Lieber Herr Hoffmeister,
Ich habe mich, wie Sie, über diese Aussagen gewundert. Es heißt allerdings am Schluss. „Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kontakt zwischen den Wurzeln zustande kommt und der Wirkstoff auf die Getreidewurzeln übergehen und entsprechend schädigen kann.“ Es ist also nur die Rede von der Erhöhung der Wahrscheinlichkeit. Im übrigen: Glyphosat kann natürlich vor der Aussaat zur Vernichtung der vorhandenen Unkräuter eingesetzt werden. Davon, dass in der Praxis dabei Schäden an der auflaufenden Kultur vorgekommen wären, habe ich noch nie gehört. Kranke Getreidepflanzen in Baden-Württemberg sollen Grund zur Beunruhigung gegeben haben. Es wird darüber spekuliert, dass Roundup-Behandlungen gegen Unkräuter vor der Aussaat dafür verantwortlich sein könnten. Konkret belegt wird das aber nicht. Schade eigentlich, das wäre doch mal was für Wissenschaftler, dem konkret nachzugehen. Vermutungen reichen nach meinem Verständnis nicht aus. Naja, auch Wissenschaftler phantasieren bisweilen so vor sich hin, sollten aber besser vorsichtig sein, so lange sie keine konkreten Ergebnisse haben.
Ich hatte in den 1980er Jahren die Aufgabe und das Vergnügen, Modellversuche im Topf mit einem direkten Konkurrenzmittel zum Glyphosat durchzuführen. Da lief das Glyphosat grundsätzlich als Vergleichsmittel mit. Leider habe ich keinen Zugang mehr zu den Protokollen. Ich kann mich aber daran erinnern, dass dabei auch Applikationen auf den blanken Boden gemacht wurden, und dass nach einigen Tagen empfindliche Pflanzen ausgesät wurden. Und es gab keine Schäden, weder beim Versuchs- noch beim Vergleichsprodukt. Das ist sicher nicht so ganz dasselbe wie das, was da behauptet wurde. Die Wurzelspitzen der geschädigten Pflanzen mit ihren hohen Konzentrationen an Glyphosat fehlten halt. Ich hatte auch aufgelaufene Pflanzen behandelt und dann vorsichtig zwischen die geschädigten Pflanzen andere als Testpflanzen gesät. Da gab es Schäden an den auflaufenden Pflanzen durch Glyphosat, aber dann durch den direkten Kontakt mit den immer noch vorhandenen Glyphosat-Rückständen auf der Blattoberfläche der direkt getroffenen Pflanzen. Das war sicher etwas praxisfremd, aber in Modellversuchen treibt man bisweilen solche Spiele. Aber noch einmal: Über den Boden, von Wurzel zu Wurzel – auf die Idee waren wir damals nicht gekommen.
Die Sendung des Bayerischen Rundfunks (
http://www.br-online.de/bayerisches-fer ... 002658.xml) bezieht sich auch auf weitere Aussagen von Prof. Neumann, wonach im Sojaanbau „mehr Dünger notwendig“ sei, wenn Roundup gespritzt würde („viel Glyphosat bedeutet auch: viel Dünger“). Weil die Unkräuter mehr Unkrautvernichtungsmittel benötigten, benötigten die Pflanzen mehr Dünger. Den Zusammenhang kapiere ich nicht, aber das steht da so. Angeblich sollen RR-Sojapflanzen nach Roundup-Applikation chlorotisch werden. Naja, der Professor Neumann vermutet negative Langzeitwirkungen auf den Boden bei wiederholter Roundup-Anwendung. Nachgewiesen hat er das aber nicht.
Und dann die Alarmmeldung: Zitrus-Anlagen in Brasilien werden krankheitsanfälliger vor allem gegen Bakterien oder Viren, sterben sogar flächendeckend ab. Also, dass solche Anlagen manchmal flächendeckend absterben, weil sie befallen sind, will ich ja nicht ausschließen. Nur dass Glyphosat der Auslöser für den Befall sein soll, weil dei Pflanzen anfälliger wurden, das erscheint mir nach vielen, vielen Jahren der Anwendung doch ein bißchen merkwürdig. Nun gibt es ja auch in den USA auch viele Zitrusplantagen, vor allem in Florida und in Kalifornien. Und auch dort wird mit Sicherheit Roundup immer und immer wieder eingesetzt. Warum sterben dort die Anlagen nicht flächendeckend ab?
Nur zur Erinnerung: Roundup ist seit Mitte der 1970er Jahren im Handel, und eins seiner vorrangigen Einsatzgebiete war die Unkrautbekämpfung in Dauerkulturen wie Obst, Weinbau, Zitrus, Kaffee, Kautschuk, Ölpalme ect. Auch zur Bekämpfung von Unkräutern in den Stoppeln, z.B. zur Kontrolle von Quecken oder Disteln war es wunderbar einsetzbar. Und natürlich zugelassen.
Also da hat ein sicher ehrenwerter Wissenschaftler einer renommierten Universität ein bißchen viel Vermutungen geäußert, für deren Richtigkeit er noch nicht einmal den Versuch eines Beweises gemacht hat. Schade.
Beste Grüße
Peter Langelüddeke