Trocken- und Salztoleranz, Pilzresistenzen; veränderte
Inhaltsstoffe
Freilandversuche
EU 36
USA 444,
Kanada, Argentinien, weitere 5 Länder
Zulassungen
USA 1
Kolumbien
Anbau
kein Anbau
Perspektive
In den nächsten Jahren ist ein Anbau von gv-Weizen nicht zu
erwarten. In Nordamerika und Australien könnte
trockentoleranter gv-Weizen ab 2020 anwendungsreif
sein.
Landwirtschaft
Weizen steht weltweit nach Mais und Reis an
dritter Stelle im Anbau der Getreidearten. Der Flächenverbrauch ist
bei Weizen allerdings am größten. 2010 wurden weltweit etwa 650
Millionen Tonnen Weizen auf 217 Millionen Hektar produziert. Weizen wird auf
allen Kontinenten kultiviert. Wichtige Anbauländer sind China,
Indien, die USA, Australien, Russland und
Argentinien.
Verwendung
Verbreitet ist vor allem Weichweizen (Triticum aestivum).
Nach der Ernte wird das Getreide gemahlen und
verwendet in Lebensmitteln:
Stärke aus Weizenkörnern in verschiedenen industriellen Produkten, z.B. in der Papierindustrie
Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung
Anbaueigenschaften
Anpassung an Klima- und Standortfaktoren
Trockentoleranz, auch Salztoleranz
Die Anpassung an Dürre und Wassermangel ist weltweit ein zentrales Ziel
der Weizenzüchtung. Dafür nutzt man sowohl neue molekularbiologische
Methoden als auch die Möglichkeiten der Gentechnik. In mehreren Ländern
werden derzeit verschiedene gv-Weizenlinien getestet, in die Gene aus
anderen, an Trockenheit angepassten Organismen eingeführt wurden. - Staatlich finanzierte Forschungsprogramme für trockentoleranten Weizen
gibt es etwa in Australien und China.
Pilzresistenz, vor
allem gegen Infektionen mit Fusarien oder Mehltau. Der
Befall der Pflanzen mit diesen Pilzen kann bei Weizenprodukten zu
Belastungen mit starken Pilzgiften (Mykotoxinen)
führen. Resistenz gegen Brandpilze (Weizenflugbrand, Stinkbrand)
erhöhter Anteil an wasserlöslichen Ballaststoffen (z.B. Beta-Glucane,
Amylose)
Australische Forscher haben mit Hilfe von RNA
Interferenz einen Weizen so verändert, dass in den Körnern der
Amylosegehalt
etwa um das dreifache erhöht ist. Amylose hat eine ähnliche Wirkung wie
Ballaststoffe. Sie zählt zu den sogenannten resistenten Stärken und soll die Darmflora verbessern und damit das Darmkrebs-Risiko senken. Ein andere
Ansatz zielt auf eine Veränderung des Kohlenhydratprofils,
so dass zur Verdauung weniger Insulin benötigt wird (Senkung des
glykämischen Index).
In Australien wird an diesen Projekten im Rahmen eines öffentlich
gefördertes Forschungs- und Entwicklungsprogramms gearbeitet. Erste
Freilandversuche haben bereits stattgefunden. Nun sollen zunächst
Fütterungsversuche, dann klinische Studien durchgeführt werden.
Erhöhung des Gluteningehaltes in Weizenkörnern zur
Verbesserung der Backeigenschaften von Weizenprodukten
Das Protein
Glutenin ist Bestandteil des Klebereiweiß Gluten und sorgt für die
Teigfestigkeit beim Backen.
Glutenfreier Weizen
Personen, die unter der Stoffwechselkrankheit Zöliakie
leiden, können kein Gluten zu sich nehmen, da es ihre Darmschleimhaut
zerstört. Sie müssen daher Weizenprodukte (vor allem Backwaren) vermeiden.
Einige Forschungsprojekte arbeiten daran, glutenfreien Weizen zu entwickeln.
Es hat erste Prototypen gegeben, doch von einer praktischen Anwendung sind
sie weit entfernt.
Erhöhung des Nährstoffgehaltes in Weizenkörnern durch
eine vermehrte Bildung von Proteinen.
Durch Einführung zweier Gene aus der
Ackerbohne und Gerste in Weizen werden verstärkt Aminosäuren und Zucker von
anderen Teilen der Pflanze wie etwa den Blättern in die Samen verlagert.
Dadurch stehen in den Weizensamen mehr Ausgangsstoffe für die Bildung von
Proteinen zur Verfügung.
Erhöhung der Hitzestabilität des Enzyms
Phytase in Weizen
Ein dadurch erhöhter Anteil an Phytase in
verarbeiteten Weizenprodukten sorgt für einen bessere Aufnahme von Eisen und
Zink.
erhöhter Lysingehalt
Lysin
ist eine essentielle Aminosäure, die häufig Futtermitteln
zugesetzt wird, um den Nährwert zu erhöhen.
Nachwachsende Rohstoffe, Energiepflanzen
veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
geringerer Ligningehalt und damit höhere Ausbeute bei
der Bioethanolproduktion
Weizen mit höherem Amylopektingehalt
als Stärkelieferant für industrielle Produkte
Pflanzenentwicklung
Ertragssteigerung
verbesserte Stickstoffverwertung
Toleranz gegenüber geringem
Phosphorgehalt im Boden
Erhöhte Aufnahme von Zink aus dem Boden
Freilandversuche mit gv-Weizen
EU
Gesamtanzahl Anträge
36
Länder
Großbritannien 13, Spanien 9, Italien 5,
Deutschland 6, Belgien 2, Ungarn 1
In Deutschland und der Schweiz wurden mehrere Freisetzungsversuche
durchgeführt, bei denen verschiedene gv-Weizenlinien mit Resistenzen
gegen Pilze (Mehltau, Flugbrand) getestet wurden
Zeitraum
1993-2012
Merkmale
Herbizidtoleranz, veränderter Stärkegehalt, Pilzresistenz; Resistenz
gegen Blattläuse
Weltweit
USA
444
Zeitraum
1994-2012
Weitere
Länder
Kanada, Argentinien, Japan,
China, Australien, Ägypten, Schweiz
Nutzung von gv-Weizen
Zulassungen weltweit
zum Anbau
als Lebens- /
Futtermittel
USA
1
Kolumbien
1
Merkmal
Herbizidtoleranz
Anbau
EU
kein
USA
Der Antrag zum Anbau von herbizidresistentem gv-Weizen wurde 2004
zurückgezogen und die Pläne für eine Markteinführung aufgegeben.
Weitere Länder
In Australien wird der Anbau von gv-Weizen angestrebt, erste Sorten könnten 2020 auf den Markt kommen.
Duftstoffe gegen Blattläuse. Einige neue Pflanzenschutzkonzepte nutzen die "biochemische
Kommunikation", zu der Pflanzen, aber auch ihre jeweiligen
Schädlinge fähig sind. Wenn etwa Blattläuse unter Stress
sind, sondern sie bestimmte Duftstoffe (Pheromone) ab, um
andere Blattläuse zu warnen. Auch bestimmte Pflanzen, etwa
Minze oder Hopfen, können diesen Duftstoff bilden.
- Eine Wissenschaftlergruppe am Rothamsted Research
Institute (Großbritannien) hat diesen Stoffwechselweg in
Weizen eingebracht. Durch seinen "Geruch" sollen Blattläuse
abgehalten werden, solche Pflanzen zu befallen. - Ob das
Konzept tatsächlich funktioniert, wird nun im Freiland
getestet. Die britischen Behörden haben für 2012 und 2013
entsprechende Versuche genehmigt.
Video: Läuse auf einem Kohlblatt: Wenn Duftstoffe
(Pheromone) ausgebracht werden, entfernen sich die Läuse.
Das gleiche Prinzip wird bei dem Weizen genutzt. (Visual
Communications Unit, Rothamsted)
An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus
geforscht.
Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits
Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.