Warum es so wenig Produkte mit Kennzeichnung gibt

Die Vorschriften zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel sind in allen EU-Ländern gleich. Anders als etwa in den Niederlanden sind jedoch in deutschen Supermärkten beim Einkauf nur ganz selten Produkte zu finden, die auf dem Etikett auf die Gentechnik hinweisen.

Auf den ersten Blick ist das Sortiment scheinbar  "gentechnikfrei". Doch dass alle Produkte "ohne Kennzeichnung" sind, bedeutet nicht automatisch, dass alles ohne Gentechnik - oder genauer: ohne gentechnisch 
			veränderte Organismen (GVO)gentechnisch  veränderte Organismen (GVO) - hergestellt wurde.

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Importprodukte mit Kennzeichnung:
Vereinzelt sind auch in Deutschland aus den USA importierte Produkte anzutreffen, die gekennzeichnet sind, etwa der "Reese's" - Riegel. Er enthält Zutaten aus gentechnisch veränderten Zuckerrüben, gv-Mais und gv-Sojabohnen.

Ein  vollständiger Verzicht ist auch gar nicht möglich: Weltweit werden immer mehr gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Die Ernteprodukte gehen als Futtermittel und Rohstoffe für die Lebensmittelindustrie in die ganze Welt. Und vor allem: Viele Zusatzstoffe, Vitamine und Enzyme werden mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen produziert.

Dass sich diese Entwicklung dennoch nicht auf den Etiketten der Lebensmittel niederschlägt, hat mehrere Gründe. 

Hersteller: Kennzeichnung vermeiden

Viele Verbraucher sehen die Kennzeichnung als Hinweis auf mögliche gesundheitliche Risiken. Sie fühlen sich auf der "sicheren Seite", wenn sie sich für Produkte entscheiden, die nicht gekennzeichnet sind. Die Kennzeichnung wird als Warnhinweis interpretiert, nicht als Information über die Anwendung der Gentechnologie.

Die Hersteller müssen davon ausgehen, dass korrekt gekennzeichnete Produkte auf dem Markt keine Chance haben: Die Konsumenten würden sie im Regal liegen lassen und lieber zum nicht gekennzeichneten Produkt greifen -  obwohl sich beide in vielen Fällen stofflich nicht unterscheiden.

Zudem setzen Umwelt- und Verbraucherverbände Hersteller oder Händler sofort unter Druck, wenn sie Produkt mit Kennzeichnung auf den Markt bringen.

Wer korrekt kennzeichnet, wird mit Umsatz- und Vertrauensverlusten bestraft. Um das zu vermeiden, haben viele Hersteller die Rezepturen ihrer Produkte geändert: Bei Margarine werden etwa anstelle von Sojaölen Rapsöle verwendet, statt Sojalecithin chemische Emulgatoren.

Andere kaufen gegen Aufpreis Soja-Rohstoffe, bei denen durch Zertifikate bescheinigt wird, dass der GVO-Anteil unter dem Schwellenwert von 0,9 Prozent bleibt, so dass keine Kennzeichnungspflicht für die daraus hergestellten Zutaten besteht.

Gentechnik unterhalb der  Kennzeichnungsschwelle

Gerade Bereiche, bei denen die Anwendung der Gentechnik weit verbreitet und oft nicht vermeidbar ist, werden von der Kennzeichnung nicht erfasst.

Ausgenommen sind etwa:

  • Fleisch, Milch, Eier und andere tierische Lebensmittel, wenn Futtermittel aus gv-Pflanzen verwendet wurden.
    Jährlich werden etwa 35 Millionen Tonnen Sojarohstoffe in die EU eingeführt und überwiegend zu Futtermitteln verarbeitet. Handelsübliche Futtermittel auf Sojabasis bestehen in der Regel aus gv-Pflanzen.

  • Zusatzstoffe, Vitamine und Aromen, die mit Hilfe gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden.
    Bei einigen Vitaminen - etwa  Vitamin B2 - und vielen AminosäurenAminosäuren sind solche Herstellungsverfahren inzwischen die Regel.

  • Lebensmittelenzyme, die mit gv-Mikroorganismen hergestellt werden.
    Viele Enzyme werden unter Einsatz von gv-Mikroorganismen produziert. Sie werden nicht nur bei Waschmitteln oder in der Textil- und Papierindustrie verwendet, sondern auch bei der Herstellung und Verarbeitung von Käse, Backwaren, Saft oder Wein.

  • Zahlreiche Lebensmittelzutaten wie Traubenzucker, Glukosesirup oder Sorbit sind Produkte der "Stärkeverzuckerung". Dabei wird pflanzliche Stärke mit Hilfe von in der Regel "gentechnisch hergestellten" Enzymen in Zuckerbausteine aufgespalten. 

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Kennzeichnung? Kein Problem.

In den Niederlande ist die Kennzeichnung längst Normalität. Dort sind zahlreiche Produkte zu finden, die  vorschriftsmäßig gekennzeichnet sind.

Gesetze. Europa leistet sich ein umfangreiches Rechtssystem nur für die Grüne Gentechnik. Es ist weit verzweigt und kompliziert.
Im Web
  • EU-Verordnung (1829/2003) über gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel
31. Januar 2011 [nach oben springen]

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