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Weizen

Forschung  Trocken- und Salztoleranz, Pilzresistenzen; veränderte Inhaltsstoffe
Freilandversuche EU 36
USA 431, Kanada, Argentinien, weitere 5 Länder
Zulassungen USA 1
Kolumbien
Anbau kein Anbau
Perspektive In den nächsten Jahren ist ein Anbau von gv-Weizen nicht zu erwarten. In Nordamerika und Australien könnte trockentoleranter gv-Weizen ab  2020 anwendungsreif sein.

 

Landwirtschaft

Weizen ist zusammen mit Mais und Reis das meist angebaute Getreide der Welt. 2009 wurden weltweit etwa 690 Millionen Tonnen Weizen produziert. Er wird auf allen Kontinenten kultiviert. Wichtige Anbauländer sind China, Indien, die USA, Australien, Russland und Argentinien.

 

Verwendung

Verbreitet ist vor allem Weichweizen (Triticum aestivum).

Nach der Ernte wird das Getreide gemahlen und verwendet in Lebensmitteln:

und als Futtermittel.

Energiepflanzen, nachwachsende Rohstoffe:

  • Bioethanol, Wärmeerzeugung (Verbrennung)
  • Stärke aus Weizenkörnern in verschiedenen industriellen Produkten, z.B. in der Papierindustrie

 

Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung

Anbaueigenschaften

Anpassung an Klima- und Standortfaktoren

  • Trockentoleranz, auch Salztoleranz
    Die Anpassung an Dürre und Wassermangel ist weltweit ein zentrales Ziel der Weizenzüchtung. Dafür nutzt man sowohl neue molekularbiologische Methoden als auch die Möglichkeiten der Gentechnik. In vielen Ländern werden derzeit verschiedene gv-Weizenlinien getestet, in die Gene aus anderen, an Trockenheit angepassten Organismen eingeführt wurden. Staatlich finanzierte Forschungsprogramme für trockentoleranten Weizen gibt es etwa in Australien und China.

  • Kältetoleranz

  • Toleranz gegenüber erhöhtem Borgehalt im Boden

Unkrautmanagement

Resistenzen gegen Krankheitserreger

  • PilzresistenzPilzresistenz, vor allem gegen Infektionen mit Fusarien oder Mehltau. Der Befall der Pflanzen mit diesen Pilzen kann bei Weizenprodukten zu Belastungen mit starken Pilzgiften (MykotoxinenMykotoxinen) führen.
    Resistenz gegen Brandpilze (Weizenflugbrand, Stinkbrand)

  • VirusresistenzVirusresistenz

  • Abwehr von Blattläusen (siehe Kasten rechts)

Produkteigenschaften

Veränderte Zusammensetzung ernährungsrelevanter Inhaltsstoffe:

  • erhöhter Anteil an wasserlöslichen Ballaststoffen (z.B. Beta-Glucane, Amylose)
    Australische Forscher haben mit Hilfe von RNA 
InterferenzRNA  Interferenz einen Weizen so verändert, dass in den Körnern der AmylosegehaltAmylosegehalt etwa um das dreifache erhöht ist. Amylose hat eine ähnliche Wirkung wie Ballaststoffe. Sie zählt zu den sogenannten resistenten Stärken und soll die Darmflora verbessern und damit das Darmkrebs-Risiko senken. Ein andere Ansatz zielt auf eine Veränderung des KohlenhydratprofilsKohlenhydratprofils, so dass zur Verdauung weniger Insulin benötigt wird (Senkung des glykämischen Index).
    In Australien wird an diesen Projekten im Rahmen eines öffentlich gefördertes Forschungs- und Entwicklungsprogramms gearbeitet. Erste Freilandversuche haben bereits stattgefunden. Nun sollen zunächst Fütterungsversuche, dann klinische Studien durchgeführt werden.

  • Erhöhung des Gluteningehaltes in Weizenkörnern zur Verbesserung der Backeigenschaften von Weizenprodukten
    Das ProteinProtein Glutenin ist Bestandteil des Klebereiweiß Gluten und sorgt für die Teigfestigkeit beim Backen.

  • Glutenfreier Weizen
    Personen, die unter der Stoffwechselkrankheit ZöliakieZöliakie leiden, können kein Gluten zu sich nehmen, da es ihre Darmschleimhaut zerstört. Sie müssen daher Weizenprodukte (vor allem Backwaren) vermeiden. Einige Forschungsprojekte arbeiten daran, glutenfreien Weizen zu entwickeln. Es hat erste Prototypen gegeben, doch von einer praktischen Anwendung sind sie weit entfernt.

  • Erhöhung des Nährstoffgehaltes in Weizenkörnern durch eine vermehrte Bildung von Proteinen.
    Durch Einführung zweier Gene aus der Ackerbohne und Gerste in Weizen werden verstärkt Aminosäuren und Zucker von anderen Teilen der Pflanze wie etwa den Blättern in die Samen verlagert. Dadurch stehen in den Weizensamen mehr Ausgangsstoffe für die Bildung von Proteinen zur Verfügung.

  • Erhöhung der Hitzestabilität des EnzymsEnzyms Phytase in Weizen
    Ein dadurch erhöhter Anteil an Phytase in verarbeiteten Weizenprodukten sorgt für einen bessere Aufnahme von Eisen und Zink.

  • erhöhter LysinLysingehalt
    Lysin ist eine essentielle AminosäureAminosäure, die häufig Futtermitteln zugesetzt wird, um den Nährwert zu erhöhen.

Nachwachsende Rohstoffe, Energiepflanzen

veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe

  • geringerer Ligningehalt und damit höhere Ausbeute bei der Bioethanolproduktion

Pflanzenentwicklung

  • Ertragssteigerung

  • verbesserte Stickstoffverwertung

  • Toleranz gegenüber geringem Phosphorgehalt im Boden

  • Erhöhte Aufnahme von Zink aus dem Boden

 

Freilandversuche mit gv-Weizen

EU
Gesamtanzahl Anträge 36
Länder Großbritannien 13, Spanien 9, Italien 5, Deutschland 6, Belgien 2, Ungarn 1
In Deutschland und der Schweiz wurden mehrere Freisetzungsversuche durchgeführt, bei denen verschiedene gv-Weizenlinien mit Resistenzen gegen Pilze (Mehltau, Flugbrand) getestet wurden
Zeitraum 1993-2011
Merkmale Herbizidtoleranz, veränderter Stärkegehalt, Pilzresistenz; Resistenz gegen Blattläuse
Weltweit
USA 440
Zeitraum 1994-2011
Weitere Länder Kanada, Argentinien, Japan, China, Australien, Ägypten, Schweiz

 

Nutzung von gv-Weizen

Zulassungen weltweit
  zum Anbau als Lebens- / Futtermittel
USA   1
Kolumbien   1
Merkmal Herbizidtoleranz
Anbau
EU kein
USA Der Antrag zum Anbau von herbizidresistentem gv-Weizen wurde 2004 zurückgezogen und die Pläne für eine Markteinführung aufgegeben.
Weitere Länder In Australien wird der Anbau von gv-Weizen angestrebt, erste Sorten könnten 2020 auf den Markt kommen.

 

Weizen: Duftstoffe gegen Blattläuse. Einige neue Pflanzenschutzkonzepte nutzen die "biochemische Kommunikation", zu der Pflanzen, aber auch ihre jeweiligen Schädlinge fähig sind. Wenn etwa Blattläuse unter Stress sind, sondern sie bestimmte Duftstoffe (Pheromone) ab, um andere Blattläuse zu warnen. Auch bestimmte Pflanzen, etwa Minze oder Hopfen, können diesen Duftstoff bilden. - Eine Wissenschaftlergruppe am Rothamsted Research Institute (Großbritannien) hat diesen Stoffwechselweg in Weizen eingebracht. Durch seinen "Geruch" sollen Blattläuse abgehalten werden, solche Pflanzen zu befallen. - Ob das Konzept tatsächlich funktioniert, wird nun im Freiland getestet. Die britischen Behörden haben für 2012 und 2013 entsprechende Versuche genehmigt.
(Foto: Rothamsted Institute)
Im Web
Pflanzenforschung erleben. Neue Konzepte gegen Schädlinge, Krankheiten, Unkräuter? Hochwertige Wirkstoffe aus Pflanzen? Mal Grüne Gentechnik im Feld sehen? Besichtigungen Mai-September.
Erläuterung zu Forschung und Entwicklung
  • An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus geforscht.
  • Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.
22. Dezember 2011 [nach oben springen]

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