Gentechnisch veränderte Sojabohnen in Brasilien: Erst illegal, nun normal

Nach jahrelangen politischen und juristischen Auseinandersetzungen hat Brasilien im Frühjahr 2005 den Anbau und Verkauf von gentechnisch veränderten Sojabohnen auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Inzwischen werden knapp 90 Prozent der nationalen Soja-Anbauflächen mit gv-Sorten bewirtschaftet.

Brasilien ist nach den USA weltweit der zweitgrößte Sojaproduzent. Zusammen mit Argentinien decken diese Länder drei Viertel des Welt-Sojabedarfs. Allein in Brasilien haben sich in den letzten zehn Jahren die Anbauflächen für Soja fast verdoppelt.

Knapp 80 Prozent der Welt-Sojaproduktion entfällt auf gentechnisch veränderte Sorten. In den USA beträgt deren Anteil über 90 Prozent, in Argentinien ist der konventionelle Anbau nahezu verschwunden (GVOGVO-Anteil: 99 Prozent).

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Erst illegal, nun mit wachsendem Flächenanteil: Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien
 

Anbauflächen für gv-Sojabohnen in Brasilien (in Mio. ha)

1999 1,4
2000 3,6
2001 5,7
2002 6,3
2003 3,0
2004 5,0
2005 9,0
2006 9,2
2007 14,5
2008 15,0
2009 16,2
2010 17,5
2011 20,6
2012 21,4
2013 24,4*

1997-2002: Illegaler Anbau; Zahlen geschätzt.
Angegeben sind jeweils die Erntejahre

*geschätzt

Brasilien: Die "ohne Gentechnik"-Märkte in Europa verlieren an Bedeutung

Brasilien war lange Zeit das einzige große Exportland, das offiziell "ohne Gentechnik" produzierte. Die europäische Lebensmittelwirtschaft, die eine Gentechnik-Kennzeichnung ihrer Produkte vermeiden will, bezieht "gentechnik-freie" Sojarohstoffe in der Regel aus Brasilien. 

Der Verzicht auf den Anbau von gv-Sojabohnen sollte der brasilianischen Landwirtschaft gegen die Konkurrenz aus Argentinien und den USA einen Vorteil auf dem besonders sensiblen Markt in Europa verschaffen, hieß es lange Zeit. 

Doch in den letzten Jahren ist für die brasilianischen Sojaproduzenten vor allem China als Absatzmarkt interessant geworden. Das Land führt inzwischen große Mengen Sojarohstoffe ein. Dort ist die Verwendung von gv-Sojabohnen als Futter- und Lebensmittel erlaubt.

Der jahrelange illegale Anbau hat Fakten geschaffen

Anders als in den Nachbarländern war der Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien bis 2003 offiziell verboten. Über Jahre wurde gentechnisch verändertes Saatgut aus Argentinien oder Paraguay nach Brasilien geschmuggelt und vor allem in dem südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul angebaut. Der illegale Anbau von gv-Soja erreichte hier einen Anteil von etwa 30 Prozent der Produktion. Damit wurden Fakten geschaffen, die politisch nicht ignoriert werden konnten. 

Schritt für Schritt lockerte die brasilianische Regierung das Anbauverbot für gentechnisch veränderte herbizidtoleranteherbizidtolerante Sojabohnen (RoundupReady).

  • Im Juni 2003 wurde in Brasilien erstmals der Verkauf von illegal angebautem gv-Soja freigegeben und eine Kennzeichnung von GVO-Anteilen über 1,0 Prozent  vorgeschrieben.

  • Bis 2006 war durch mehrfach verlängerte Dekrete des damaligen Präsidenten Lula da Silva der Anbau von gv-Soja unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

  • Mit einem auch vom Parlament unterstützten Gesetz wurde ab 2006 der Anbau von gv-Sojabohnen in Brasilien endgültig geregelt.

2013 betrug der Anteil gv-Sorten an der nationalen Sojaerzeugung etwa 90 Prozent. Inzwischen ist auch der Anbau weiterer gv-Sojabohnen in Brasilien erlaubt.

Im Süden mit Gentechnik, im Norden ohne

Inzwischen zeichnet sich die Aufteilung Brasiliens in zwei unterschiedliche Soja-Anbauzonen ab. 

  • Der Anbau von gv-Sorten in Brasilien konzentriert sich vor allem auf die südlichen Bundesstaaten Rio Grande do Sul und Paranà. Der Anteil von gv-Soja an der Gesamt-Sojaproduktion wird 2012/2013 für diese Regionen auf 99 Prozent bzw. 85 Prozent geschätzt. Wie ihre Kollegen in den USA und Argentinien produzieren die brasilianischen Farmer für den allgemeinen Weltmarkt. Eine Trennung in konventionelle und GVO-Qualitäten ist technisch zu aufwändig und teuer. 

  • Der Norden des Landes setzt weiter auf den konventionellen Sojaanbau. Anbau, Lagerung und Transport werden so organisiert, dass möglichst wenige GVO-Beimischungen zu erwarten sind. Damit wird die Nachfrage nach "gentechnik-freien" Rohstoffen gedeckt, deren GVO-Anteil unterhalb der in der EU gültigen Kennzeichnungsschwelle von 0,9 Prozent  bleibt. Für "gentechnik-freies" Soja wird ein Aufpreis gezahlt.

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Gv-Sojabohnen haben sich weltweit durchgesetzt: Auf sie entfallen drei Viertel der Welt-Sojaerzeugung. Anfangs waren ausschließlich gv-Sorten mit Herbizidresistenzen auf dem Markt. Inzwischen sind in Nordamerika auch Sojabohnen mit veränderter Fettsäurezusammensetzung erhältlich.
Futter: Jede Menge Soja. Europa führt jährlich 35 Millionen Tonnen Sojarohstoffe ein - rechnerisch 65 kg für jeden EU-Bürger. Ohne diese Importe wäre die europäische Fleischproduktion auf dem derzeitigen Niveau nicht möglich.
20. Dezember 2012 [nach oben springen]

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