Deutschlands Felder sind jetzt "gentechnik-frei"

(17.01.2012) In Deutschland und den meisten EU-Ländern sind die Felder "ohne Gentechnik". Nach dem Rückzug der BASF Plant Science  aus Europa und damit dem Ende der Amflora wird in Deutschland keine gentechnisch veränderte Pflanze mehr angebaut. Auch am Verbot von Bt-Mais MON810 wird sich vorerst nichts ändern. Die ohnehin schon geringe Zahl der Freilandversuche wird weiter zurückgehen. Europa und Deutschland koppeln sich damit von der internationalen Entwicklung ab.

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Aus für die Amflora-Kartoffel: Kein Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland
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Pflanzenforschung in Deutschland: Nur im Gewächshaus und "ohne Gentechnik"

Die BASF Plant Science konzentriert ihre Aktivitäten im Bereich Pflanzenbiotechnologie in Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina. Bis auf wenige Stellen werden alle Arbeitsplätze in der bisherigen Zentrale in Limburgerhof (Rheinland-Pfalz) abgebaut, die Standorte der BASF-Tochter Sungene in Gatersleben (Sachsen-Anhalt) und in Svalöv (Schweden) geschlossen.

"In weiten Teilen Europas fehlt es bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker an Akzeptanz für die Pflanzenbiotechnologie", begründete BASF-Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski die Entscheidung seines Unternehmens. Man werde sich künftig auf die "attraktiven Märkte in Nord- und Südamerika und die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren."

Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, die Entwicklung und die Vermarktung aller Produkte einzustellen, die allein für den europäischen Markt bestimmt waren. Davon betroffen ist die 2010 für den Anbau zugelassene gentechnisch veränderte Stärkekartoffel Amflora, aber auch weitere Projekte mit ähnlichen Kartoffeln (Amadea, Modena).

Ebenso werden alle Pläne zur Markteinführung der bereits "fertigen" Fortuna-Kartoffel eingestellt, die eine durch Gene von Wildkartoffeln vermittelte Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule besitzt. Zudem wird die Entwicklung einer gegen Pilzkrankheiten resistenten Weizensorte nicht fortgeführt. "Um alle Optionen für die Kartoffelprodukte zu erhalten", sollen bereits eingeleitete Zulassungsprozesse fortgeführt werden.

Mit dem Aus für die Amflora-Kartoffel wird es in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern vorerst keinen landwirtschaftlichen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen geben. Da auch das in Deutschland verhängte Verbot für den Bt-Mais MON810 im kommenden Jahr bestehen bleibt, sind keine zugelassenen gv-Sorten auf dem Markt. Freilandversuche, in den letzten Jahren bereits stark zurückgegangen, wird es 2012 allenfalls vereinzelt geben.

Der Rückzug der Pflanzenbiotechnologie aus Europa bestätigt eine sich schon länger abzeichnende Tendenz. Große Unternehmen wie Bayer, Syngenta und auch Monsanto orientieren sich in diesem Sektor nicht mehr nach Europa, kleinere Züchtungsunternehmen haben eigene Projekte mit gv-Pflanzen längst aufgegeben. Die hier verbleibenden Forschungsaktivitäten der Unternehmen konzentrieren sich auf Genom- und Grundlagenforschung. Dabei geht es etwa darum, die an der Ausprägung bestimmter Merkmale beteiligten Gene zu identifizieren und ihre Funktion zu entschlüsseln. Öffentliche Forschung wie Unternehmen setzen zunehmend auf neue molekularbiologische Verfahren, mit denen Pflanzen mit ähnlichen Zielen wie bei der Gentechnik entwickelt werden können. Solange eine neue Pflanze nicht als "gentechnisch verändert" gilt, lassen sich nicht nur Kosten und Aufwand für jahrelange gentechnik-rechtliche Zulassungen sparen, sondern auch den Problemen einer fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz aus dem Weg gehen.

Während Europa eine landwirtschaftliche Nutzung der Grünen Gentechnik ablehnt, nimmt der Anbau gv-Pflanzen in vielen Ländern Nord- und Südamerikas und einigen asiatischen Regionen weiter zu. Neue gv-Sorten mit neuen Merkmalen, etwa Trockentoleranz oder Virusresistenz kommen bald auf den Markt, auch bei Arten wie Bohnen, Zuckerrohr oder Reis.

Als Folge dieses globalen Auseinanderdriftens werden Handelskonflikte weiter zunehmen. Europa ist auf die Einfuhr von Agrarprodukten angewiesen, vor allem bei eiweißreichen Futtermitteln. Doch in den Erzeugerländern setzen die Landwirte trotz der gentechnik-feindlichen Stimmung in Europa zunehmend auf gv-Pflanzen. Eine separate "gentechnik-freie" Erzeugung für den europäischen Markt wird immer aufwändiger und teurer, zumal für in der EU noch nicht zugelassene GVO-Produkte eine in der Praxis kaum erreichbare "Null-Toleranz" gilt.

Mehr bei transGEN:

Mehr im Web:

 

"Es ist so interessant für uns." Eine Gruppe junger Agrar- und Pflanzenwissenschaftler aus sieben Ländern besuchte 2011 den Schaugarten Üplingen. Sie informierten sich über die dort gezeigten gentechnisch veränderten Pflanzen und neue Möglichkeiten in der Pflanzenzüchtung.
Die Kartoffel - Verwandte, Feinde, Forschung. Ein Besuch im Schaugarten des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln.

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