Tabak wird weltweit in über 100 Ländern
angebaut, bevorzugt in warmgemäßigten und subtropischen
Klimaregionen. Hauptanbauland für Tabak ist China. Es folgen
Brasilien, Indien, die USA, Simbabwe, die Türkei und Indonesien. Die
Anbaufläche betrug 2010 weltweit etwa 3,9 Millionen Hektar.
Verwendung
Von der Tabakpflanze werden ausschließlich
die Blätter verwendet. Sie werden getrocknet,
fermentiert, geschnitten und verarbeitet zu
Zigarren oder Zigaretten
Kau-
oder Schnupftabak
Gentechnik: Ziele bei Forschung und Entwicklung
Tabak als biologisches Produktionssystem. Mit dem
Rückgang des Tabakkonsums in vielen Ländern wird nach neuen
Verwendungsmöglichkeiten für Tabak gesucht.
Molecular Pharming: Nutzung
von Tabak als Bioreaktor zur Produktion hochwertiger pharmazeutischer oder industriell nutzbarer
Substanzen.
Tabak wird oft als "Produktionsplattform" gewählt, da es relativ
einfach ist, geeignete Gene in Tabak einzuschleusen. In einigen Fällen ist
es gelungen, die gewünschten Proteine in vergleichsweise hohen Anteilen in
Tabakblättern zu erzeugen. Oft ist die Produktion in Tabak und die
Isolierung der Proteine aus dem Pflanzenmaterial preiswerter als andere
Herstellungswege.
Zudem wird Tabak nicht als Futter- oder Lebensmittel verwendet. Dadurch ist
es einfacher, Wirkstoffe in Tabak herzustellen, ohne Vermischungen mit
Lebens- oder Futtermitteln befürchten zu müssen.
Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts
IME (Aachen) haben Tabakpflanzen entwickelt, die Antikörper gegen den HI-Virus
(Aids) bilden und als Wirkstoff gegen HIV-Infektionen eingesetzt
werden könnten. Die
Tabakpflanzen werden im Gewächshaus aufgezogen.
Modellpflanze für Pflanzengenetik und
Grundlagenforschung
Tabak dient häufig
als Modellpflanze, um neue Verfahren zu erproben und die
Funktionen bestimmter Gene zu erforschen. In der Regel finden solche
Versuche in Laboren und Gewächshäusern unter S1-Bedingungen statt.
Manchmal ist es erforderlich, Pflanzen und das Verhalten bestimmter
Gensequenzen unter Freilandbedingungen zu beobachten.
Freisetzungsversuche mit gv-Tabak sind daher in vielen Fällen nicht der Produktentwicklung
zuzuordnen, sondern der Grundlagenforschung, etwa Versuche zu
folgenden Zielen:
Ertragssteigerung (männliche
Sterilität, Erzeugung ertragreicher Hybridsorten, erhöhte Photosyntheserate
und Stickstoffaufnahme)
Biologischer Einschluss (Confinement):
Verfahren, neue Gene nicht in den Zellkern von Pflanzen
einzuschleusen, sondern in Zellbestandteile (Plastidentransformation)
veränderter Blühzeitpunkt
Verlängerung der Wachstumsperiode durch
Verschieben des Blühzeitpunks (Steigerung der Biomasse)
Anpassung an Klima- und Standortfaktoren
(Dürre- und Kältetoleranz, Salztoleranz
Produkteigenschaften
Veränderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
Tabak mit geringerem Nikotingehalt:
Tabak mit geringerem Nikotingehalt: Unter dem Markennamen Quest
sind in den USA neuartige Zigaretten erhältlich, die weniger oder
kein Nikotin enthalten.
Bodensanierung
Phytosanierung schwermetallbelasteter Böden:
Die Pflanzen werden dahingehend verändert, dass sie auf diesen Böden wachsen
können und die Schwermetalle in der
Pflanzenmasse anreichern.
Freilandversuche mit gv-Tabak
EU
Gesamtanzahl Anträge
62
Länder
Frankreich 42,
Großbritannien 7, Spanien 7, Italien 2, Finnland 1, Deutschland 2,
Tschechien 1
Kanada, Argentinien, Japan, Brasilien, Bulgarien, China, Mexiko, Indien,
Serbien, Pakistan
Nutzung von gv-Tabak
Zulassungen EU
1994 ist ein in Frankreich entwickelter, herbizidtoleranter
Tabak zugelassen worden. Diese Zulassung ist nach heutigem
Recht nicht mehr gültig.
Zulassungen weltweit
zum Anbau
als Lebens- /
Futtermittel
USA
1
Merkmale
reduzierter Nikotingehalt
Anbau
EU
In Frankreich hat kein nennenswerter Anbau stattgefunden.
USA
In den USA sind Zigaretten mit reduziertem Nikotingehalt unter dem
Markennamen Quest erhältlich.
Es liegen aber keine Informationen über die wirtschaftliche
Bedeutung des Anbaus von nikotinfreiem gv-Tabak vor.
Versuchsfeld mit Tabakpflanzen
Nikotinarme Zigarette - in den USA seit 2003 auf dem
Markt. Unter dem Markennamen Quest
sind in den USA Zigaretten erhältlich, die weniger oder
kein Nikotin enthalten. Quest-Zigaretten werden aus gv-Tabak
hergestellt, in dem ein tabakeigenes, an der Nikotinbildung
beteiligtes Enzym blockiert ist.
Modellpflanze Tabak. Prof. Dr.
Ralph Bock vom Institut für molekulare Pflanzenphysiologie
am Max-Planck-Institut (MPI) in Potsdam-Golm. Er und seine
Arbeitsgruppe erforschen Methoden, Pflanzen nicht im
Zellkern, sondern in den Plastiden gentechnisch zu
verändern. Diese verfügen über eigene DNA.
Im Web
Tabak als Modellpflanze und als Produktionsplattform für
pharmazeutische Werkstoffe (Beispiele)
Modellpflanze Tabak, Plastidentransformation: „Wir
entwickeln keine Produkte. Wir testen aus, was
wissenschaftlich machbar ist.“ (bioSicherheit)
Medikamente aus genetisch veränderten Pflanzen im Kliniktest
(Fraunhofer-Gesellschaft 19.07.2011)
Hinweise
Stand Forschung und Entwicklung
Symbol Kasten: An der Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen wird bisher nur im Labor oder Gewächshaus
geforscht.
Symbol Pfeil: Die Entwicklung von Pflanzen mit den aufgeführten
Merkmalen ist relativ weit fortgeschritten. Es haben bereits
Versuche mit gv-Pflanzen im Freiland stattgefunden.
Freisetzungsversuche EU
In der Regel werden
einzelne Anträge mit dem Jahr der Antragstellung angegeben.
Ein Antrag kann Freilandversuche über mehrere Jahre und an
mehreren - Standorten umfassen. Es ist möglich, dass
genehmigte Freilandversuche nicht durchgeführt werden.