bildet, eine Fettsäure, die normalerweise im Raps nicht enthalten ist. Laurinsäure ist Rohstoff für die Produktion von Waschmitteltensiden. Das Rapsöl sollte Kokosöl als derzeit bevorzugte Rohstoffquelle ersetzen, wurde aber auch als Speiseöl und in verschiedenen Lebensmitteln verwendet. Vor einiger Zeit wurde dieses Projekt eingestellt.

Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen

  • Molecular PharmingMolecular Pharming: Bisher nur in einem experimentellen Rahmen wir die Nutzung gentechnisch veränderter Rapspflanzen zur Erzeugung von Arzneimitteln erforscht.

 

Freilandversuche mit gv-Raps

EU
Gesamtanzahl Anträge 381
Länder Frankreich 116, Großbritannien 106, Belgien 50, Deutschland 40, Schweden 40, Niederlande 17
weitere in Dänemark, Italien, Spanien, Finnland, Griechenland, Litauen
Zeitraum 1990-2009
Merkmale Veränderte Fettsäure-Zusammensetzung, männliche Sterilität, Herbizidtoleranz,  Pilzresistenz
Weltweit
USA 286
Zeitraum 1986-2010
Weitere Länder Kanada, Argentinien, China, Neuseeland, Australien

 

Nutzung von gv-Raps

Zulassungen EU
  zum Anbau als Lebens-/ Futtermittel
Antrag 2 3
Zulassung   4
Merkmale Herbizidtoleranz, männliche Sterilität
Zulassungen weltweit
  zum Anbau als Lebens- / Futtermittel
Kanada* 11 13
Japan 11 11
USA 9 10
Australien 6 7
China   7
Korea   6
Mexiko   4
Südafrika   4
Philippinen   1
Merkmale Insektenresistenz, Virusresistenz
Gezählt werden jeweils verschiedene gv-Raps-Linien (Events).
Anbau
EU kein kommerzieller Anbau
Kanada ca. 6,2 Mio. Hektar (2009), ca. 95 Prozent der Rapsanbauflächen
Weitere Länder USA: 400.000 Hektar (2007); 82 Prozent der Rapsanbaufläche

In Australien wurde 2008 in zwei Bundesstaaten das vierjährige GVO-Moratorium aufgehoben und gv-Raps angebaut, 2009 auf 41.000 ha, 2010 bereits auf 133.330 ha (8,3 % des gesamten Rapsanbaus).

Trotz zahlreicher Zulassungen findet in Japan kein Anbau von gv-Raps statt.

*unter den Zulassungen sind drei "neuartige Rapspflanzen", die mit anderen Verfahren erzeugt wurden. Diese Rapspflanzen verfügen über veränderten Fettsäuregehalt eine Resistenz gegenüber Herbizide.
Solche "neuartige Pflanzen" sind in Kanada zulassungspflichtig, unabhängig vom dafür angewandten Verfahren. Dagegen müssen in USA und der EU nur gentechnisch veränderte Pflanzen ein Zulassungsverfahren durchlaufen, nicht jedoch neuartige Pflanzen, die mit anderen Verfahren, wie etwa der Mutagenese erzeugt wurden.

 

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Erläuterung zu Forschung und Entwicklung
An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus geforscht.
Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.
02. September 2010 [nach oben springen]

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