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Dass Aussagen selbsternannter Weltverbesserer als absolute Wahrheiten verkündet, während die ernsthafter Wissenschaftler ignoriert werden: Ist das so neu? Es ist schon ganz schön schlimm, was dem Leser da geboten wird. Irgendwo fand ich ein Foto: Vandana Shiva neben Renate Künast. Was kann man da anderes erwarten? Ein Trauerspiel besonderer Art sind die Reaktionen der Presse auf den Shiva-Report: Frankfurter Rundschau wie immer zuverlässig auf Seiten der Horror-Verkünder. Schockiert hat mich die Reaktion der WELT, die sich sonst vernünftig äußert.
Auf die Frage, warum denn die Landwirte so blöde sind und die Predigten der Ober-Voodoo-Priesterin nicht hören wollen, konnte ich zumindest in der Kurzfassung keine Antwort finden. Es gibt so ein paar tolle Überschriften wie: “Bt crops: A Recipe for Super Pests” oder “Herbicide Resistant Crops: A Recipe for Superweeds”. Naja.
Später heißt es z.B.:
USA As of 2009, 93 percent of soybeans, 93 percent of cotton, 80 percent of corn, and approximately 62 percent of canola, and 95 percent of sugar beets grown are GM crops.
Canada Approximately 90 percent of all canola grown in the country is GM; and almost 65 percent of soy and corn are GM.
Latin America Brazil is the second largest producer of GM crops in the world (approximately 25 million hectares planted with GM crops). Argentina is a close third with approximately 21 million hectares devoted to GM crops. Soybeans comprise the majority of GM crops. …Currently, in the Southern Cone (Argentina, Brazil, Uruguay, Paraguay and Bolivia) there are three GM crops: soy, maize and cotton planted in approximately 46 million hectares, which represent a third of the total area planted with GM crops in the world.
India Monsanto now controls 95 percent of the cotton seed market. It controls 60 Indian seed companies through licensing arrangements. It has pushed the price of seed from Rs. 7/kg to Rs. 3600/kg. Nearly half of this pricing reflects royalty payments.
Also um die Feststellung, dass große Flächen mit gv-Pflanzen bestellt waren, wie in Nord- oder Latein-Amerika, kommt der Shiva-Report nicht vorbei. Sonst würde die Dame S. ja auch nicht so viel Spektakel machen. Dass in Indien 95 % des Saatgutmarktes von Monsanto beherrscht werden, dass Monsanto 60 indische Saatgut-Firmen kontrolliert, daran darf man ruhig zweifeln. Wieweit es sich dabei wirklich um „Beherrschen“ oder „Kontrollieren“ handelt, wäre schon eine Untersuchung wert. Dass Monsanto oder seine Viertel-Tochter Mahyco einen so riesigen Markt wie den Baumwoll-Saatgut-Markt nicht allein mit seinem Saatgut versorgen kann, ist doch wohl vorstellbar. Da liegt es nahe, mit anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten, ihnen Lizenzen zu geben, damit die in der Lage sind, die Resistenz-Eigenschaft in ihre normalen standortangepaßten Sorten einzubauen. Das ist aber weder Beherrschen noch Kontrollieren.
Auf die Frage, welche Rolle in der Entwicklung dabei die Landwirte über Jahre spielen oder gespielt haben, daran drückt sich der Report natürlich vorbei. Solche Aussagen wie die zu Indien unterstellen, dass die armen Bauern keinen Zugang mehr haben zu den viel freundlicheren und billigeren und von Frau Shiva empfohlenen konventionell gezüchteten Sorten. Sie sollen doch den Schluss zulassen, dass sie von Monsanto & Co versklavt sind. Dazu passt natürlich auch der Hinweis auf Argentinien, Brasilien und benachbarte Länder: Klar, in Argentinien, wo sich der Anbau von Roundup-Ready-Sojabohnen innerhalb weniger Jahre explosionsartig ausgebreitet hat und seit einigen Jahren fast 100 % der Fläche einnimmt, gibt es kein anderes Saatgut mehr. Das dürfte in Süd-Brasilien kaum anders sein. Jahrelang hatten die Landwirte, Latifundisten ebenso wie Kleinbauern, die Wahl – und haben sich pro RR-Soja entschieden. Ebenso wie sich Tausende indischer oder chinesischer Kleinbauern pro Bt-Baumwolle entschieden haben. Welches Saatgut-Unternehmen wird sich dann noch bemühen, als Alternative gv-freies Saatgut anzubieten, wenn dafür kein Bedarf mehr besteht? Dazu schweigt natürlich Frau Shiva. Denn das passt nicht in ihre Propaganda. Und die Angaben über Preissteigerungen von Baumwoll-Saatgut sind natürlich abenteuerlich und grotesk. Der Arbeit „ Effects of Bt Cotton in India During the First Five Years of Adoption“ von P. Sadashivappa und M. Qaim (2009) ist zu entnehmen, dass in den ersten Jahren der Preis für Bt-Saatgut etwa dreimal so hoch war wie für konventionelles, dass es dann aber in der Relation deutlich billiger wurde.
Worüber ich mich seit Jahren wundere, ist dass die Kritiker auf die Situation in China immer nur am Rande eingehen. So auch hier im Shiva-Report: Weder in der Kurz- noch in der Langfassung konnte ich dazu etwas finden. Liegt das vielleicht daran, dass westlich inspirierte oder kontrollierte NGOs in China nicht die Narrenfreiheit haben wie in Indien?
Schönen Sonntag noch!
PL
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