Cystein
|
E 920 | Mehlbehandlungsmittel |
|
mögliche Anwendung der Gentechnik |
Kennzeichnung |
|
herstellbar mit Hilfe von gv-Mikroorganismen |
nein |
Erläuterung
Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure. Sie ist semiessentiell, d.h. sie kann im menschlichen Körper durch Umwandlung aus
Methionin, einer weiteren
schwefelhaltigen Aminosäure, gebildet werden. Bei Säuglingen ist
diese Fähigkeit noch nicht ausgebildet.
Verwendung
Cystein wird bei verschiedenen Produkten
eingesetzt und erfüllt dabei unterschiedliche technologische
Aufgaben; etwa:
-
Als Bestandteil vieler Backmittel und Backgrundstoffe ist Cystein bei der Herstellung von Brot, Brötchen und Backwaren aller Art weit verbreitet. Es erhöht das "Gashaltevermögen", sodass die Backwaren über längere Zeit ihre voluminöse Form behalten. Außerdem verbessert Cystein die Elastizität und die Knetfähigkeit der Teige.
-
Cystein ist an der Ausbildung von Fleisch- und Röstaromen beteiligt
und wird zur Abrundung und Verstärkung von Aromen
eingesetzt. Als künstliches Fleischaroma setzt man es
vegetarischen Lebensmitteln zu.
-
auch in Diätzubereitungen,
Futtermitteln, Arzneimitteln (Hustenlöser) und kosmetischen Erzeugnissen
Gentechnik
Klassisch wird Cystein aus cystinreichem Eiweiß wie Menschenhaar, Federn oder Schweineborsten gewonnen. Die Eiweißstoffe werden durch Kochen mit Salzsäure in die einzelnen Aminosäuren aufgespalten. Das
daraus isolierte Cystin wird anschließend elektrochemisch zu Cystein
reduziert.
-
Eine biotechnische Herstellung von Cystein galt lange Zeit als teuer und schwierig. Inzwischen
hat das deutsche Unternehmen Wacker Chemie Kolibakterien (Escherichia coli) mit gentechnischen Verfahren so
bearbeitet, dass
damit eine fermentative Cystein-Herstellung möglich wurde. Die
gentechnisch veränderten Bakterien stellen aus Glukose (Zucker) und einigen Mineralsalzen das gewünschte Cystein
in größeren Mengen her und leiten es in die Nährbrühe ab. Das
Verfahren wird seit 2001 industriell genutzt.
-
Die biotechnische Cystein-Produktion hat deutliche Vorteile: Die
Ausbeute ist um 30
Prozent erhöht, und für die Herstellung von einem Kilogramm Cystein wird
nur noch ein Kilogramm statt 27 Kilogramm Salzsäure
benötigt. Es nutzt nachwachsende Rohstoffe und kommt ohne
organische Lösungsmittel aus. 2008 wurde die Wacker Chemie für
ihr Cystein-Verfahren mit dem Umweltpreis des BDI (Bundesverband
der Deutschen Industrie) ausgezeichnet.
-
2009 betrug die weltweite Produktion von Cystein rund 6.000
Tonnen, von denen 1.500 Tonnen fermentativ mit gv-Bakterien erzeugt wurden.
Kennzeichnung: Zusatzstoffe, die in geschlossenen Systemen mit
Hilfe von gentechnisch
veränderten Mikroorganismen hergestellt werden, sind nicht zu
kennzeichnen. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Zusatzstoff
aufgereinigt wird und keine Mikroorganismen enthält.
Erhalten die verwendeten Mikroorganismen Nährstoffe (Substrate)
aus gentechnisch veränderten Pflanzen, bleibt der Zusatzstoff ohne
Kennzeichnung.
|