Transparenz fr Gentechnik bei Lebensmitteln
 
TransGen Lebensmitteldatenbank

Geben Sie ein, wozu Sie etwas wissen wollen: eine Pflanze, ein Lebensmittel, eine Zutat, einen Zusatzstoff oder eine E-Nummer.

Newsletter? Anmelden
transGEN Forum
Gute Gene - Schlechte Gene
bioSicherheit
Pflanzen. Forschung. Ethik.
Forum Bio- und Gentechnologie

Weizen

Forschung  Trocken- und Salztoleranz, Ertragssteigerung, Pilzresistenzen
Freilandversuche EU 37
USA 460, Kanada, Argentinien, weitere 5 Länder
Zulassungen USA 1
Kolumbien
Anbau kein Anbau
Perspektive Kurzfristig zeichnet sich keine Markteinführung von gv-Weizen ab. In Nordamerika und Australien könnte trockentoleranter gv-Weizen ab 2020 anwendungsreif sein.

 

Landwirtschaft

Weizen steht weltweit nach Mais und Reis an dritter Stelle im Anbau der Getreidearten. Der Flächenverbrauch ist bei Weizen allerdings am größten. 2010 wurden weltweit etwa 650 Millionen Tonnen Weizen auf 217 Millionen Hektar produziert.

Weizen wird auf allen Kontinenten kultiviert. Wichtige Anbauländer sind China, Indien, die USA, Australien, Russland und Argentinien.

 

Verwendung

Verbreitet ist vor allem Weichweizen (Triticum aestivum).

Nach der Ernte wird das Getreide gemahlen und in vielen Lebensmitteln verwendet:

Energiepflanzen, nachwachsende Rohstoffe:

  • Bioethanol, Wärmeerzeugung (Verbrennung)
  • Stärke aus Weizenkörnern in verschiedenen industriellen Produkten, z.B. in der Papierindustrie

 

Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung

Bild vergrößern
Bisherige Versuche mit gv-Weizen. Es hat in Deutschland mehrere Freilandversuche mit gv-Weizen gegeben. Dabei ging es vor allem um neue Resistenzkonzepte gegen Fusarien, eine verbreitete Pilzkrankheit (oben) und gegen Stinkbrand, ebenfalls eine Pilzkrankheit. Nach wiederholten Zerstörungsaktionen wurden die Versuche mit fusarienresistentem Weizen aufgegeben.
Foto: Syngenta

Bild vergrößern
Neue Versuche mit gv-Weizen. Anfang Dezember 2012 wurden neue Freisetzungen mit gv-Weizen genehmigt. Entwickelt wurde er am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben. Die Wissenschaftler haben Gene aus Gerste und Ackerbohnen in Weizen eingeführt. Dadurch soll sich der Transport von bestimmten Protein-Bausteinen in die Samenkörner verbessern. Wenn das Konzept funktioniert, könnte der Proteingehalt in Weizen gesteigert werden, ein wichtiges, mit konventionellen Methoden bisher aber nicht erreichbares Züchtungsziel.

Anbaueigenschaften

Anpassung an Klima- und Standortfaktoren

  • Trockentoleranz, auch Salztoleranz
    Die Anpassung an Dürre und Wassermangel ist weltweit ein zentrales Ziel der Weizenzüchtung. Dafür nutzt man sowohl neue molekularbiologische Methoden (Smart BreedingSmart Breeding) als auch die Möglichkeiten der Gentechnik.
    In mehreren Ländern wie den USA und Argentinien werden derzeit verschiedene gv-Weizenlinien getestet, in die Gene aus anderen, an Trockenheit angepassten Organismen eingeführt wurden. In Ägypten haben zum Beispiel Wissenschaftler einen trockentoleranten Weizen gezüchtet, in den sie ein Gen aus Geste eingeführt haben. Erste Freilandversuche lieferten vielversprechende Ergebnisse. - Staatlich finanzierte Forschungsprogramme für trockentoleranten Weizen gibt es in mehreren Ländern, etwa in Australien und China.

  • Kältetoleranz

  • Toleranz gegenüber erhöhtem Borgehalt im Boden

Unkrautmanagement

  • HerbizidtoleranzHerbizidtoleranz

  • PilzresistenzPilzresistenz, vor allem gegen Infektionen mit Fusarien oder Mehltau. Der Befall der Pflanzen mit diesen Pilzen kann bei Weizenprodukten zu Belastungen mit starken Pilzgiften (MykotoxinenMykotoxinen) führen.
    Resistenz gegen Brandpilze (Weizenflugbrand, Stinkbrand)

  • VirusresistenzVirusresistenz

  • Abwehr von Blattläusen (siehe Kasten rechts)

Pflanzenentwicklung

  • Ertragssteigerung

  • bessere Stickstoffverwertung

  • Toleranz gegenüber geringem Phosphorgehalt im Boden

  • erhöhte Aufnahme von Zink aus dem Boden

Produkteigenschaften

Veränderte Zusammensetzung ernährungsrelevanter Inhaltsstoffe:

  • erhöhter Anteil an wasserlöslichen Ballaststoffen (z.B. Beta-Glucane, Amylose)
    Australische Forscher haben mit Hilfe von RNA 
InterferenzRNA  Interferenz einen Weizen so verändert, dass in den Körnern der AmylosegehaltAmylosegehalt etwa um das dreifache erhöht ist. Amylose hat eine ähnliche Wirkung wie Ballaststoffe. Sie zählt zu den sogenannten resistenten Stärken und soll die Darmflora verbessern und damit das Darmkrebs-Risiko senken. Ein andere Ansatz zielt auf eine Veränderung des KohlenhydratprofilsKohlenhydratprofils, so dass zur Verdauung weniger Insulin benötigt wird (Senkung des glykämischen Index).
    In Australien wird an diesen Projekten im Rahmen eines öffentlich gefördertes Forschungs- und Entwicklungsprogramms gearbeitet. Erste Freilandversuche haben bereits stattgefunden. Nun sollen zunächst Fütterungsversuche, dann klinische Studien durchgeführt werden.

  • Erhöhung des Gluteningehaltes in Weizenkörnern zur Verbesserung der Backeigenschaften von Weizenprodukten
    Das ProteinProtein Glutenin ist Bestandteil des Klebereiweiß Gluten und sorgt für die Teigfestigkeit beim Backen.

  • Glutenfreier Weizen
    Personen, die unter der Stoffwechselkrankheit ZöliakieZöliakie leiden, können kein Gluten zu sich nehmen, da es ihre Darmschleimhaut zerstört. Einige Forschungsprojekte arbeiten daran, glutenfreien Weizen zu entwickeln. Es hat erste Prototypen gegeben, doch von einer praktischen Anwendung sind sie weit entfernt.

  • Erhöhung des Nährstoffgehaltes in Weizenkörnern durch eine vermehrte Bildung von Proteinen.

  • Erhöhung der Hitzestabilität des EnzymsEnzyms Phytase in Weizen
    Ein dadurch erhöhter Anteil an Phytase in verarbeiteten Weizenprodukten sorgt für einen bessere Aufnahme von Eisen und Zink.

  • erhöhter LysinLysingehalt
    Lysin ist eine essentielle AminosäureAminosäure, die häufig Futtermitteln zugesetzt wird, um den Nährwert zu erhöhen.

Nachwachsende Rohstoffe, Energiepflanzen

veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe

  • geringerer Ligningehalt und damit höhere Ausbeute bei der Bioethanolproduktion

Freilandversuche mit gv-Weizen

EU
Gesamtanzahl Anträge 37
Länder Großbritannien 13, Spanien 10, Italien 5, Deutschland 6, Belgien 2, Ungarn 1
In Deutschland und der Schweiz wurden mehrere Freilandversuchen mit verschiedenen gv-Weizenlinien durchgeführt. Dabei ging es um neue Konzepte für Resistenzen gegen Pilze (Fusarien, Mehltau, Flugbrand). Bis 2014 genehmigt sind Versuche mit gv-Weizen mit einem erhöhten Proteingehalt.
Zeitraum 1993-2014
Merkmale Herbizidtoleranz, Produkteigenschaften,  Pilzresistenz; Resistenz gegen Blattläuse
Weltweit
USA 460
Zeitraum 1994-2012
Weitere Länder Kanada, Argentinien, Japan, China, Australien, Ägypten, Schweiz

 

Nutzung von gv-Weizen

Zulassungen weltweit
  zum Anbau als Lebens- / Futtermittel
USA   1
Kolumbien   1
Merkmal Herbizidtoleranz
Anbau
EU kein
USA Der Antrag zum Anbau von herbizidresistentem gv-Weizen (Monsanto) wurde 2004 zurückgezogen und die Pläne für eine Markteinführung aufgegeben.
Weitere Länder In Australien wird der Anbau von gv-Weizen angestrebt, erste Sorten könnten 2020 auf den Markt kommen.

 

Duftstoffe gegen Blattläuse. Einige neue Pflanzenschutzkonzepte nutzen die "biochemische Kommunikation", zu der Pflanzen, aber auch ihre jeweiligen Schädlinge fähig sind. Wenn etwa Blattläuse unter Stress sind, sondern sie bestimmte Duftstoffe (Pheromone) ab, um andere Blattläuse zu warnen. Auch bestimmte Pflanzen, etwa Minze oder Hopfen, können diesen Duftstoff bilden. - Eine Wissenschaftlergruppe am Rothamsted Research Institute (Großbritannien) hat diesen Stoffwechselweg in Weizen eingebracht. Durch seinen "Geruch" sollen Blattläuse abgehalten werden, solche Pflanzen zu befallen. - Ob das Konzept tatsächlich funktioniert, wird seit 2012 im Freiland getestet.
Foto: Große Getreideblattlaus / Rothamsted Research Institut
Gv-Weizen wird weltweit bisher nicht kommerziell angebaut (Stand 2012). Unternehmen, aber auch öffentliche Forschungsinstitute in mehreren Ländern arbeiten - auch mit gentechnischen Verfahren - an neuen Weizenlinien mit verbesserten Eigenschaften. Vorrangige Ziele sind Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge sowie Stresstoleranzen bei Trockenheit oder versalzten Böden.
Wie der Weizen zu dem wurde, was er heute ist. Ein Video über Einkorn und Emmer, Dinkel und Durumweizen und über zwei Revolutionen auf dem Weg vom Wildgras zum Weizen. Besuch im Schaugarten des Max-Planck-Institutes für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln.
Erläuterungen
Hinweise zu "Forschung und Entwicklung"
  • Symbol Kasten: An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus geforscht.
  • Symbol Pfeil: Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.
Zahlen Freisetzungsversuche EU

In der Regel werden einzelne Anträge mit dem Jahr der Antragstellung angegeben. Ein Antrag kann Freilandversuche über mehrere Jahre und an mehreren - Standorten umfassen. Es ist möglich, dass genehmigte Freilandversuche nicht durchgeführt werden.

08. Mai 2013 [nach oben springen]

© 1997 - 2013 i-bio Information Biowissenschaften | Impressum | Leitlinien und Finanzierung | website created by webmotive