Brasilien: Die "ohne Gentechnik"-Märkte in Europa verlieren an
Bedeutung
Brasilien war lange Zeit das einzige große Exportland, das
offiziell "ohne Gentechnik" produzierte. Die europäische
Lebensmittelwirtschaft, die eine Gentechnik-Kennzeichnung ihrer
Produkte vermeiden will, bezieht "gentechnik-freie" Sojarohstoffe
in der Regel aus Brasilien. Der Verzicht
auf den Anbau von gv-Sojabohnen sollte der brasilianischen
Landwirtschaft gegen die Konkurrenz aus Argentinien und den USA einen Vorteil auf dem besonders sensiblen Markt
in Europa verschaffen, hieß es lange Zeit. Doch in
den letzten Jahren ist für die brasilianischen Sojaproduzenten vor
allem China als
Absatzmarkt interessant geworden. Das Land führt inzwischen große Mengen
Sojarohstoffe ein. Dort ist die Verwendung von gv-Sojabohnen als
Futter- und Lebensmittel erlaubt.
Der jahrelange illegale Anbau hat Fakten geschaffen
Anders als in den Nachbarländern war der
Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien bis 2003 offiziell verboten. Über Jahre wurde gentechnisch verändertes Saatgut aus
Argentinien oder Paraguay nach Brasilien geschmuggelt und vor allem
in dem südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul
angebaut. Der illegale Anbau von gv-Soja erreichte hier einen Anteil von
etwa 30 Prozent der Produktion. Damit wurden Fakten geschaffen, die
politisch nicht ignoriert werden konnten.
Schritt für Schritt lockerte die
brasilianische Regierung das Anbauverbot für gentechnisch veränderte
herbizidtolerante Sojabohnen (RoundupReady).
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