Bioethanol Anlage USA

Der Bioethanol-Mais

Mais als Energielieferant - in Deutschland kennt man vor allem die Verwertung von Mais in Biogasanlagen. In den USA wird dagegen ein großer Teil der Maisernte genutzt, um Bio-Treibstoffe zu erzeugen. Das soll durch einen neuen gentechnisch veränderten Mais effektiver und kostengünstiger werden. Der vom Schweizer Agro-Unternehmen Syngenta entwickelte Enogen-Mais wird seit 2013 mit zunehmender Tendenz in mehreren US-Bundesstaaten angebaut und in speziellen Bioethanol-Anlagen verarbeitet.

Enogen Mais

USA: Felder mit Enogen-Mais

Kurzübersicht Enogen-Mais (Eventbezeichnung 3272):

-Ziel: effektive Umwandlung der Maisstärke in Bioethanol, Einsparung von Wasser und Energie

-neu eingeführtes Gen aus einem an hohe Temperaturen angepassten Bakterium

-Verwertung ausschließlich als Rohstoff für die Bioethanolgewinnung

-für den Anbau zugelassen in den USA, Kanada, Brasilien und Japan

-Importzulassungen in mehreren Ländern

-Antrag in der EU gestellt, wegen unzureichender Daten hat die EFSA bisher keine abschließende Sicherheitsbewertung erstellt

-Ohne Zulassung darf in Agrarexporten aus den USA 3272-Mais nicht nachweisbar sein (Nulltoleranz)

(Stand: März 2017)

Großes Foto oben: Eine kleine Anlage zur Herstellung von Bioethanol, wie sie im Mittleren Westen der USA häufig anzutreffen ist. Foto: iStockphoto

kleines Foto: Wallace Farmer

Der Rohstoff zur Herstellung von Bio-Ethanol sind zucker- oder stärkehaltige Pflanzen - in den USA vor allem Mais. Dort geht ein zunehmend größer werdender Anteil der US-Maisernte in die Bioethanol-Produktion, 2013 waren es etwa 40 Prozent. Das Renewable Fuel Standard Programm der US-Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Menge der Biotreibstoffe von 34 Milliarden Litern im Jahr 2008 auf 135 Milliarden Liter bis 2022 zu erhöhen. Diese werden - ähnlich wie in der EU - den herkömmlichen Treibstoffen beigemischt.

Um Bioethanol aus Pflanzen zu gewinnen, muss deren Stärke - große, verzweigte Moleküle - mit Hilfe von Enzymen in kleinere Zuckereinheiten zerlegt werden. Diese werden anschließend durch Hefegärung in Ethanol (Alkohol) umgewandelt. Bisher wird das benötigte Enzym meist mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen industriell hergestellt und dem Bioethanol-Prozess zugesetzt.

Mit dem neuen, von Syngenta entwickelten gv-Mais (Markenname Enogen, Eventbezeichnung 3272) ist das nicht mehr erforderlich. Er verfügt über ein zusätzlich eingeführtes Gen aus einem Bakterium, welches an hohe Temperaturen angepasst ist. Es kann eine Variante des Stärke spaltenden Enzyms Amylase produzieren, welche auch bei hohen Prozesstemperaturen wirksam ist. Dadurch sollen Wasser und Energie gespart, die Prozessführung vereinfacht und die Ethanolausbeute gesteigert werden. Aus Sicht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums hat Enogen-Mais den Vorteil, mehr Ethanol bei gleichbleibender Anbaufläche erzeugen zu können. Verglichen mit anderen Pflanzenarten wie etwa Zuckerrohr ist die Bioethanol-Ausbeute von Mais bisher relativ gering.

Trennung vom Futter- und Lebensmittelbereich möglich?

Fünf Jahre nachdem der Antrag eingereicht wurde, erlaubte die US-amerikanische Landwirtschaftsbehörde USDA im Februar 2011 den uneingeschränkten Anbau von Enogen-Mais. Auf knapp 20.000 Hektar, so die Behörde, sei der Mais zuvor unter kontrollierten Bedingungen angebaut worden, ohne dass Probleme aufgetreten seien. Alle gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen möglicher Risiken und Umweltauswirkungen seien durchgeführt worden.

Dagegen hatten Verbraucherorganisationen, aber auch Vertreter von Getreidemühlen und Lebensmittelherstellern vor einer Freigabe des Enogen-Maises gewarnt. Werde dieser großflächig angebaut, sei es kaum auszuschließen, dass er auch in die für Lebens- und Futtermittel bestimmte Maisernte gelangen könnte. Die infolge des eingeführten Gens gebildete Amylase-Variante des Enogen-Maises sei neu in der Nahrung. Man wisse zu wenig über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, zumal einige Amylasen bekannte Allergene seien.

Die zuständige Landwirtschaftsbehörde USDA wies diese Bedenken als unbegründet zurück. Zudem habe auch die Lebensmittelbehörde FDA Enogen-Mais geprüft, ohne Anhaltspunkte für ein gesundheitliches Risiko zu finden. Syngenta hat sich verpflichtet, besondere Anbau- und Verarbeitungsbedingungen für Enogen-Mais zu etablieren, um Einträge in die Lebens- und Futtermittelkette zu minimieren.

Vertragsanbau für Enogen-Mais

Farmer, die Enogen-Mais nutzen wollen, müssen sich verpflichten, die Ernte nur an bestimmte, vertraglich festgelegte Bioethanol-Anlagen zu liefern. Aufgrund der Kostenvorteile bei der Bioethanol-Verarbeitung erhalten gegenüber konventionellem Mais einen deutlichen Preisaufschlag. Während 2013 noch etwa 300 Farmer auf knapp 30.000 Hektar Enogen-Mais anbauten, stiegen die Flächen über 40.500 in 2014 auf 160.000 Hektar in 2016 an. Inzwischen gibt es in acht US-Bundesstaaten zwanzig Anlagen, an die die Farmen ihren Enogen-Mais liefern können. Die damit erzeugte Bioethanol beträgt 7,5 Mrd. Liter.

Außer in den USA ist der Anbau von Enogen-Mais auch in Kanada und Brasilien erlaubt. In 15 Ländern sind Import-Zulassungen als Lebens- und/oder Futtermittel erteilt worden.

Der in der EU eingereichte Antrag auf Zulassung für den Import von Enogen-Mais ist vorerst nicht genehmigt, da nach Auffassung der EFSA die eingereichten Unterlagen für eine abschließende Sicherheitsbewertung nicht ausreichten.