|
Aussaat: Filigranarbeit mit großen
Maschinen
"Wir haben den Landwirten bei der Aussaat
einiges zugemutet", sagt Inge Broer von der Universität Rostock. Die Professorin
für Agrobiotechnologie am Institut für Landnutzung
hat das komplizierte Anbauschema ausgearbeitet und ist
wissenschaftliche Leiterin des diesjährigen Erprobungsanbaus, der
2005 an zwölf Standorten in drei Bundesländern stattfindet.
"Das war nicht ganz
einfach mit den großen Maschinen verschiedene Pflanzenarten und
Sorten auf so engem Raum nebeneinander auszusäen. Ständig mussten
die Maschinen gesäubert werden." Damit sollte verhindert werden,
dass versehentlich einzelne Bt-Saatkörner auf die Flächen mit konventionellem Mais
gelangten. Keimten dort einzelne Bt-Pflanzen aus, würde
das im Herbst die Ergebnisse verfälschen.
Bei der praktischen Durchführung der Versuche
wird die Universität vom "Verein zur Förderung einer innovativen und nachhaltigen Agro-Biotechnologie"
(FINAB) unterstützt. Im November 2004 ist der Verein in das neue Agrobiotechnikum in Groß-Lüsewitz eingezogen.
Zwischenflächen: Pollenbarriere oder Pollenschleuse
Im Herbst, kurz vor der Ernte werden Mitarbeiter in den umgebenden normalen Maisbeständen planmäßig
hunderte von Kolben pflücken. Daraus werden nach einem bestimmten
Schema Laborproben zusammengestellt.
Herausgefunden werden soll, wie oft es zu
Einkreuzungen von Bt-Mais in konventionellen Pflanzen gekommen ist.
Dass der Polleneintrag mit wachsender Entfernung zur Bt-Parzelle
rasch abnimmt, haben bereits die Versuche des vergangenen Jahres
gezeigt. Nun geht es um die Zwischenflächen und die Art ihrer
Nutzung. Einbezogen sind nicht nur Kulturpflanzen verschiedener
Größe wie Sommergerste, Kartoffeln, Erbsen und Weidelgras. Auch Hecken und eine Straße wollen die
Wissenschaftler auf ihre Wirkung als Pollenbarriere untersuchen.
"Was wir herausfinden, hat für die
Landwirtschaft große Bedeutung," meint Inge Broer. "In der Praxis
wird ja ein Bt-Maisfeld nicht direkt an ein konventionelles grenzen.
Dazwischen liegen meist andere Felder. Wenn wir die
Analyseergebnisse ausgewertet haben, werden wir ziemlich genau
wissen, wie groß diese Zwischenflächen sein sollten, um nennenswerte
Polleneinträge zu vermeiden. "
Schon im letzten Jahr haben Universität und
FINAB ähnliche
Versuche durchgeführt. "Wir machen an denselben Standorten das
gleiche wie im letzten Jahr," so Broer. "Das hat einen großen Vorteil:
Wir können unmittelbar Vergleiche ziehen. So gibt es hier in
Ostseenähe einen starken Wind aus einer vorherrschenden Richtung. Im
letzten Jahr haben wir hier von allen Standorten des
Erprobungsanbaus die stärksten Polleneinträge gemessen.
Ich bin gespannt, ob wir im Herbst ähnliche Ergebnisse haben."
Erprobungsanbau in Ramin: Wenn der Zünsler kommt ...
Die Arbeitsgruppe um Inge Broer betreut auch das
Versuchsfeld in Ramin im Ucker-Randow-Kreis in der Nähe der Oder. Es
liegt auf den Flächen der Raminer Agrar GmbH, die sich schon im
letzen Jahr am Erprobungsanbau beteiligt hat. "Es ist wichtig,
Erfahrung mit Bt-Mais zu gewinnen. Für uns war es keine Frage, noch
einmal mitzumachen," erklärt Geschäftsführer Harald Nitschke.
"Abgesehen von den Versuchsfeldern bauen wir in diesem Jahr keinen
Bt-Mais an. Der Befall mit Maiszünslern ist hier noch nicht so stark
wie weiter südlich im Oderbruch." Allerdings rechnet Nitschke damit,
dass der Zünsler immer weiter nach Norden vordringt. "In diesem Jahr
war es im Frühsommer nicht so kalt wie 2004. Es ist gut möglich, dass der Zünslerbefall deshalb deutlich zunimmt."
Die Versuchsfelder in Ramin werden vom
Landespflanzenschutzamt in Neubrandenburg betreut.
|