Ein anspruchsvolles
Züchtungsziel:
Die wassereffiziente Nutzpflanze
Wasser ist eine immer knapper werdende
Ressource. Schon heute fließen weit mehr als zwei Drittel des
weltweiten Wasserverbrauchs in die Landwirtschaft - und mit
zunehmender Erderwärmung wird dieser Anteil steigen. Ein Drittel der
Agrarflächen leidet unter unzureichender Wasserversorgung. Ein effizienterer Umgang mit
Wasser ist daher ein wichtiges Ziel - für die Landwirtschaft weltweit, aber
auch für Pflanzenforscher und -züchter. Doch ob mit oder ohne
Gentechnik: Bis zu neuen dürretoleranten Pflanzensorten ist es ein
weiter, schwieriger Weg.
In vielen Regionen ist Wasser der
limitierende Faktor für die Landwirtschaft. Es kann nur die Menge erzeugt werden,
wofür das Wasser ausreicht. Wenn keine neuen
Wasserquellen - etwa Ferntransport, Tiefenwasser oder Wasser aus
Entsalzungsanlagen - erschlossen werden können, dann ist der einzige
Weg zu besseren Ernten, das vorhandene Wasser so effizient wie
möglich zu nutzen.
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Wasser: Limitierender Faktor für die
Landwirtschaft. Die Erforschung und Entwicklung
von Pflanzen, die auch bei Dürre oder Wassermangel
gute Erträge liefern ist ein wichtiges Ziel in der
Pflanzenforschung.

Arabidopsis (Ackerschmalwand), die
Hauspflanze der Pflanzengenetiker. An ihr wird der
genetische Hintergrund von Pflanzenformen und -eigenschaften
erforscht.

Grundlagenforschung mit Arabidopsis:
Verschiedene Pflanzenindividuen reagieren
unterschiedlich auf Trocken- oder Hitzestress. Heute
kann man herausfinden, auf welche Genvarianten es
zurückzuführen ist, wenn Pflanzen damit besser
zurechtkommen. So will man geeignete Kandidatengene
für stresstolerante Pflanzen finden.
Fotos: ©stefanov764-Fotolia.com (oben),
INRA/IJMS (unten) |
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Ein Patentrezept dafür gibt es nicht: Mit
besseren Bewässerungssystemen lassen sich Verluste in Folge von Verdunstung oder
Leckagen oft erheblich reduzieren. Die Landwirte können durch angepasste
Kulturarten, geeignete Fruchtfolgen und Bearbeitungsverfahren die
Austrocknung und Erosion des Bodens vermindern. Und: Notwendig ist
auch die Entwicklung von Pflanzen mit hoher
"Wassernutzungseffizienz", die möglichst viel Biomasse bei einem
möglichst geringem Wasserverbrauch produzieren.
In den letzten Jahren ist eine bessere
Toleranz gegenüber Trockenheit oder anderen
Stressfaktoren wie Hitze, Salz oder Kälte zu einem wichtigen
Ziel in der Pflanzenzüchtung geworden. Doch es ist alles andere
als einfach, neue Sorten mit deutlich verbesserten
Stress-Eigenschaften zu züchten.
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Anders als viele Resistenzen gegen
Krankheiten und Schädlingen ist etwa Trockentoleranz nicht durch
einzelne Gene bestimmt, sondern durch ein komplexes
Zusammenspiel zahlreicher genetischer Faktoren. Hinzu kommt,
dass sich die verschiedenen Stressantworten in der Pflanze
untereinander beeinflussen oder sich auf die Produktivität
auswirken. Oft sind stresstolerante Pflanzen weniger
ertragsreich.
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Eine einfache Selektion von Pflanzen auf
ein bestimmtes Stresstoleranz-Merkmal ist schwierig, da der
dafür verantwortliche "genetische Hintergrund" nicht vollständig an die
Nachkommen weitervererbt wird. Ein Problem ist auch, dass bei
Kreuzungen zwischen stresstoleranten Linien und Kultursorten
diese ihre erwünschten Eigenschaften - etwa in Bezug auf
Produktqualität oder Anbau - verlieren können.
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Zudem soll eine bessere Stresstoleranz
nicht mit Ertragseinbußen erkauft werden. So sollen
trockentolerante Sorten zwar bei Wassermangel bessere Erträge
liefern als konventionelle Sorten, jedoch nicht schlechter sein, wenn ausreichend Wasser
vorhanden ist.
Wie Pflanzen auf Stress reagieren - die Suche nach dem
genetischen Hintergrund
Derzeit wird auf dem Gebiet der
Stresstoleranzen von Pflanzen noch viel Grundlagenforschung
betrieben. Das betrifft etwa die Suche nach dem genetischen
Hintergrund der verschiedenen biologischen Mechanismen, mit denen
sich Pflanzen - aber auch andere Organismen - an Trockenheit oder
andere Stresssituationen anpassen. So weiß man, dass manche
Pflanzenarten bei Trockenheit ihr Wurzelwachstum intensivieren, um
an Wasser aus tieferen Bodenschichten heranzukommen, andere Pflanzen
stellen dagegen das Wachstum ein.
Ein weiterer Mechanismus sind die
Spaltöffnungen (Stomata) an der Blattunterseite, mit denen Pflanzen ihre
Kühlung regulieren und die bei Wassermangel
geschlossen werden. Versuche zeigen, dass sich über diesen Vorgang die Wassereffizienz einer Pflanze deutlich verbessern
lässt.
Allerdings führen geschlossene Stomata auch zu einer Verringerung
der Photosynthese.
Viele solcher Ansätze für Trocken- und
Stresstoleranzen werden derzeit in der Pflanzenforschung verfolgt,
aber bisher sind daraus erst wenige neue Sorten hervorgegangen, die
eine deutlich bessere Wassereffizienz aufweisen. Das gilt sowohl für "gentechnisch
veränderte" als auch für mit anderen molekularbiologischen Verfahren
"gezüchtete" Pflanzen.
Mit Gentechnik. Als "gentechnisch
verändert" im Sinne der Gesetze gelten Pflanzen dann, wenn neue Gene
eingeführt wurden, die aus anderen Organismen stammen. Ohne eine
besondere Zulassung und Sicherheitsbewertung dürfen sie nicht auf
den Markt. In
vielen Ländern werden sie von einer gentechnik-skeptischen
Öffentlichkeit mit Misstrauen betrachtet.
Eine erste trockentolerante gv-Maissorte ist
in den USA zugelassen. Weltweit gibt es eine Reihe von Projekten, in
denen neue Konzepte für stress- und trockentolerante Pflanzen mit neuen Genen
getestet werden.
Ohne Gentechnik. Auch ohne "fremde"
Gene einzuführen, können Fortschritte bei Stresstoleranzen erzielt
werden. "Konventionelle" Pflanzenzüchtung ist heute in
weiten Teilen angewandte Molekularbiologie. Damit ist es möglich, jene
Gene und Genvarianten zu identifizieren, die für die Ausprägung
eines bestimmten Toleranzmerkmals verantwortlich sind. Mehr noch: Mit der heutigen extrem
leistungsstarken Sequenzier- und Analysetechnik kann man schon auf
der Genomebene untersuchen, ob in den Nachkommen das mit dem
angestrebten Merkmal korrelierende Gen-Muster vorhanden ist.
Diese moderne "Präzisionszüchtung" wird auch
als SMART Breeding (Selection with Markers and Advanced
Reproductive Technologies) bezeichnet. Solche Pflanzen gelten -
mit Ausnahme Kanadas - nicht als "gentechnisch verändert".
Sie müssen
keine besondere gesetzlichen Auflagen erfüllen und werden von den
meisten Konsumenten als
"natürliche", herkömmlich gezüchtete Sorten wahrgenommen.
Ähnliches gilt für die Mutationszüchtung, bei
der mit geeigneten Techniken - Chemikalien, Bestrahlung - eine
Vielzahl zufälliger, ungerichteter Mutationen hervorgerufen
werden. Unter den so behandelten Pflanzen werden dann mit
molekularbiologischen Verfahren diejenigen Mutanten herausgesucht,
bei denen die für die angestrebte Stresstoleranz richtigen
Genvarianten entstanden sind.
Ein Beispiel für die neue Generation
trockentoleranter Pflanzensorten ist der Aquamax-Mais des
Agrokonzerns Pioneer. Bei seiner Entwicklung wurden
verschiedene Verfahren - etwa SMART Breeding - genutzt.
Seit 2012 sind in den USA Aquamax-Sorten auf dem Markt.
Bereits im ersten Jahr wurden sie auf 800.000 Hektar angepflanzt. In
Anbauversuchen sollen sie bei moderater Trockenheit deutlich bessere
Erträge geliefert haben als andere Sorten.
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