Schnell wachsende Lachse:
Das ewige Zulassungsverfahren
Seit mehr als einem Jahrzehnt zieht sich in den USA das Zulassungsverfahren
für gentechnisch veränderte schnell
wachsende Lachse hin. Zwar haben Experten in einem Gutachten für die
US-Lebensmittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) den Verzehr der
gentechnisch veränderten Fische mehrheitlich als sicher eingestuft
und auch die Risiken für die Umwelt als gering eingeschätzt. Doch
inzwischen sind die Lachse ("Frankenfish") längst zu einem
politisch brisanten Thema und zum Symbol für die auch in den USA
wachsende Gentechnik-Kritik geworden. Doch 2013 könnte die Zulassung
erteilt werden. Ob die Lachse dann auch überall in den Auslagen der
Supermärkte liegen, scheint allerdings fraglich.
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Schneller groß: Gentechnisch
veränderter Lachs (hinten) und normaler
Atlantik-Lachs (vorn) mit gleichem Lebensalter.
Foto: Aquabounty

"Frankenfish": In den USA sind gentechnisch
veränderte Lachse das Symbolprodukt der
Gentechnik-Kritiker.

Eier von AquAdvantage-Lachs: Verkauf
in andere Länder? |
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Gentechnisch
veränderte Lachse: Eine Lange Geschichte
-
1989: Kandischen
Wissenschaftler haben Lachs gentechnisch
verändert, so dass er mehr
Wachstumshormone produziert.
-
1995: Erster
Zulassungsantrag von AquaBounty
für gv-Lachs in den USA
-
2001:
Untersuchungen zu Sicherheitsaspekten
-
2009:
Richtlinien der US-Lebensmittelbehörde
FDA für Zulassung von gv-Tieren;
Ergänzung des Zulassungsantrags für
gv-Lachs
-
2010: FDA:
Lebensmittel aus gv-Lachs sind
unbedenklich
-
2012: FDA
schließt erweiterte Überprüfung der
Umweltsicherheit von gv-Lachsen ab.
-
2013: Ergebnisse
der Sicherheitsbewertung liegen zur
öffentlichen Kommentierung aus;
Verlängerung der Frist bis 26. April.
(nach: Nature News,
02.05.2013) |
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Die gentechnisch veränderten Lachse wurden
von der Firma AquaBounty Technologies entwickelt. Wissenschaftler
des Unternehmens hatten zwei Gene in das Genom von Lachsen übertragen:
- ein Gen für ein Wachstumshormon einer anderen Lachsart
(Königslachs, Oncorhynchus tschawytscha)
- ein Regulationsgen eines Fisches (Zoarces americanus),
der an kalte Meeresregionen angepasst ist.
Normalerweise bildet der Lachs in kalten
Gewässern bzw. im Winter keine Wachstumshormone. Daher haben die
Wissenschaftler dem Gen für das Wachstumshormon ein Regulationsgen
für Anti-Frost-Proteine vorgeschaltet. Anti-Frost-Proteine
ermöglichen das Überleben in eiskaltem Wasser und sind daher bei
niedrigen Temperaturen aktiv.
Das Resultat: Die gv-Lachse wachsen
ganzjährig und erreichen daher bereits innerhalb von 16 bis 18
Monaten ihr Schlachtgewicht von 18 Kilogramm. "Normale"
atlantische Lachse brauchen rund drei Jahre,
um zu dieser Größe heranzuwachsen.
Vor über zehn Jahren wurde die Zulassung der
gv-Lachse bei der amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA beantragt, doch
diese zögerte eine Entscheidung immer wieder hinaus. Lange
Zeit schien eine Markteinführung der transgenen Lachse (Markenname:
AquAdvantage) in weiter Ferne.
FDA: Keine Sicherheitsbedenken, aber langes Zögern vor der
Zulassungsentscheidung
Nachdem 2009 in den USA Richtlinien für die
Zulassung und Sicherheitsbewertung von Lebensmitteln aus gv-Tieren
in Kraft getreten waren, wurden sie bei den gv-Lachsen erstmals
angewandt: Nach dem Gutachten der amerikanische
Lebensmittelbehörde FDA unterscheiden sie sich die bis auf das neu
eingeführte Merkmal nicht von ihren
konventionellen Verwandten. Geprüft wurden etwa
Geschmack, Farbe und Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen,
Fettsäuren, Eiweißen und anderen Nährstoffen. Der Verzehr von gv-Lachs sei für
die Gesundheit unbedenklich.
FDA: Keine Sicherheitsbedenken, aber langes Zögern vor der
Zulassungsentscheidung
Nachdem 2009 in den USA Richtlinien für die
Zulassung und Sicherheitsbewertung von Lebensmitteln aus gv-Tieren
in Kraft getreten waren, wurden sie bei den gv-Lachsen erstmals
angewandt: Nach dem Gutachten der amerikanische
Lebensmittelbehörde FDA unterscheiden sie sich die bis auf das neu
eingeführte Merkmal nicht von ihren
konventionellen Verwandten. Geprüft wurden etwa
Geschmack, Farbe und Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen,
Fettsäuren, Eiweißen und anderen Nährstoffen. Der Verzehr von gv-Lachs sei für
die Gesundheit unbedenklich.
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Zudem habe AquaBounty
nachweisen können, dass die eingeführten Gene stabil von Generation zu
Generation vererbt werden und die gentechnische Veränderung
keine Auswirkungen auf die Tiergesundheit habe.
Viele Umweltgruppen und Fischereiverbände
lehnen die Zulassung der gentechnisch veränderten Lachse jedoch aus
anderen Gründen ab. Sie befürchten, dass die transgenen Fische aus den Tanks der Zuchtfarmen entweichen
und die in den freien Gewässern lebenden weniger großen Artgenossen
verdrängen könnten.
Dieses Risiko schätzte die FDA bei Einhaltung aller
Sicherheitsvorkehrungen jedoch als gering ein. Zudem würde das
Unternehmen bei einer Zulassung nur unfruchtbare weibliche Tiere
vermarkten, die in geschlossen, nicht in natürlichen Gewässern
gelegenen Aquakulturen aufgezogen
würden. Dann wäre
eine Fortpflanzung in freier Natur kaum möglich.
Im September 2010 präsentierte die FDA ihre
Ergebnisse im Rahmen einer öffentlichen Anhörung. Dabei kamen auch weitere wissenschaftliche Experten,
das Unternehmen sowie Umwelt- und Verbraucherorganisationen zu Wort.
Die Mehrheit der Fachexperten schätzte die gv-Lachse
als sicher ein. Es gab jedoch auch Kritik an einigen Studien, da
deren Datenbasis zu klein gewesen sei. Besonders die
Vertreter der Verbraucherorganisationen hatten darauf hingewiesen,
dass die gv-Lachse nicht ausreichend auf Allergierisiken geprüft
worden seien und empfahlen, noch weitere Untersuchungen
durchzuführen. Später setzten einige Politiker einen Beschluss des
US-Repräsentantenhauses durch, mit dem der FDA weitere finanzielle
Mittel für das Zulassungsverfahren gesperrt wurden.
Nach weiteren Verzögerungen veröffentlichte
die FDA Ende 2012 einen
das Ergebnis einer weiteren Umweltverträglichkeitsprüfung. Eine Aufzucht von gv-Lachsen
soll nur in Fischfarmen mit abgeschlossenen
Tanks ohne Verbindung zu offenen Gewässern erlaubt werden. Bis Ende April 2013 konnte die
Öffentlichkeit dazu Stellung nehmen. Noch 2013 wird die FDA über
eine endgültige Zulassung der
AquAdvantage-Lachse entscheiden.
Ob allerdings sie auch ein wirtschaftlicher
Erfolg werden, erscheint fraglich. Mehrere
US-Supermarktketten haben angekündigt, AquAdvantage
nicht in ihr Sortiment aufnehmen zu wollen. Der
Marktanteil des gv-Lachses wäre ohnehin
verschwindend gering: Die USA importieren jährlich
230 000 Tonnen Atlantik-Lachs aus Fischfarmen; die
bislang einzige Fischfarm zur Aufzucht der gv-Lachse
in Panama hat nur eine jährliche
Produktionskapazität von 100 Tonnen. Jede weitere
Fischfarm in den USA würde eine eigene FDA-Zulassung
mit Umweltprüfung benötigen. Um die
Investitionen von rund 60 Millionen US-Dollar wieder
hereinzuholen, setzt AquaBounty eher auf den
ausländischen Markt. Die Firma hofft, in großem
Maßstab gv-Lachseier an Fischzüchter etwa in
Argentinien, Kanada und China verkaufen zu können.
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