Anreicherung mit Vitamin A und Eisen, Resiszenz gegen
Schädlinge, Trockentoleranz Ertragssteigerung
Freilandversuche
EU 36
USA 283, weitere 14 Länder
Zulassungen
USA 2, Kanada
Australien, weitere 7 Länder
Anbau
Iran
(2006), vermutlich in mehreren asiatischen Ländern (ab 2014)
- Merkmal
Insektenresistenz, Anreicherung mit Vitamin A
Landwirtschaft
Nach Mais und
Weizen ist Reis die weltweit wichtigste Getreideart. Reis wird in tropischen und subtropischen Klimaregionen
angebaut. Führend im Reisanbau sind die asiatischen Länder (140 Mio.
Hektar), gefolgt
von Afrika (9,4 Mio. Hektar), Süd- sowie Nord- und Mittelamerika.
Die wichtigsten Erzeugerländer
sind China (202 Mio. Tonnen), Indien (155 Mio.), Indonesien (65
Mio.) und Bangladesh (50 Mio.). In Europa wird Reis u. a. in Italien
(1,6 Mio. Tonnen), in Spanien und in Portugal angebaut. Weltweit
beträgt die Reisproduktion 678
Millionen Tonnen (alle Zahlen 2010).
Reis ist Grundnahrungsmittel für etwa die
Hälfte der Menschheit. In Indonesien beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch
jährlich 160, in China etwa 100 und in Indien 80 Kilogramm.
In der Regel (ca. 80 Prozent) findet Nassreisanbau (Paddy
Rice) statt: Die Felder werden während der Wachstums- und Reifezeit unter Wasser
gesetzt, vor allem um so Unkräuter zu unterdrücken. Längere
Überschwemmungen oder höhere Wasserstände überstehen Reispflanzen
jedoch nicht.
Verwendung
Reis (Oryza sativa) wird als Getreide
gekocht und direkt verzehrt; aber auch verarbeitet zu:
Reis wird überwiegend als (Grund-)
Nahrungsmittel und nur zu einem geringen Teil für die Tierfütterung genutzt.
Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung
Anbaueigenschaften
Resistenzen gegen Schädlinge
Insektenresistenz:
In China sind mehrere insektenresistente
Reislinien
entwickelt und in einem groß angelegten Versuchsanbau getestet
worden. Eine Variante
bildet das so genannte Bt‑Toxin, welches die
Pflanze vor Schädlingen wie dem Reisstängelbohrer schützt. Eine
andere produziert einen aus der Ackerbohne stammenden Wirkstoff, der
das Verdauungssystem der Schädlinge blockiert. In den Anbauversuchen
zeigte sich, dass deutlich weniger Pflanzenschutzmittel gespritzt
werden müssen. Die politische Führung in China zögert eine
Entscheidung über den Anbau von schädlingsresistentem gv-Reis
hinaus. Vor 2016 soll er nicht auf den Markt kommen.
Auch in Indien finden zahlreiche Freilandversuche mit
Bt-Reis statt.
Virusresistenz: In
internationalen Forschungsprojekten wurden Reislinien entwickelt
mit Resistenzen gegen das Rice Yellow Mottle Virus oderTungro-Virus.
Bakterienresistenz, auch in Kombination
mit Pilzresistenz
Unkrautmanagement
Herbizidtoleranz gegen
die Wirkstoffe Glufosinat und Imidazolinone
In den USA wurde 2000 herbizidresistenter gv-Reis (LL62) zugelassen,
bisher jedoch nicht kommerziell angebaut.
Anpassung an Klima- und Standortfaktoren
Dürre- und Salztoleranz: Mehrere Forschungsprojekte beschäftigen sich mit neuen
Reissorten, die Dürreperioden besser überstehen, mit weniger Wasser auskommen und auf versalzten
Böden wachsen können. In China hat man bereits salztolerante Reissorten entwickelt, in die ein Gen aus der
auf Salzböden wachsenden Pflanze Suaeda salsa eingeschleust worden war.
Auch in Europa, den USA und Indien werden solche Reispflanzen bereits im
Freiland getestet.
Produkteigenschaften
Anreicherung mit gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen,
etwa
Vitamin A: Reis enthält von Natur aus kaum Vitamin A.
In Ländern,
in denen er Hauptnahrungsmittel ist, sind daher Mangelerkrankungen
weit verbreitet, die bis zur Erblindung führen können. Mit gentechnischen
Methoden wurde ein Reis entwickelt, der in seinen Körnern Beta-Carotin, eine Vorstufe zu Vitamin A,
anreichert. Der wegen seiner gelben Farbe auch Golden Rice
genannte Reis wird nun in lokal angepasste Sorten eingekreuzt,
die kostenlos an Kleinbauern in Asien ausgegeben werden. Nach ersten Freilandversuchen mit
Golden Rice in den USA wird er nun vom Internationalen
Reisforschungsinstitut (IRRI) weiter getestet. Ab 2015 soll er für
Kleinbauern auf den Philippinen und in Bangladesh, später auch in
anderen asiatischen Ländern erhältlich sein.
Eisen: Verschiedene Forschergruppen an Universitäten und
Internationalen Agrarforschungszentren entwickeln Reissorten mit
einem mehrfach erhöhten Eisengehalt in den Körnern.
Eisenmangel - und als Folge davon Anämie - ist besonders in Asien
und Afrika verbreitet. Reis speichert natürlicherweise 80 Prozent des Eisens in der
mehrschichtigen Schale, die das Reiskorn umgibt und nur 20 Prozent im Korn
selbst. Im Handel ist vor allem Weißreis erhältlich. Bei Weißreis wird die Schale
entfernt. Da er nicht ranzig wird, kann er besser gelagert werden.
Am Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) werden neu
entwickelte eisen-angereicherte gv-Reislinien in Freilandversuchen
getestet. Ein eingeführten Gen aus Sojabohnen (Ferritin) sorgt für
die Einlagerung von mehr Eisen in den Körnern.
verschiedene Forschungsprojekte zur Anreicherung von
Mikronährstoffen und Wirkstoffen in Reis, etwa Zink, Vitamin B9 (Folsäure)
oder Anthocyane (Flavonoid).
Veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
In Japan wird an der Entwicklung hypoallergener
Reissorten gearbeitet, bei denen die Bildung eines
allergieauslösenden Proteins (AS-Albumin,
Glutenin) unterdrückt wird.
Bei anderen gv-Reislinien wurde die Stärkezusammensetzung (Amylose)
oder der Proteingehalt geändert. Mögliche Abnehmer sind Sake-Brauereien.
Pflanzenentwicklung, Stickstoffaufnahme
Verbesserte Aufnahmefähigkeit für
Stickstoff: In den USA ist ein gv-Reis entwickelt worden, der
durch Übertragen eines Gens aus Gerste mehr Stickstoff aus dem
Boden aufnehmen kann. Dadurch sollen zum einen die Kosten für
Dünger reduziert, zum anderen der Treibhauseffekt gemindert
werden. Durch die intensive Stickstoffdüngung im Reisanbau
gelangen erhebliche Mengen des Treibhausgases Stickstoffoxid in
die Atmosphäre.
C4-Reis: C4‑Pflanzen
wie etwa Mais oder Zuckerrohr können bei der Photosynthese
Kohlendioxid besser verwerten. Sie wachsen daher schneller und
bilden mehr Biomasse. 2012 hat am IRRI ein internationales
Forschungsprojekt begonnen mit dem Fernziel, die C3-Pflanzen
Reis in eine C4-Pflanze umzuwandeln. Derzeit werden vor allem
Grundlagen erforscht und es ist offen, ob das Projekt zu
verwertbaren Ergebnissen führt.
Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen
Molecular Pharming: Gentechnisch veränderte
Reispflanzen sollen als Produktionssystem für Arzneimittelwirkstoffe
genutzt werden. So ist in den USA ein gv-Reis entwickelt worden, der in seinen
Körnern Lysozym und Lactoferrin produziert. Diese Substanzen sind
normalerweise in der Muttermilch vorhanden und schützen Kleinkinder
vor Infektionserkrankungen. Der Wirkstoff wird bisher nur aus
Pflanzen aus
experimentellen Freisetzungsversuchen gewonnen und darf ausschließlich zu
Forschungs- und Diagnostikzwecken verwendet werden.
In Spanien wurde ein Reis entwickelt, der das Enzym Glucocerebrosidase
produziert, das bei Morbus Gaucher (einer erblichen
Fettstoffwechselkrankheit) eingesetzt wird.
In China wurde ein Reis gentechnisch so
verändert, dass er Humanalbumin produziert. Dies ist ein
Bestandteil des menschlichen Blutes. Humanalbumin wird bisher
aus Blutplasma gewonnen und ist knapp und teuer.
Bodensanierung
Phytosanierung schwermetallbelasteter Böden:
Die Pflanzen werden dahingehend verändert, dass sie auf diesen Böden wachsen
können und die Schwermetalle in der
Pflanzenmasse anreichern.
Freilandversuche mit gv-Reis
EU
Gesamtanzahl Anträge
36
Länder
Spanien 27, Italien 8, Frankreich 1
Zeitraum
1998-2011
Merkmale
Herbizidtoleranz, Insektenresistenz, Ertragssteigerung,
Pilzresistenz, sowie Salz- und Trockentoleranz, Molecular Pharming
Goldener Reis: Gegen den versteckten Hunger. Zu wenig
Vitamin A in der täglichen Nahrung verursacht Krankheiten in
vielen Regionen der Welt. Können angereicherte Pflanzen eine
Lösung sein? Peter Beyer (Universität Freiburg) ist einer
der "Erfinder" des Goldenen Reises.
Das internationale Reisforschungsinstitut IRRI. Reis
ist neben Weizen und Mais die weltweit wichtigste
Nahrungspflanzen. Für die Hälfte der Menschen ist Reis
Grundnahrungsmittel. Eines der Zentren für Reiszüchtung und
-forschung ist das IRRI. Zunehmend werden dort auch
molekularbiologische Verfahren eingesetzt, um den
genetischen Hintergrund für neue interessante Merkmale zu
finden. Für bestimmte Ziele werden beim IRRI auch
gentechnisch Verfahren genutzt, etwa beim Golden Rice,
bei der Anreicherung mit Eisen, bei Entwicklung
dürretoleranter Sorten oder der Grundlagenforschung für
Ertragssteigerungen.
Sub1-Reis. In Teilen Asiens kommt es durch
Überschwemmungen regelmäßig zu großen Ernteverlusten bei
Reis - ein Problem, das sich im Zuge des Klimawandels noch
verschärfen könnte. Am Internationalen
Reisforschungsinstitut ist es gelungen, Reissorten zu
züchten, die längere Überschwemmungen überstehen. Der
sub1-Reis ist nicht gentechnisch verändert, wurde aber mit
neuen genetischen Züchtungsmethoden (Smart breeding)
entwickelt.
Fotos: IRRI, Gene Hettel/IRRI
Gv-Reis wird bisher nicht kommerziell angebaut (Stand
2012). In Reisimporten vor allem aus China werden jedoch
immer wieder Spuren von gv-Reis gefunden.
Symbol Kasten: An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus
geforscht.
Symbol Pfeil: Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits
Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.
Zahlen Freisetzungsversuche EU
In der Regel werden
einzelne Anträge mit dem Jahr der Antragstellung angegeben.
Ein Antrag kann Freilandversuche über mehrere Jahre und an
mehreren - Standorten umfassen. Es ist möglich, dass
genehmigte Freilandversuche nicht durchgeführt werden.